Von WILLIAM J. BROAD
Im September vergangenen Jahres, als die unterirdische Urananreicherungsanlage in einem der Berge Irans in der Nähe der heiligen Stadt Qom entdeckt wurde,
Mit der Entdeckung der unterirdischen Urananreicherungsanlage in einem der Berge Irans nahe der heiligen Stadt Qom im September vergangenen Jahres kam Licht in eine Angelegenheit größeren Ausmaßes: Im Verlauf des letzten Jahrzehnts versteckte der Iran einen zunehmend größeren Teil seines Atomkomplexes in einem Geflecht aus Tunneln und Bunkern, verstreut über das ganze Land.
Die amerikanische Regierung und private Experten sind der Auffassung, dass der Iran damit ein doppeltes Ziel erreichte. Er hat damit nicht nur seine Infrastruktur hinter dichtem Gestein vor militärischen Angriffen abgeschirmt, sondern außerdem das Ausmaß und den Charakter seiner berüchtigten undurchsichtigen Atomabsichten weiter verschleiert. Die Entdeckung der Anlage bei Qom weckt nun Befürchtungen, dass weitere inoffizielle Anlagen vorhanden sein könnten.
Jetzt, mit dem Verstreichen der von Präsident Obama zum Ende des Jahres gesetzten Frist für diplomatische Annäherung, wurde dieser Mantel der Unsichtbarkeit so etwas wie eine gstählte Waffe, die das militärische und geopolitische Kalkül des Westens erschwert.
Die Obama Administration sagt, dass sie der Hoffnung sei, die innenpolitischen Unruhen und das Chaos ausnutzen zu können, um das Regime durch wirksame, direkte Sanktionen bei der Realisation des Nuklearprogramms Irans unter Druck zu setzen. Allerdings ist ein entscheidender Faktor für den Weg zu einer nichtmilitärischen Lösung der Meinung einiger Analysten zufolge der iranische Tunnelbau – das, was Teheran als seine Strategie der "passiven Verteidigung" bezeichnet.
In der Tat hat US-Verteidigungsminister Robert M. Gates immer wieder die Möglichkeit eines ein militärisches Eingreifen unberücksichtigt gelassen und erklärte, dass er nur den Atomkurs Irans um ein bis drei Jahre verlangsamen würde, während das Programm weiter in den Untergrund abtriftet.
Einige Analysten sagen, dass Israel, mit der wohl härtesten Iran-Politik, militärischen und nachrichtendienstlichen unterliegt und besonders betroffen sein könnte.
"Das macht Euer Ziel komplizierter", sagte Richard L. Russell, früherer CIA-Analyst und jetzt am der Universität für Nationale Verteidigung: "Wir agieren gewöhnlich über der Erde. Untergrund ist buchstäblich ein schwarzes Loch für uns. Du kannst nicht wissen, was passiert."
Auch die Israelis räumen ein, dass Fels Bomben unbrauchbar machen könnte. Ende vergangenen Monats erklärte der israelische Verteidigungsminister, Ehud Barak, dem Parlament, dass sich die Anlage von Qom "in Bunkern befindet, die durch konventionelle Waffen nicht zerstört werden können".
Der von Gebirgen übersäe Iran hat eine lange Geschichte des Tunnelbaus für zivile wie für miltärische Zwecke und Mahmoud Ahmadinejad spielt wieder eine Rolle – zunächts als Transportingenieur und Gründer der iranischen Gesellschaft für Tunnelbau und nun als der Präsident der Nation.
Es gibt nach Auffassung der amerikanischen Regierung und privater Experten im Iran Hunderte, vielleicht Tausende Tunnels, und ihr Verwendungszweck kann nicht eindeutig getrennt werden. Firmen der Islamischen Revolutionären Garden Iran zum Beispiel bauen Tunnel sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke.
Niemand im Westen weis, wie viel und welcher Teil des iranischen Nuklearprogramms verborgen bleibt. Für den Fragenden bleibt nach wie vor der Beweis für einen nuklearen Abwärtstrende offen.
