
Al-Abadi darf nicht – wie sein Vorgänger – eine Marionette Teherans sein, bestimmt, die ‚schmutzige Arbeit’ zu tun und sektiererische Gruppen zu Gunsten der iranischen Mullahs auszubeuten. Das schrieben der ehemalige Gouverneur von Pennsylvania, Tom Ridge, und der frühere Gouverneur von Vermont, Howard Dean, im „Chicago Tribune“.
Eine entschiedene Haltung des zukünftigen Lenkers des Irak würde, so die beiden Autoren, auch die Schubkraft brechen, derer sich Teheran bei den Nuklearverhandlungen mit dem Westen bedient.
Sie schreiben: „Jahrelang hat die Regierung al-Maliki den Irak an den Rand des Bürgerkriegs gebracht, indem sie sektiererische Gruppen politisch ausnutzte. Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen im Jahre 2011 verlegte sich al-Maliki, unterstützt vom schiitischen Iran, auf eine Politik, die ihm große Teile der Bevölkerung entfremdete.
Diese Politik bereitete den Weg für den Aufstieg extremistisch-terroristischer Gruppen wie des ‚Islamischen Staates’ und zerstörte das prekäre Bündnis zwischen der Regierung und der dünnen sunnitisch beherrschten Grünen Linie, die mit dem Schutz des Volkes beauftragt war.
Nur eine entschiedene Haltung der Vereinigten Staaten, die von der Regierung Inklusivität und Unabhängigkeit verlangt, kann dem Zirkel des sektiererischen Blutvergießens Einhalt gebieten.
Mit der Einführung des designierten neuen Premierministers Haider al-Abadi gewinnt Washington die Gelegenheit, sicher zu stellen, daß die verschiedenen politischen Stimmen des Irak in einer demokratischen politischen Ordnung vereinigt werden. Die im Irak bestehende Vielfalt muß sich in der Regierung wiederspiegeln.
Der wichtigste erste Schritt, den al-Abadi tun muß, besteht, so schreiben Herr Ridge und Herr Dean, darin, daß er die allseitige Einmischung des Iran beendet.“
Und sie fügen hinzu: „Der Iran konnte den Einfluß, den er unter al-Maliki im Irak besaß, konsolidieren, indem er die Justiz und den schiitischen Block dazu zwang, eine zweite Amtszeit ihres Klienten zu unterstützen, obwohl seine Fraktion bei den Wahlen des Jahres 2010 unterlegen war.
Dann stellten die Generäle in Teheran al-Malikis Kabinett zusammen, z. B. Ali Khedery. Al-Maliki bedankte sich für diesen Gefallen damit, daß er nicht zögerte, an den wehrlosen iranischen Dissidenten, die in den irakischen Lagern Ashraf und Liberty versammelt waren, Massaker zu verüben.
Die mehreren tödlichen, unprovozierten Überfälle auf die Mitglieder der ‚Mojahedin-e Khalq’ hinterließen insgesamt 100 Tote und tausende Verletzte und halfen Teheran bei der Eliminierung einer pro-amerikanischen, demokratischen Oppositionsgruppe.
Mit Hilfe der iranischen Quds-Truppe unterdrückte al-Maliki im Irak brutal die Proteste des Volkes, machte Jagd auf Stammesführer, veranstaltete Verhaftungen und Hinrichtungen – alles in Komplizenschaft mit Teheran.“
Sie schreiben: „Die Verhältnisse des Jahres 2007 wurden umgekehrt; damals spielten nämlich Sunniten bei der Vertreibung der al-Qaida aus dem Irak die Schlüsselrolle. Nun aber zeigte sich jene Art des Sektierertums, die dem ‚Islamischen Staat’ zum Aufstieg verhalf.
Nun ist der einzuschlagende Weg klar: Die Vereinigten Staaten müssen den Übergang zu einer inklusiveren Regierung fördern, die den Sunniten, den Stämmen, den moderaten Schiiten und anderen Minoritäten Gehör verschafft.
Durch Annahme einer entschiedenen diplomatischen Haltung würden die Vereinigten Staaten nicht nur ihr in der Region beschädigtes Ansehen wiederherstellen, sie würden auch die Schubkraft des ‚Islamischen Staates’ dadurch, daß sie die Entfremdung der Sunniten von der irakischen Politik aufhöben, zerstören. Gleichermaßen würde durch Parteinahme für eine neue, inklusive Leitung die vom Iran im Irak ausgeübte Herrschaft des Terrors erheblich gemindert.
Teheran besäße nicht länger eine Marionette, die nebenan seine schmutzige Arbeit erledigen würde. Es würde die bedeutende Schubkraft einbüßen, deren es sich bei den Nuklear-verhandlungen mit dem Westen bedient.
Die Art und Weise, wie al-Abadis neue Regierung mit den iranischen Dissidenten in Camp Liberty umgeht, wird ein Lackmustest für seine Haltung zu Teheran sein.
Wenn er die Dissidenten im Einklang mit den vom Irak den Vereinten Nationen gegenüber abgegebenen Verpflichtungen, dem Völkerrecht und ihren Menschenrechten behandelt, wird er ein deutliches Zeichen dafür setzen, daß es der neuen Regierung mit dem Einschlagen eines unabhängigen irakischen Weges Ernst ist – eines Weges, der die nationalen Interessen höher achtet als die religiösen Trennungen.“