
Dies haben Amtspersonen aus den USA und aus Europa sowie Kongressmitarbeiter im Nachhinein zu dieser Operation mitgeteilt.
Hölzerne Paletten, die mit Euro, Schweizer Franken und Geld in anderen Währungen bepackt waren, wurden in einem Frachtflugzeug ohne Kennzeichen in den Iran geflogen, erläuterten diese Amtspersonen gegenüber The Wall Street Journal. Die USA haben dieses Geld von den Zentralbanken in der Schweiz und in den Niederlanden zusammenbringen lassen, heißt es.
Das Geld bildete die erste Rate von 1,7 Milliarden, auf die sich die Obama Administration mit dem iranischen Regime geeinigt hatten, um einen Jahrzehnte alten Streit beizulegen über einen fehlgeschlagenen Waffenhandel, der noch vor dem Sturz des letzten Monarchen im Iran im Jahr 1979, Schah Mohammad Reza Pahlevi unterzeichnet worden war, schreibt The Wall Street Journal vom Mittwoch.
Der Bericht führt aus , dass diese Regelung, die Ansprüche einlöst, die ein internationales Tribunal in Den Haag festgelegt hatte, die außerdem zeitlich mit dem historischen Durchbruch des Atomabkommens zusammenfällt, das zwischen Teheran, den USA und anderen Weltmächten im letzten Sommer abgeschlossen wurde.
„Nach dem Abschluss des Atomabkommens und der Befreiung der Gefangenen war es an der Zeit, auch diesen Streit beizulegen“, äußerte Präsident Obama im Weißen Haus am 17. Januar – ohne die Zahlung der 400 Millionen $ zu erwähnen.
Höhere US Beamte leugneten jede Verbindung zwischen der Zahlung und dem Austausch von Gefangenen. Sie gaben an, dass die Fäden zufällig zur gleichen Zeit zusammenliefen und nicht das Ergebnis eines quid-pro-quo seien.
„Wir haben klargestellt, dass die Verhandlungen über die Erfüllung eines ausstehenden Anspruches … vollkommen getrennt von der Rückkehr amerikanischer Bürger nach Hause zu sehen seien“, erklärte der Sprecher des Außenministeriums John Kirby. „Nicht nur verliefen die Verhandlungen getrennt, sie wurden auch auf beiden Seiten von verschiedenen Teams durchgeführt, so auch im Fall der Ansprüche nach Den Haag, an denen technische Experten seit vielen Jahren gearbeitet haben“.
Vertreter der USA räumten aber ein, die Unterhändler des iranischen Regimes hätten zu dem Gefangenenaustausch gesagt, sie bräuchten ein Zeichen, dass sie etwas Handfestes erreicht hätten.
US Senator Tom Cotton, Republikaner aus Arkansas und entschiedener Gegner des Atomabkommens mit dem Iran, beschuldigt Präsident Barack Obama der Zahlung „eines Lösegeldes über 1,7 Milliarden $ für US Geiseln an die Ajatollahs“.
„Das ist eine Kehrtwende gegenüber der seit Langem üblichen politischen Praxis der USA, kein Kopfgeld auf Amerikaner zu setzen, und hat den Iran dazu gebracht, weiter illegal Amerikaner als Geiseln zu nehmen“, meint er.
Seit der Lieferung des Bargelds hat der nachrichtendienstliche Arm der Revolutionsgarden wiederum zwei Irano-Amerikaner festgenommen, so der Bericht. Teheran hat außerdem in den letzten Monaten Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit aus Frankreich, Kanada und Großbritannien gefangen genommen.
Zur Zeit der Freilassung haben Außenminister John Kerry und das Weiße Haus von einem diplomatischen Durchbruch gesprochen. Herr Kerry hob die Bedeutung „der damit gefestigten Beziehungen und der freigesetzten diplomatischen Kanäle in Bezug auf den Verlauf der Atomgespräche“ hervor.
In iranischen staatlichen Medien wurden höhere Beamte im Militärbereich zitiert, die das Bargeld als Lösegeld bezeichnet haben.
Die 400 Millionen $ wurden in auswärtiger Währung gezahlt, weil nach US Gesetzen jede Transaktion an das iranische Regime in US Dollar illegal ist. Die Sanktionen erschweren auch für Teheran den Zugang zu weltweit tätigen Banken.
„Manchmal wollen die Iraner Bargeld, weil es für sie sehr schwierig ist, im internationalen Finanzsystem an etwas heranzukommen“, erläuterte ein höherer US Beamter, der im Januar zu der Bargeldlieferung um Auskunft gebeten worden ist. „Sie wissen, dass es Monate dauern kann, um Geld von einem Platz an einen anderen zu überweisen“.
Die Obama Administration hat sich geweigert, offen zu legen, wie sie einen Teil von den 1,7 Milliarden $ gezahlt hat, trotz Anfragen im Kongress, abgesehen davon, dass nicht in Dollars gezahlt worden sei. Abgeordnete haben ihre Besorgnis darüber geäußert, dass das Bargeld vom iranischen Regime benutzt werden könnte, um Verbündete in der Region finanziell zu unterstützen, unter anderem das Assad-Regime in Syrien und die libanesische Hisbollah Miliz, die in den USA als Terrororganisation gilt.
Die USA und die Vereinten Nationen sind davon überzeugt, dass Teheran den Krieg von Assad in Syrien mit Bargeld und Energielieferungen bezuschusst.