Google Earth zun Beispiel zeigt
Google Earth zum Beispiel zeigt, dass das ursprüngliche Zentrum der Atomanlage in Isfahan aus leicht erkennbaren – und einfach anzugreifenen – Gebäude besteht. Allerdings sagen Analysten der Regierung, dass der Iran in den letzten Jahren die nahe gelegenen Berge mit Tunneln durchlöchert hat. Satelliten-Fotos zeigen sechs Eingänge.
Der Iran dementiert, dass sein Nuklearkurs auf militärische Zwecke ausgerichtet sei und besteht darauf, dass er die Atomkraft ausschließlich für friedliche Zwecke, wie zum Beispiel zur Stromgewinnung, nutzen will. Er erklärt, dass er Anreicherungsanlagen bauen will, um 20 Atomkraftwerke zu betreiben, ein Plan, der bei vielen Wirtschaftsexperten infrage gestellt wird, weil der Iran weltweit die zweitgrößten Vorkommen an Öl und Naturgas besitzt.
Machenschaften oder nicht, jede Expansion scheint scheint nicht die gewünschte Vergrößerung zu bringen. Nach einem Jahrzehnt des Aufbaus, arbeitet Irans wichtigste Hauptanreicherungsanlage in Natanz mit einem sehr geringen Teil ihrer eigentlichen Kapazität. Die Qom Anlage ist nur halb fertig. Atomexperten sagen, dass die neuen Anlagen, wohl noch für Jahre oder sogar Jahrzehnte nicht produzieren können, wenn das überhaupt beabsichtigt ist. Selbst wenn, stellen sie fest, dass die Tunnel der leichteste Teil des Planes sind und damit könnte es bald los gehen.
Trotz der Fragen, ob der Westen wirklich glaubwürdig drohen kann, das iranische Atomprogramm zu zerstören, bestehen Analysten darauf, dass die Vereinigten Staaten, Israel und ihre Verbündeten diese Option niemals umsetzen würden. Das Pentagon arbeitet in der Tat fieberhaft an der Entwicklung einer wirksamen neuen Bombe für die Zerstörung von Tunneln.
"Ziele im Erdinneren waren schon immer ein Problem", sagte Greg Duckworth, ein ziviler wissenschaftlicher Angestellter, der Leiter einer Forschungsgruppe des Pentagon zur Ermittlung von Tunneln des Feindes. "Und es wird schlimmer."
Ein Tunnelexperte
Ahamdinejad begann seine berufliche Laufbahn als Ingenieur für Transportwesen mit engen Verbindungen zu den Revolutionären Garden und hielt an seinem Interesse für Tunnel fest.
Er half 1998 bei der Gründung der Iranian Tunneling Association ist auf der Website der Organisation zu lesen. Damals begann Teheran seine unterirdischen Wege sehr viel stärker auszubauen und der Iran beschleunigite unerkannt von der Weltöffentlichkeit sein Nuklearprogramm.
Anfang 2004 war Ahmadinejad in seiner Amtszeit als Bürgermeister von Teheran Vorsitzender der Sechsten Iranischen Tunnelbau Konferenz. Er würdigte die Führer des alten Persiens wegen der Schaffung der unterirdischen Wasserwege und plädierte für die Schaffung neuer "Tunnel" zwischen der Regierung, den Universitäten und Berufsgruppen.
"Ich bitte Gott, uns allen zu helfen", sagte er in einem Papier. Diese Tunnelbau Konferenzen, die regelmäßig in Teheran abgehalten werden, locken globale Hersteller von Tunnelbohrmaschinen an – gigantische Maschinen, die so groß wie Lokomotiven sind und sich schnell durch das Felsgestein wühlen können.Terratec, eine australische Firma stellte Anfang vergangenen Jahres fest, dass der Iran neuerdings "einer der aktivsten Märkte weltweit" wird.
Viele Firmen haben ihre Büros in Teheran. Herrenknecht, eine marktführende Firma aus Deutschland hat drei. Ingenieure sagen, dass im Iran Hundertausende ziviler Tunnelprojekte angestoßen wurden, darunter unterirdische Straßen in Teheran, Isfahan und Shiraz, Autobahntunnel im ganzen Land und Wassertunnel, um das ausgetrocknete Inland zu bewässern.
