Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI)

Warum Teheran Khomeinis Falle vom 4. November wiederholt

 

Studenten und Aktivisten, die mit dem iranischen Regime verbunden sind, erklimmen am 4. November 1979 die Tore und Mauern der US-Botschaft in Teheran | Foto mit freundlicher Genehmigung: Wikipedia

Dreiminütige Lektüre 

Jedes Jahr am 4. November inszeniert die Klerikerdiktatur ihre Gründungslegende neu: regimetreue Studenten stürmen 1979 die US-Botschaft, Khomeini stellt sich dem „Großen Satan“ entgegen, und eine vermeintlich geeinte Nation beginnt einen kompromisslosen Kampf gegen Amerika.

Mojtaba Khamenei griff diese Woche wieder auf dieses Drehbuch zurück. Er teilte die Welt in eine „Front der Wahrheit“ und eine „Front der Lüge“ ein, nahm die Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK) in seine Liste amerikanischer Verschwörungen auf und erklärte, dass „Einheit, Solidarität und sozialer Zusammenhalt“ die iranische Gesellschaft bestimmen müssten.

Die Botschaft bezog sich nicht nur auf Washington.

Es ging um den Iran.

Wie Khomeini Amerika in eine Waffe im Inland verwandelte 

Die offizielle Version verschweigt geflissentlich, was vor der Botschaftsbesetzung geschah.

Aus freigegebenen US-Depeschen geht hervor, dass Washington am 15. Januar 1979 einen direkten Draht zu Khomeinis Gefolge in Paris öffnete und gleichzeitig Gespräche zwischen der iranischen Militärführung und Khomeinis Vertretern förderte.

Am 27. Januar sandte Khomeini selbst eine private Nachricht nach Washington, in der er erklärte, seine geplante Islamische Republik hege keine „besondere Feindseligkeit“ gegenüber den Amerikanern und versprach, dass seine Führung die Stabilität wiederherstellen könne.

Ganz gleich, zu welchem ​​Schluss man hinsichtlich der amerikanischen Politik während der Revolution gelangte, diese Aufzeichnungen widerlegen die vereinfachende Vorstellung, dass Khomeinis Bewegung durch eine ununterbrochene Konfrontation mit Washington an die Macht gekommen sei.

Der politische Nutzen des Antiamerikanismus zeigte sich erst später.

Als Militante am 4. November die Botschaft besetzten, stellte sich Premierminister Mehdi Bazargan ihnen entgegen und trat innerhalb weniger Tage zurück. Die Encyclopaedia Iranica berichtet , dass das aus der Botschaft beschlagnahmte Material selektiv verwendet wurde, um politische Gegner als amerikanische Kollaborateure darzustellen, und dass Khomeini die Krise ausnutzte, um liberale und säkulare Rivalen zu marginalisieren und gleichzeitig die neue theokratische Ordnung zu festigen.

Es war eine außerordentlich wirksame Falle: Entweder man akzeptierte Khomeinis radikalen Kurs – oder man riskierte, als Agent Washingtons gebrandmarkt zu werden.

Die iranische Staatskunst verwendet dieses Mittel seither immer wieder.

Warum Mojtaba die gleiche Formel benötigt 

Mojtaba Khameneis Anrufung des 4. November erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der Staat mit etwas viel Gefährlicherem als der amerikanischen Rhetorik konfrontiert ist: einer zutiefst unzufriedenen Gesellschaft im eigenen Land.

Die Proteste von Rentnern, Arbeitern, Studenten und anderen gesellschaftlichen Gruppen dauern an. Allein am 2. November berichteten Reporter aus dem Iran von Demonstrationen von Telekommunikationsrentnern in zahlreichen Städten, neben anderen Protesten und Streiks; die Demonstranten skandierten den eindringlichen Slogan: „Unser Feind ist direkt hier; sie lügen, dass es Amerika ist.“

Die Reaktion darauf war eine Eskalation der Repression. 

Amnesty International berichtete am 16. Oktober, dass die Behörden mindestens 34 Personen, die im Zusammenhang mit dem Aufstand im Januar festgenommen worden waren, nach grob unfairen, von Folter geprägten Prozessen willkürlich hingerichtet hätten, während bei mindestens 20 weiteren Personen die Todesurteile bestätigt worden seien.

Die jüngsten Zahlen des NCRI verdeutlichen das ganze Ausmaß. Bis Ende Oktober meldete er 1.186 Hinrichtungen seit Anfang 2026, darunter fast 50 politische Gefangene seit Ausbruch des jüngsten Krieges, neun von ihnen Mitglieder der PMOI.  Die Zahl der Hinrichtungen steigt weiter.

Gleichzeitig hält das Regime seine eigene Anhängerschaft permanent mobilisiert. Die Basij feierte im September öffentlich 200 aufeinanderfolgende Nächte regierungsfreundlicher Straßenproteste und kündigte an, diese so lange fortzusetzen, wie es die Interessen des Systems erforderten.

Das ist nicht das Verhalten eines selbstbewussten Staates.

Was Teheran über den organisierten Widerstand in Erinnerung hat 

Jüngste Äußerungen von Veteranen des Regimes offenbaren eine weitere Ebene der Besorgnis.

Ahmad Alamolhoda, Khameneis Vertreter in Maschhad, erinnerte kürzlich daran, dass die Operationen der MEK während der frühen Konfrontation so umfangreich geworden waren, dass die Sicherheitsbeamten die Moral verloren und Khomeinis Intervention suchten, um ihre Entschlossenheit zu stärken.

In einer weiteren Diskussion im staatlichen Fernsehen wurde die historische Enthüllung geheimer Nuklearaktivitäten durch die MEK gewürdigt und der Zugang der Opposition zu Informationen innerhalb des Establishments beklagt.

Diese Eingeständnisse verdeutlichen die strategische Angst des Regimes.

Massenwut allein kann unterdrückt werden. Eine Untergrundorganisation allein kann gejagt werden.

Explosiv wird es durch das Zusammentreffen beider Seiten: eine Gesellschaft, die immer wieder auf die Straße geht, und ein erfahrenes Widerstandsnetzwerk, das zu Organisation, Kontinuität und nachhaltigen Operationen fähig ist.

Die MEK-Widerstandseinheiten führten am 2. November 90 Aktionen in Teheran und 24 weiteren Städten durch, darunter Angriffe auf Basij- und IRGC-Einrichtungen sowie Anti-Regime-Graffiti.

Doch die überzeugenderen Beweise liefert die Rhetorik Teherans selbst.

Vor 47 Jahren nutzte Khomeini Amerika, um eine Revolution zu spalten, politische Rivalen zu vernichten und die Herrschaft des Klerus zu festigen.

Heute spricht sein Nachfolger wieder obsessiv von Amerika, der MEK und dem „sozialen Zusammenhalt“, während Demonstranten die Straßen füllen, Hinrichtungen zunehmen und der Staat seine Anhänger permanent mobilisiert hält.

Die Propaganda richtet sich nach außen. Die dahinter steckende Angst sitzt im Inneren Irans.

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