
Die Revolutionsgarde des iranischen Regimes beschlagnahmte am Freitag innerhalb kurzer Zeit zwei britische Tanker – einer davon konnte seine Fahrt später wieder fortsetzen. Der britische Außenminister Jeremy Hunt drohte der Führung in Teheran mit “ernsten Konsequenzen”, sollte sie nicht auch den anderen Tanker bald freigeben.
In einem Interview des Senders SkyNews sagte er aber auch, militärische Optionen würden nicht erwogen. “Wir halten nach einem diplomatischen Weg Ausschau, um diese Situation zu lösen.”
Hunt erklärte vor einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (Cobra) in London, er habe mit US-Außenminister Mike Pompeo über die Situation gesprochen. Versuche, mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif zu telefonieren, seien zunächst nicht erfolgreich gewesen, da er sich auf einer Flugreise befand. Nach der Cobra-Sitzung teilte ein Regierungssprecher dann mit, dass allen britischen Schiffen dazu geraten werde, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer bis auf Weiteres zu meiden. Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft.
Die Iranischen Revolutionsgarden hatten zuvor mitgeteilt, den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker Stena Impero in der Straße von Hormus gestoppt zu haben. Der Tanker habe internationale Vorschriften nicht beachtet, teilten die Revolutionsgarden mit. Der Tanker sei zur weiteren Untersuchung in den Hafen der Stadt Bandar Abbas gebracht worden. Alle Besatzungsmitglieder sollten bis zum Ende der Untersuchung an Bord bleiben.
Nach Angaben seiner britischen Reederei habe der Tanker hingegen alle Navigationsregeln eingehalten. Dies gelte auch für alle internationalen Vorschriften. Es seien 23 Seeleute an Bord aus Indien, Russland, Lettland und den Philippinen, sagte Erik Hanell, der Chef der Reederei Stena Bulk. Bislang gebe es keine Berichte über Verletzungen. Die Sicherheit und das Wohlergehen der Besatzung bleibe das Hauptaugenmerk der Firma.
Kurz darauf wurde auch der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker Mesdar des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK in Richtung Iran abgedrängt. Inzwischen sei das Schiff aber wieder freigegeben worden, teilte das Unternehmen in der Nacht mit.