Nach allem wurde der Samen für den Entmilitarisierung während des Iran-Irak-Krieg in den 1980er Jahren gesät, als der Irak Teheran und andere iranische Städte mit Raketenwellen übersäte. Der Bau von Unterständen, Bunkern und Tunneln wurde zu einer patriotischen Pflicht.
Ein Watchdog der Opposition
2002 enthüllte der Nationale Widerstandsrat Iran, eine oppositionelle Gruppe, dass der Iran in Natanz insgeheim eine unterirdische Atomanlage baue und es stellte sich heraus, dass dort Uran angereichert werden sollte. Anreicherungsanlagen können Reaktoren versorgen oder mit etwas mehr Einsatz, Atombomben.
Satellitenfotos zeigten, dass die Iraner zwei Höhlenhallen etwa halb so groß wie das Pentagon aushoben. Schätzungen gehen davon aus, dass die darüber liegende etwa 30 Fuß dicken Schichten aus Fels, Erdreich und Beton ausreichend sind, Bomben abzuhalten, aber nicht die Unzerstörbarkeit der Anlage garantieren können.
Die Entdeckung von Natanz löste die Konfrontation des Westens mit dem Iran aus. Zwei Jahre später fand die Internationale Atomenergiebehörde zu ihrer Überraschung heraus, dass der Iran das Gebirge bei Isfahan mit Tunneln durchzog, wo das Uran bereits zur Anreicherung vorbereitet ist. "Der Iran hat der Behörde nicht regelmäßig Bericht erstattet", steht in einem I.A.E.A.- Papier mit diplomatischer Untertreibung.
Dann, Ende 2005 organisierte die iranische Oppostionsgruppe Pressekonferenzen in Paris und London, um bekannt zu geben, dass ihre Agenten in Erfahrung gebracht hatten, dass der Iran an 14 Stellen an Tunneln für Raketen und Nuklearprojekte arbeite. Dazu zählt ein unterirdischer Komplex in der Nähe von Qom.
Die Regierung, so sagte ein Mitarbeiter des Rates, habe Tunnel gebaut, um "den Bau der Nuklearwaffen voran zu treiben." Der Rat belastete auch Ahmadinejad und die Tunnelbaugesellschaft als ziviler Deckmantel für militärische Projekte und Aquisitionen gedient zu haben.
Die Behauptungen des Rates fanden wenig Beachtung. Einige westliche Experten sahen sie als zu hoch angesetzt. Einige zweifelten an der Objektivität des Rates, da er versuchte die Regierung zu stürzen. Vielleicht war das größte Hindernis ein Verdacht auf Überläufer zu einer Zeit, als sich herausstellte, dass die amerikanische Invasion im Irak zum Teil auf falschen Behauptungen irakischer Dissidenten über Saddam Husseins unkonventionelle Waffen aufgebaut hatte.
Atominspektoren der Vereinten Nationen kontrollierten einige der Tunnel in Isfahan, allerdings nicht in Qom, weil die Anlage dort dem Militär vorbehalten ist und damit nur bei sehr belastenden Hinweisen auf verdächtige Aktivitäten untersucht werden kann.
"Wir überwachten, was immer sie brachten", sagte Mohamed ElBaradei, der vor kurzem verstorbende Chef der Internationalen Atomenergie Behörde über den Rat in einem Interview. "Und viel davon war Schwindel."
Frank Pabian, ein Senior Berater im Bereich der Nichtverbreitung von Atomwaffen im Los Alamos National Laboratory in New Mexico widersprach vehement. "Sie hatten zu 90 Prozent recht", sagte er über die Offenbarungen des Rates über illegale Standorte im Iran. "Das heißt nicht, das sie perfekt sind, aber 90 Prozent ist eine ziemlich gute Bilanz."
2007 gab der Rat bekannt, dass der Iran in der Nähe von Natanz, der ausgedehnten Anlage zur Urananreicherung, in den Bergen Tunnel baue. Satellitenfotos bestätigten das.
Und Qom wurde Ende September , wenn auch verspätet, zu einer Rechtfertigung, als Präsident Obama mit den Führern von Frankreich und Großbritannien erkannte, dass dort "eine verdeckte Urananreicherungsanlage" gebaut wird.
