Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI)

Steht die iranische Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs?

 

Eine Person hält iranische Rial, eine andere hält US-Dollar – was die scharfe Kluft zwischen der angeschlagenen iranischen Wirtschaft und den globalen Wertbenchmarks einfängt.

Sieben Jahre in Folge mit zweistelliger Inflation – jeweils über 30 Prozent – ​​haben die iranische Wirtschaft an einen kritischen Punkt gebracht. Wachsende Besorgnis unter Ökonomen und in der Zivilgesellschaft werfen eine drängende Frage auf: Bricht die iranische Wirtschaft zusammen?

Diese Besorgnis hat sich angesichts der zunehmenden Turbulenzen auf den Devisen- und Goldmärkten sowie der Stagnation der iranischen Produktionssektoren verschärft. Die wirtschaftliche Angst hat sich nicht nur unter Experten, sondern in der gesamten iranischen Gesellschaft verschärft, da der Alltag zunehmend unerschwinglich wird.

Eine ständige Inflationskrise

Nach Angaben des iranischen Statistikamts lag die jährliche Inflationsrate im Jahr 2024 bei 32,5 Prozent. Dies ist das siebte Jahr in Folge mit einer Inflation von über 30 Prozent – ​​weit über dem ohnehin schon beunruhigenden zweistelligen Bereich. Seit der Revolution von 1979 verzeichnete der Iran nur in vier Jahren eine einstellige Inflation. In den verbleibenden Jahren schwankte die Inflation zwischen 10,4 und 49,4 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass das Statistikamt eine staatliche Institution ist, die dazu neigt, wirtschaftliche Probleme herunterzuspielen.

Um das Ausmaß der Krise zu verstehen, muss die Inflation zusammen mit anderen wichtigen Indikatoren betrachtet werden: Liquiditätsausweitung, Wachstum der Geldbasis, stagnierendes BIP und sich verschärfende Handelsungleichgewichte. Zusammen zeichnen sie das beunruhigende Bild einer zutiefst unausgewogenen und instabilen Wirtschaft.

Die menschlichen Kosten des Kollaps

Die Auswirkungen dieses wirtschaftlichen Missmanagements sind am deutlichsten auf den Rohstoff- und Vermögensmärkten sichtbar – Sektoren, die den Alltag der Menschen direkt beeinflussen. Lebensmittelpreise, Wohn- und Transportkosten sind sprunghaft gestiegen und treiben Millionen Menschen weiter in die Armut.

Einige Analysten sprechen von einem drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch. Andere warnen vor einer noch gefährlicheren Möglichkeit: einem gleichzeitigen sozialen und wirtschaftlichen Zusammenbruch. Angesichts der bis 2025 weiter steigenden Preise – die an die Hyperinflation in Venezuela oder Kriegswirtschaften erinnern – ist die Vorstellung eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs nicht länger spekulativ; er wird zunehmend wahrscheinlicher.

Die Wurzeln liegen in einem dysfunktionalen System

Die Inflationsspirale und die Marktverzerrungen sind Symptome einer tieferen Krise. Irans wirtschaftliche Probleme sind nicht nur technischer, sondern struktureller und politischer Natur. Ihr Kern liegt in einem dysfunktionalen Regierungssystem, das sich nicht an die modernen Realitäten angepasst hat.

Jahrelange Stagnation in der Wirtschaftspolitik hat traditionelle Lösungen wirkungslos gemacht. Die aktuelle Situation lässt sich weder durch schrittweise Reformen noch durch technokratische Anpassungen lösen. Das Ungleichgewicht ist so tief verwurzelt und komplex geworden, dass es konventionellen wirtschaftlichen Maßnahmen widerspricht.

In diesem Sinne ist die Krise Irans „metaökonomisch“. Ihre Wurzeln liegen in der breiteren politischen Struktur: starre Makropolitik, Unentschlossenheit und mangelnde Bereitschaft zu grundlegenden Reformen. Den politischen Entscheidungsträgern fehlen sowohl die Instrumente als auch die Autorität, um sinnvolle Veränderungen herbeizuführen, da wichtige Entscheidungen weiterhin zentralisiert und ideologisch eingeschränkt sind – insbesondere durch das Bekenntnis des Regimes zu seinem Atomprogramm und seiner konfrontativen Außenpolitik.

Eine Nation im Verfall

Jüngste Berichte iranischer Staatsmedien geben Einblicke in die Schwere der Krise. Von Wohnungsnot und zunehmender Obdachlosigkeit bis hin zu den explodierenden Kosten für Lebensmittel und Transport – die Anzeichen des wirtschaftlichen Zerfalls sind allgegenwärtig.

Tejarat News, ein staatsnahes Medium, berichtete über einen beunruhigenden neuen Trend auf dem Teheraner Immobilienmarkt: den Verkauf und die Vermietung von Dächern als eigenständige Wohneinheiten. In einem solchen Inserat auf der beliebten Kleinanzeigen-Webseite Divar wurde das Dach eines Gebäudes im Stadtteil Khak Sefid für schwindelerregende 3,75 Milliarden Toman angeboten – angeblich mit einer Baugenehmigung für einen zweistöckigen Bau.

Unterdessen verschärft sich die Brotkrise. Laut Asr-e Iran räumte ein Sprecher der Gildenkammer ein, dass die Brotpreise bald steigen werden. Da die Regierung die Versicherungszuschüsse für Bäcker kürzt und die Kosten für Mehl und andere Zutaten steigen, sitzen die Bäcker in der Klemme: Sie sehen sich mit steigenden Kosten konfrontiert und sind gezwungen, zu veralteten, festen Preisen zu verkaufen.

Im Transportsektor berichtete Bahar News von einer Verdoppelung der Reifenpreise von 15 auf 30 Millionen Toman. Die Preise für Neuwagen liegen mittlerweile zwischen 60.000 und 80.000 Dollar. Viele Lkw-Fahrer riskieren daher Milliarden von Toman, nur um auf der maroden iranischen Straßeninfrastruktur fahren zu können.

Ein Land am Scheideweg

Die Summe dieser Entwicklungen deutet nicht nur auf eine schwache Wirtschaft hin, sondern auf eine Gesellschaft im freien Fall. Millionen Iraner erleben, wie ihre Kaufkraft schwindet. Grundbedürfnisse werden zu Luxusgütern. Die Hoffnung schwindet.

Der wirtschaftliche Zusammenbruch des Iran ist möglicherweise nicht mehr die Frage des „Ob “, sondern des „Wann “. Es sei denn, die Wurzel des Problems – das Regime selbst – wird behoben.

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