(Übersetzung aus dem Englischen)
Der Kampf der Frauen für Gleichheit kann nicht stattfinden ohne dass wir die Führung im Kampf gegen den Fundamentalismus und seine globale Bedrohung übernehmen.
Als eine Frau aus dem Iran wurde ich Zeugin der Unterdrückung meines Volkes und der Frauen meiner Heimat durch die seit über zwei Jahrzehnten herrschenden Fundamentalisten. Die Welt hat jedoch nicht über das nachgedacht, was die iranischen Frauen durchleben müssen. Außerdem ist den meisten die potentielle Bedrohung durch den wachsenden Fundamentalismus noch gar nicht bewußt geworden. In den Medien kümmern sich nicht viele darum und die Regierungen verfolgen ihre eigene Beschwichtigungspolitik und ihre wirtschaftlichen Interessen. Die wirtschaflichen Interessen haben sogar die Menschenrechtsbelange zum Schweigen gebracht.
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass dieses Erscheinung nicht auf den Iran oder den Mittleren Osten beschränkt bleibt. Wir können nicht ruhig bleiben und zuschauen, wie sich Extremismus und Fundamentalismus auf andere Frauen ausdehnt.
Der letzte Menschenrechtsberichterstatter aus dem Iran, Professor Capithorn, schrieb vor einigen Jahren, dass der Iran einem großen Frauengefängnis gleiche. Die Frauen im Iran sind unter ständiger Kontrolle und überprüfen mit mehr als 20 Regierungsbehörden, wie sich Frauen kleiden und wie sie sich Männern gegenüber verhalten.
Und zu all dem erleben wir auch die gefährlichen Konsequenzen von extremer Armut und frauenfeindlichen Gesetzen:
– Statistiken zufolge sind mehr als 73% der iranischen Frauen mindestens einmal Opfer von Gewalt geworden, im Gegensatz zu anderen Ländern jedoch öffnet das Gesetz den Männern im Iran Tür und Tor für Gewaltanwendung gegen Frauen.
– Im Juni 2006 wurden 5.200 Fälle von sexuellen Übergriffen auf junge Mädchen im familiären Umfeld bekannt.
– Die Zunahme von Praktiken wie Polygamie und Ehen auf Zeit, hat gegenwärtig den Weg für die Prostitution geöffnet.
– 35% der studierten Frauen sind arbeitslos. Iranische Mädchen sind zu über 60% in den Universitäten vertreten. Die Mullahs planen jedoch als Bestandteil ihrer sexuellen Diskriminierung die Möglichkeit zum Hochschulstudium in ihrem sogenannten Parlament. Sie verfolgen das Ziel, Frauen den Zugang zu Universitäten zu beschränken.
Das ist sicher nur ein kleiner Teil von dem, was die Mullahs gegen die Frauen im Iran unternehmen.
Jetzt sollte man fragen, welche Aufgabe hat eine Frauenbewegung angesichts solcher Diskriminierung und Thyrannei?
Kampagnen, um das Regime zu Reformen in seinen Regierungsstrukturen zu bewegen und Gesetze für Frauen haben keinen Platz in einer religiösen Diktatur, die auf dem Prinzip des Velayat Faghih (die Höchste Führerschaft) beruht.
28jährige Erfahrungen haben bewiesen, dass der im Iran herrschende religiöse Faschismus ein rückständiges System und unfähig zu Reformen ist. Wenn es auch nur ein winziges bisschen seine unterdrückenden und frauenfeindlichen Gesetze lockern würde, würde die ganze Plattform diese Regimes ins Wanken geraten.
Von 1996 bis 2004 – während der Regierungszeit von Khatami – behauptete er, die Regierung der Mullahs von innen heraus zu reformieren. Er hatte die Mehrheit im Parlament und seine internationalen Verbündeten unterstützten ihn ebenfalls völlig.
Aber nichts hat sich geändert. Anstelle das die frauenfeindlichen Praktiken endlich verschwinden würden, eskalierten sie nur. Khatamis Reformprojekt war eine große Demonstration der Tatsache, dass selbst dieses Regime der Reformidee nur bediente, um den Druck auf die Bevölkerung zu erhöhen und schneller Atomwaffen zu entwickeln.
Welche Lösung gibt es?
Im März 2004, bei einer Kundgebung der Frauen in paris, als Frau Rajavi die Bildung einer internationalen Frauenfront gegen den Fundamentalismus forderte, antworteten Elisabeth Sydney (Präsidentin von WAFE, der Internantionalen Vereinigung der Frauen gegen den Fundamentalismus und für die Gleichstellung der Frauen) und ich (Generalsekretärin von WAFE) zusammen mit einigen anderen Freundinnen auf diesen Aufruf. Der erste Schritt sich dieser Erscheinung in den Weg zu stellen heißt über diese Erscheinung zu informieren und sie blosß zu stellen. Deshalb betrachten wir es jedes Jahr am Internationalen Frautag als unsere Aufgabe, darüber zu reden.
Wir bitten um Hilfe und die Teilnahme von Frauen, die selbst diese Bedrohung erfahren haben und sehen, unabhängig von nationalen bzw. regionalen Orientierungen, frei von jeder Ideologie, jeglicher Religion oder ethnischen Vorzügen.
Es gibt eine gemeinsame Wurzel, eine gemeinsame Not. Wir sind alle Frauen und kennen die Nöte der Frauen aus eigenem Erleben. Wir können die Not und das Leiden nachempfingen, die durch die Ausweitung des Fundamentalismus seit drei Jahren stärker geworden ist.
Außerdem müssen wir die Bedeutung für die Offenlegung dieses Phänomens betonen. Wir sollten unsere Regierungen bitten, alle wirtschaftlichen und dimplomatischen Beziehungen mit diesem Regime zu unterbinden, um Menschenrechte durchzusetzen.
Jede weitere Verzögerung bedroht die Frauenbewegung im Iran und in der ganzen Welt.
Das sollte natürlich unsere aktive Teilnahme im gemeinsamen Kampf gegen den Fundamentalismus entwickeln, um seine globale Bedrohung als ein religiöser Faschismus, der Nuklearwaffen haben will, offenzulegen.
Unser Kampf für Gleichheit kann nicht stattfinden, ohne dass wir den Kampf gegen den Fundamentalismus und seine Bedrohung für die Welt anführen.
Sarvnaz Chitsaz ist die Vorsitzende des Frauenkommitees des Nationalen Widerstandsrates Iran und Generralsekretärin der Internationalen Vereinigung der Frauen gegen den Fundamentalismus und für Gleichstellung. Sie kämpfte in den letzten 30 Jahren aktiv für Menschenrechte und Demokratie im Iran.