Militärbauten
Im Dezember veroeffentlichte die Oppositionsgruppe einen Bericht über das iranische Tunnelbausystem in einer neuen Form. Sie sagte, dass der Iran Tunnel und Bunker für Forschungseinrichtungen, Munitionslager, militärische Hauptquartiere und Kommando-und Kontrollzentralen gebaut habe. "Eine Herstellergruppe" in den Bergen östlich von Teheran, sagte sie, spezialisiere sich auf "die Herstellung nuklearer Sprengköpfe."
Vor allem wurde in diesem Bericht die Anzahl der Tunnelstandorte – Tunnel, die of zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden – von 14 auf 19 erhöht, in denen Militärbasen und Waffenherstellung verborgen werden.
Amerikanischen Militärstrategen sehen in den iranischen Tunneln – unabhängig von ihrer genauen Zahl und ihrem Verwendungszweck – eine ernst zu nehmende Prüfung der militärischen Fähigkeiten. Die meisten behaupten, das es keinen einfachen Weg gibt, um ein Atomprogramm zu stoppen, das so gut versteckt, weitflächig verstreut und tief vergraben ist.
Zu den Schwierigkeiten, so sagen Militärexperten, gehören Köder Tunnel und falsche Eingänge, die eine gute geheimdienstliche Ermittlungsarbeit erfordern. Die Experten fügen hinzu, dass die Ankündigungen Irans über neue Anreicherungsanlagen einfach dazu dienen, die tatsächlichen Aktivitäten zu verschleiern und die westlichen Militärstrategen zu verunsichern.
David A. Kay, ein Atomexperte, der die fruchtlose Suche nach unkonventionellen Waffen im Irak leitete, sagte, dass das Versteck einer Anlage oder von zweien unter den Felslabyrinthen eine besondere Herausforderung für Israel darstellen könnte. "Sie haben nur begrenzte Geheimdienste für diese Aufgabe", sagte Dr. Kay und fügte hinzu, dass die Vereinigten Staaten besser dafür ausgrüstet wären, das Gebiet des iranischen Atomprogramms zu kartografieren.
Raymund Tanter, ein Iran Experte an der Georgetown University mit Erfahrungen im Weißen Haus, fügte hinzu: "So lange die amerikanische Technologie noch keinen Zugang zum Tunnelbau", sei er umstritten. "Aber die Option Israels wird problematischer, weil sie weniger militärischen Vorteil davon haben."
Ohne Zweifel hat die Obama Adminstration gut daran getan, die militärische Option vom Tisch zu nehmen und das Pentagon entwickelt nun eine tötliche Tunnelwaffe.
Die Bombe – 20 Fuß [etwa 6 m, d.Ü.] lang mit der Bezeichnung schweres Artilleriegeschütz – begann 2004 als eine Empfehlung des Defense Science Board, eine hochrangige Beratergruppe des Pentagon.
"Eine tief in einem Felsen gelegene Tunnelanlage stellt eine besondere geologische Herausforderung dar", schrieb das Board. "Mehrere Tausend Pfund hochexplosiven Sprengstoff im Tunnel angebracht sind notwendig, um Eingänge zu sprengen und einen tödlichen Luftsog zu erzeugen."
In der Bombe befindet sich tonnenweise Sprengstoff und sie erreicht das Zehnfache der Sprengkraft ihres Vorgängers. Die ersten vorläufigen Tests waren 2007 und im kommenden Sommer wird sie zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Träger ist der B2 Tarnkappenbomber.
Bryan Whitman, ein Sprecher des Pentagon, berichtete Reportern im Oktober, dass die Probleme der Haushaltsplanung den Bau der Waffe verzögert habe, dass nun aber wieder daran gearbeitet würde. Militärs dementieren allerdings, damit ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Trotzdem, so fügte Whitmann hinzu, würden Kriegsstrategien es als "ein wichtiges Potential" ansehen.
Bryan Whitman, ein Pentagon-Sprecher sagte Journalisten im Oktober, dass die Haushaltsplanung der Waffe Probleme verzögert hatte, sondern daß es jetzt wieder auf Kurs. Militärs bestreiten, ein bestimmtes Ziel vor Augen. Trotzdem hat Mr. Whitman, Kriegsplaner halte es "eine wichtige Funktion.