Die Nachricht wurde an die religiösen Führer in Qom, Mashhad, Teheran, Isfahan, Tabriz, Shiraz und in andere Städte, darunter auch in die irakische Stadt Najaf, geschickt.
In ihr erklärte Montazeri auch: „Die Vorfälle und Tragödien der letzten Monate, die nach der Wahl im Land statt fanden, ließen bei den klerikalen Institutionen und religiösen Einrichtungen die Alarmglocken erklingen.“
Er ergänzte:“ Im Rahmen dieses Ereignisses wurde auf den Rechten der Menschen herum getreten und viele Ungerechtigkeiten und Anschuldigungen wurden im Namen der Religion und von einer Minderheit im Staat und den mit dem Staat verbundenen Klerikern verübt. Viele Bereiche der enttäuschten Bevölkerung, die den friedlichen Weg der Proteste in Abstimmung mit der Sharia und den Rechten wie Artikel 27 der Verfassung gingen, waren davon betroffen. Statt auf einem positivem und rationalen Weg auf die gerechtfertigten Forderungen der Menschen zu reagieren, hat der Staat Millionen Menschen als Aufrührer, Unruhestifter und ausländische Agenten bezeichnet und vollkommen überzogene Gewalt zur Unterdrückung von Millionen schutzloser Frauen und Männer eingesetzt. Sie haben auch eine große Anzahl von Menschen verhaftet und eine Gruppe auf den Straßen und in anderen grausamen Gefängnissen zu Märtyrern gemacht.“
Montazeri fuhr fort:“ Was uns schockiert ist, dass ein Staat sein Militär, die Polizei und seine Gewehre gegen unbewaffnete und ungeschützte Menschen einsetzt, sie in den Gefängnissen zu Märtyrern macht und danach auch noch als „Mohareb“ (Personen, die gegen Gott im Krieg sind) bezeichnet. Sie selbst haben die Krise und die Bedrohung des Systems zu verantworten, nennen aber Menschen, die das System tragen, Unruhestifter und Gegner des Systems.“
Montazeri verurteilte auch das Erzwingen von Geständnissen vor den Gerichten des Regimes und das Ausüben von Druck und Einschüchterungen gegen die besiegten Kandidaten der Präsidentschaftswahl wie Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karubi und ergänzte:“ Zeitgleich mit der Unterdrückung des Volkes verhaftet der Staat politische Aktivisten und Mitglieder der Elite des Landes. Jeder von ihnen hat dem Land große Dienste erwiesen und lebte nun mit einer geplanten Agenda, gegen die Sharia und das Zivilrecht. Der Staat hat Fälle gegen sie konstruiert und falsche Geständnisse erpreßt. Danach brachten sie diese auch noch in Schauprozessen vor, welche gegen die Sharia und das Gesetz sind und die das islamische Rechtssystem vor den Augen der Welt lächerlich machen.“
In seiner Nachricht ergänzte Montazeri:“ In einer solchen Situation haben anerkannte religiöse Autoritäten und shiitische Kleriker eine größere Verantwortung, weil sie zusätzlich zu ihren öffentlichen Aufgaben die Pflicht haben, die religiösen Anschuldigungen des Staates im Namen der Religion zu verhindern. Wenn diese Taten die Sharia und die wesentlichen Ziele der Revolution verletzen und unter dem Banner der Religion ausgeführt werden, dann sind sie ein klares Zeichen für Ketzerei. Ketzerei schliesst nicht die Legislative und die formelle Einbindung von anti-religiösen Dekreten aus. Es enthält auch Aktionen, die gegen die Sharia geschehen und unter ihrem Banner verübt werden.“
Montazeri war Khomeni’s Nachfolger für 10 Jahre (1979-1989). Er wurde im März 1989 von Khomeni für seine Kritik an dem Massaker von 30.000 Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK) im Jahre 1988 abgesetzt. Auf Dekret von Khomeni wurden ca. 30.000 politische Gefangene (die Mehrheit davon waren PMOI Mitglieder oder Unterstützer) innerhalb einiger Wochen im Sommer 1988 hingerichtet.