Washington– Sie stehen vor der Morgendämmerung auf zum Appell, essen und beten, bevor sie den Tag damit beginnen, ihre Kalaschnikow abzufeuern.
Die nächsten acht Stunden verbringen sie damit, die Benutzung von Bazookas zu üben, Landminen zu legen, nur unterbrochen davon, zu essen oder ihre religiösen Befehle entgegen zu nehmen. Dann am Abend beginnt die Freizeit. Sie sehen fern oder spielen Tischtennis. Um 11 Uhr abends ist dann Zeit, zu schlafen.
So sieht ein typischer Tag in einer staubigen Militärbasis außerhalb von Teheran aus, in denen in den letzten Jahren die Mitglieder der Iranischen Revolutionsgarden, der Quds Streitkräfte und die Libanesische Hisbollah ihre Angriffe gegen Amerikanische Streitkräfte im Irak planen, so steht es zumindest in Dokumenten über die Aussagen von irakischen Kämpfern, die aus den Vernehmungsprotokollen der US Armee hervorgehen.
Die Amerikanischen Behörden haben lange vermutet, dass die Iraner Trainingscamps und Waffen zur Verfügung stellen, um die Angriffe der Schiiten im Irak zu fördern. Die offiziellen iranischen Stellungnahmen haben immer verneint, dass es solche Trainingscamps bei ihnen gibt.
Nun liegen mehr als 80 Seiten eines als neu bezeichneten Berichtes der Geheimdienste vor, in denen sie zum ersten Mal von einem durchdachtem Netzwerk sprechen, das die Iraker in den Iran schleust und sie dort unter iranischer Hilfe ausbildet. Der umfangreiche Bericht zeigt, dass die Befürchtungen der Amerikaner, der Iran könnte eine Stellvertreterarmee im Irak aufbauen, als aktuell begründet. Die Vermutungen der Amerikaner waren in der Vergangenheit ein politischer Streitpunkt in Amerika, weil die Bush Kritiker oft davon sprachen, dass die Beteilung des Irans überschätzt und überbewertet würde.
Die Gefangenberichte können zwar nicht unabhängig bestätigt werden, aber sie enthalten doch eine Vielzahl von sehr gleich klingenden Details über die Trainingsbedingungen im Iran, die über ein heimliches Netzwerk der so genannten “sichere Häuser”, über die die Camps erreicht werden können, verfügen und über starke Spannungen zwischen den Schiiten und zwar zwischen den arabischen Irakern und den persischen Iranischen Trainern.
Obwohl die Angriffe der Schiitischen Milizen auf die Amerikaner im letzten Jahr abgenommen haben, reden Geheimdienstkreise darüber, das es Beweise gäbe, die dafür sprechen, dass sie nun in “speziellen Gruppen” in den Irak zurück kehren, um die kommenden Wahlen zu stören und die Bewohner einzuschüchtern. General Jeffrey W. Hammond , der Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in Bagdad sagte vor kurzem, dass er glaubt, das schon einige Milizen in den letzten Wochen in der Hauptstadt angekommen sind.
Die Dokumente, die durch die Antiterrorabteilung in West Point zusammengestellt wurden, basieren auf den Aussagen von mehr als zwei Duzend Schiitischen Kämpfern, die im Irak zwischen 2007 und 2008 gefangen genommen wurden. Der Report kann online unter (http://ctc.usma.edu/Iran_Iraq.asp) in englischer Sprache abgerufen werden.
Der Bericht zeigt die iranische Strategie, wie irakische Schiiten als Ersatz benutzt werden, um ein Risiko einer Gefangennahme eines Iraners im Irak zu vermeiden. In einem der Berichte erzählt ein Gefangener, dass:“ Der Iran keinen direkten Krieg mit den Amerikanern im Irak kämpfen will, weil die Iraner davor Angst haben, das dann die USA den Iran zerstören könnte, in dem sie dort einmarschiert.“
Amerikanische Geheimdienstmitarbeiter sagten, sie glauben, dass seitdem eine Handvoll iranischer Revolutionsgardisten 2006 in Bagdad gefangen genommen wurden, der Iran seine Strategie verändert hat, in dem sie kleine Gruppen vom Irak in den Iran bringen. Die Iraker werden nach der Ausbildung in den Irak zurück gesendet, um dann wiederum größere Gruppen der Schiitischen Milizen zu trainieren.
Ein langjähriger amerikanischer Geheimdienstmitarbeiter sagte, dass es Anzeichen dafür gäbe, das die Trainingsprogramme in diesem Jahr „signifikant“ vergrößert wurden, um die Verluste der irakischen Milizen wieder auszugleichen, die nach den irakischen Militärkampagnen in Basra und Bagdad geflohen sind oder getötet wurden.
Brian Fishman, der Direktor der Antiterrorabteilung und ein Co-Autor der neuen Studie über den politischen und militärischen Einfluss des Irans auf den Irak sagte, obwohl der Iran keinen direkten Einfluss auf die Milizen im Irak hat, so nutzt er dennoch durch seine Trainingscamps die Möglichkeit, den Einfluss im Irak nach seinem Willen zu steuern.
“Die Bildung von Milizenallianzen ist eine Absicherung”, sagte er. „Wenn sich die Dinge gegen die iranische Politik wenden, dann gibt es ihnen eine Art Hebel, an dem sie ziehen können.“
Die amerikanische Behörden sprechen auch davon, dass es noch nicht klar ersichtlich ist, in wie weit die iranischen Trainer die Maßgaben einer taktischen Ausrichtung der iranischen Regierung mit einfließen lassen. Die Dokumente zeigen keine klare Teilnahme von Regierungsmitgliedern, die das Training bewachen würden.
Die neue iranische Studie von Mr. Fishman und Colonell Joseph H. Felter enthält auch, dass die iranische Unterstützung für die Angriffe gegen die amerikanischen Streitkräfte im Irak in Bezug auf ihre Möglichkeiten zu sehen sind, dass sie„“…demonstrieren, dass sie eine Vergeltungsmöglichkeit gegen einen U.S. Luftschlag gegen iranische Atomanlagen haben.“
Die Gefangenen gaben detaillierte Beschreibungen der täglichen Routine in den iranischen Camps, sagten genaue Informationen über die Intensität der Schulungen an den Waffen und über das militärische Leben in den Camps. Ein Gefangener erzählte sogar über einen kleinen Aufruhr im Lagern, weil sie keine Socken hatten, die sie in den Militärstiefeln tragen konnten.
Die Dokumente beschreiben aber auch tiefe ethnische Risse zwischen den iranischen und irakischen Schiiten. Die Iraker beklagten oft, dass ihnen die Trainer keinen Respekt entgegen bringen und, dass sie abfällige Bemerkungen über Moktada al-Sadr, den schiitischen Geistlichen, machten, der eine anti-amerikanische Bewegung im Irak anführt.