Die USA und das iranische Regime haben im November 2014 Geheimverhandlungen begonnen, um die Freilassung von Amerikanern sicherzustellen, die im Iran in Haft sind, ist von den Amtsträgern in den USA und in Europa zu erfahren. Der Außenminister der Schweiz Didier Burkhalter hat sich bereit erklärt, als Gastgeber für die Gespräche zu fungieren.
Die Schweiz vertritt die diplomatischen Interessen im Iran, seit Washington nach der Geiselkrise von 1979 seine Botschaft in Teheran geschlossen hat.
Die Sicherheitsdienste des iranischen Regimes haben zwei Irano-Amerikaner in der ersten Amtszeit von Präsident Obama inhaftiert. Im Juli 2014 hat der nachrichtendienstliche Arm der Revolutionsgarden des Regimes einen Büroleiter der Washington Post in Teheran gefangen genommen und ihn der Spionage beschuldigt.
Ein vierter Irano-Amerikaner wurde im vergangenen Jahr verhaftet. Der ehemalige Agent des FBI Robert Levinson ist 2007 auf der iranischen Insel Kish verschwunden. Sein seitheriges Schicksal ist nach wie vor ungeklärt.
Den genannten Amtsträgern zufolge gab es in dem Schweizer Kanal zunächst wenige Aktivitäten. Es kam aber mehr Bewegung hinein, nachdem Teheran und die Weltmächte im Juli 2015 zu einem endgültigen Abkommen gelangten, um das Atomprogramm des iranischen Regimes zur beschränken im Gegenzug zur Aufhebung der meisten internationalen Sanktionen. Eine ganze Welle von Treffen hat in der Stadt Genf am gleichnamigen See im November und Dezember stattgefunden.
Die US Delegation wurde von dem Sondergesandten des Außenministeriums Brett McGurk geleitet und schloss Vertreter der Central Intelligence Agency und des Federal Bureau of Investigation ein, heißt es von seiten der Amtsträger aus den USA und Europa. Das Team des iranischen Regimes bestand weitgehend aus Mitgliedern des inländischen Spionagedienstes, so die US Beamten.
Die Diskussion im Hotel InterContinental konzentrierte sich zunächst auf einen Modus, in dem das iranische Regime die in Teheran festgehaltenen Amerikaner gegen Personen mit iranischer Staatsangehörigkeit ausgetauscht werden könnten, die in US Gefängnissen einsitzen, gaben die US Beamten an. Seit etwa Weihnachten verschränkten sich die Gespräche mit der Aushandlung einer Verständigung über die alte Den Haag Sache in Bezug auf die Waffen.
Das iranische Regime verlangte die Rückgabe der 400 Millionen $, die 1979 vom Schah-Regime in einem Treuhandfonds des Pentagon für den Kauf von US Kampfjets deponiert worden waren, erläuterten ebenfalls die US Beamten. Sie wollten auch die Milliardenbeträge an Zinsen, die seither angefallen sind.
Präsident Obama hat die Lieferung der 400 Millionen $ gebilligt. Aber soviel Geld an einer Stelle zu sammeln, stellte eine logistische und sicherheitstechnische Herausforderung dar, erzählen die Amtsträger aus den USA und Europa. Eine der Auskunftspersonen scherzte: „Sie können soviel Geld nicht am Bankautomaten bekommen“.
Herr Kerry und das Außen- und Finanzministerium haben die Regierungen der Schweiz und der Niederlande um Mitarbeit gebeten. Zuletzt hat die Obama Administration den Gegenwert von 400 Millionen $ an die jeweiligen Zentralbanken überwiesen. Dort wurde es in andere Währungen ausgetauscht, auf hölzerne Paletten gepackt und an Bord eines Frachtflugzeugs in den Iran geschafft.
Am Morgen des 17. Januar hat das iranische Regime die vier Amerikaner freigelassen. Drei von ihnen begaben sich in ein Flugzeug der schweizerischen Luftwaffe und flogen nach Genf, der vierte kehrte allein in die USA zurück. Im Gegenzug haben die USA sieben iranische Bürger frei gelassen, die Auslieferungsersuchen 14 weiterer aber fallengelassen.
Die Amtsträger aus den USA und aus Europa wollten nicht den genauen Zeitpunkt nennen, an dem die 400 Millionen $ im Iran angekommen sind. Ein Bericht in der staatlichen iranischen Nachrichtenseite der Agentur Tasnim, die den Revolutionsgarden nahesteht, gab bekannt, dass das Bargeld in dem Teheraner Flughafen Mehrabad am gleichen Tag anlangte, als die Amerikaner abflogen.
Befehlshaber der Revolutionsgarden brüsteten sich damals damit, dass die Amerikaner dem iranischen Druck nachgegeben hätten. „Soviel Geld bekam man zurück für die Freilassung amerikanischer Spione“, erklärte General Mohammad Reza Naghdi, der Befehlshaber der Basij Milizen gegenüber staatlichen Medien.
Mitglieder des Kongresses versuchen, Gesetze durchzubringen, die die Obama Administration daran hindern sollen, weitere Zahlungen an das iranische Regime zu leisten. Eine dieser Vorlagen verlangt, dass das Weiße Haus die Einzelheiten des Transfers der 1,7 Milliarden $ an den Iran veröffentlicht.
„Die Zahlung … von Präsident Obama an den Iran im Januar, die unseres Wissens die militärische Expansion des Iran finanziert, ist ein empörendes Beispiel der betriebsblinden Vorgehensweise von Regierungsstellen“, meinte Senator James Lankford (R., Okla.), der die Vorlage mit eingebracht hat. „Irans Militär zu unterstützen ist vielleicht der schlimmste Missbrauch von Steuergeldern, der je von einem amerikanischen Präsidenten begangen wurde“.