
Saad Hariri ordnet nach einer von der Hisbollah, deren Interventionen in der Region den Premier erzürnen, organisierten Reise die Verbannung des Gruppenführers Qais al-Khazali aus dem Lande an
Agenturen – BEIRUT – Der libanesische Premierminister kritisierte am Samstag den Besuch des Kommandeurs einer vom Iran unterstützten irakischen Miliz an der libanesisch-israelischen Grenze; er nannte ihn einen Verstoß gegen das dort geltende Recht.
Die Reise von Qais al-Khazali, dem Gründer und Kommandeur der Miliz „Asaib Ahl al-Haq“ – oder: „Liga der Gerechten“ – wurde von der mit dem Iran verbündeten libanesischen Hisbollah organisiert – einer mächtigen Terrororganisation, die Israel als Erzfeind gegenübersteht.
Am Donnerstag abend wurde von dem Fernsehsender der „Asaib Ahl al-Haq“ ein Video ausgestrahlt; es zeigte al-Khazali in Gesellschaft einiger anderer Männer in militärischer Uniform, die ihn in Gebiete führten, von denen aus man israelische Städte und Dörfer sehen kann. Einer von ihnen zeigt auf eine entfernte bergige Gegend und sagt: „Das ist Golan“, das meint die Golanhöhen, die Israel während des Krieges im Jahre 1976 von Syrien erobert hatte.
Später sieht man al-Khazali, wie er an einer Mauer steht – an der Grenze, bei dem Fatima-Tor des libanesischen Grenzdorfes Kfar Kila.
Man hört ihn in der Aufnahme sagen: „Wir erklären uns vollständig bereit, angesichts der israelischen Okkupation an der Seite des libanesischen Volkes und der palästinensischen Sache zu sehen.“
Jawad al-Tlibawi, der Sprecher von „Asaib Ahl al-Haq“, sagte gegenüber AFP: Der Besuch „geschah in Solidarität mit der Sache der Araber und Muslime und mit dem besetzten Palästina“.
„Es ist,“ so fuhr er fort, „eine klare Botschaft an Israel, es ist ein Ausdruck der Solidarität mit dem libanesischen Volk für den Fall, daß Israel es angreift.“
In einer Erklärung des Premierministers Saad Hariri heißt es, der Besuch liege sechs Tage zurück; er stelle einen „Verstoß gegen das libanesische Recht dar“; weitere Erläuterung fehlt.
Er fuhr fort, er habe die Behörden angewiesen, zu ermitteln und „geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um alle, die auf libanesischem Territorium militärisch operieren wollen, daran zu hindern …, auch die in dem Video zu sehenden Personen am Betreten des Libanon zu hindern“.
„Asaib Ahl al-Haq“ ist eine vom Iran gestützte Gruppe – einer der Hauptbestandteile der paramilitärischen Truppe „Hashed al-Shaabi“ des Irak. Sie hat die Truppen der USA spektakulär angegriffen, bevor diese sich im Jahre 2011 aus dem Irak zurückzogen.
Die Hisbollah entsendet Berater zur Unterstützung der Truppe in ihrem Kampf gegen die Terrorgruppe des „Islamischen Staates“.
Die libanesische Terrorgruppe kämpft auch im benachbarten Syrien; sie wurde der Unterstützung der Huthi-Rebellen im Jemen bezichtigt.
Ihre Interventionen in der Region sind im Libanon zu einem Spannungsfaktor geworden; Hariri erwähnte sie, als er im vorigen Monat seinen Rücktritt erklärte.
Später nahm er seinen Rücktritt zurück – nach Gesprächen, die ergaben, daß die libanesische Regierung eine Erklärung erließ, welche eine Politik der Nicht-Einmischung in die Konflikte der Region bekräftigt.
Im Jahre 2006 führte Israel im Libanon einen verheerenden Krieg gegen die Hisbollah; dabei wurden mehr als 1200 Libanesen – zum größten Teil Zivilpersonen – sowie 120 Israelis – zum größten Teil Soldaten – getötet.
Israel hatte im Jahre 2000 seine Truppen aus dem Süden des Libanon abgezogen und damit eine Präsenz in dem Lande beendet, die 22 Jahre gedauert hatte. Doch die beiden Nationen liegen praktisch weiterhin im Krieg; an der Grenze kommt es gelegentlich zu Scharmützeln.