
Eine Audiodatei von Brigadegeneral Behrouz Esbati, einem hochrangigen IRGC-Kommandeur, hat in den iranischen Staatsmedien große Aufmerksamkeit erregt. Trotz der berüchtigten Zensur des Regimes ist die Datei auch mehr als 72 Stunden nach ihrer Veröffentlichung noch immer nicht entfernt worden. Seine Bemerkungen lenken die Schuld strategisch auf externe Akteure wie Russland und Assad und verschleiern so effektiv die wahre Ursache für die katastrophale Niederlage des Regimes in Syrien: Den Zusammenbruch der operativen Fähigkeiten der IRGC. Diese narrative Wendung soll Teherans tiefe interne Versäumnisse und das bröckelnde Fundament seines Militärapparats verschleiern.
Es überrascht nicht, dass einige westliche Medien die Darstellung des Regimes unkritisch zu wiederholen scheinen, ihre Berichterstattung an Teherans Agenda ausrichteten und so unabsichtlich dessen Propaganda verstärkten.
In der Audioaufnahme, die auf Didar News veröffentlicht wurde – einer Plattform, die das klerikale Regime häufig nutzt, um kontrollierte „Kritik“ zu verbreiten –, macht Esbati, den Leiter der Cyberspace-Operationsbasis des Generalstabs der Streitkräfte, beispiellose Geständnisse.
Esbati warf Russland vor, die Position des Iran in Syrien zu untergraben. „Russland war eine der Hauptursachen für den Zusammenbruch Syriens“, sagte er in der Audioaufnahme, die am 11. Januar von Setareh Sobh vielfach zitiert wurde. Er behauptete, während der entscheidenden israelischen Luftangriffe seien „russische Radare absichtlich abgeschaltet worden, was ganz im Sinne zionistischer Interessen geschah“.
#Iran News: IRGC Commander Admits Defeat in #Syria, Blames Russia and Assadhttps://t.co/zAjXUyEzky
— NCRI-FAC (@iran_policy) January 9, 2025
Esbati schilderte einen Vorfall während des Besuchs des ehemaligen Regimepräsidenten Ebrahim Raisi in Syrien: „Als Raisi ankam, sagte das syrische Informationsministerium, sie würden die Straße vom Flughafen zum Palast mit iranischen Flaggen schmücken. Aber es wurde klar, dass kein offizieller Empfang geplant war. Wir mussten in aller Eile ein Kommandozentrum einrichten und die Straße innerhalb von sechs Stunden schmücken.“ Esbati führte fort:“Kurz darauf wurde dieselbe Straße für den Besuch ihres Außenministers mit Flaggen der VAE geschmückt.“
Esbati enthüllte auch Assads Hinwendung zu arabischen Staaten. „Assads Regierung nahm Angebote der VAE und Saudi-Arabiens an, Syriens Finanzbedarf zu decken, im Austausch für eine Einschränkung der iranischen Präsenz“, sagte er laut Ensaf News. Diese Neuausrichtung führte zu erheblichen anti-iranischen Maßnahmen, darunter der Vertreibung von 80 % der iranischen Familien aus ihren Häusern.
Korruption in Assads Regime war ein weiterer Schwerpunkt. „Sogar Maher Assad, Bashars Bruder, nahm Bestechungsgelder von irakischen Pilgern an“, behauptete Esbati. „In der Frontverteidigung waren nur 40 von 400 Soldaten anwesend; der Rest erhielt Bestechungsgelder, um zu Hause zu bleiben.“
#IRGC's Failures in Syria Shows Its Inability to Save Khamenei in #Iran, NCRI Member Sayshttps://t.co/fzu781w7af
— NCRI-FAC (@iran_policy) January 5, 2025
Offenheit in den staatlichen Medien, darunter Plattformen wie Etemad Online, lässt vermuten, dass das Regime die Schuld für den Verlust von Assads Loyalität von sich weisen will. Indem es externen Verrat in den Vordergrund stellt, versucht Teheran, seinen schwindenden Einfluss und die Rolle der IRGC beim Zusammenbruch Syriens herunterzuspielen.
Dies unterstreicht die schwierige Lage, in der sich das klerikale Regime befindet. Trotz der hohen politischen Kosten, welche die Offenlegung seiner zerbrochenen Allianzen mit sich bringt, versucht es verzweifelt, eine Erzählung zu konstruieren, die die beunruhigende Realität verschleiert: Die Kräfte, auf die sich seine Anhänger und Funktionäre verlassen, um das Regime zu schützen, sind alles andere als stabil oder moralisch intakt. Dieser kalkulierte Schachzug unterstreicht die wahren Prioritäten des Regimes – Selbsterhaltung um jeden Preis, selbst wenn dies bedeutet, seine Glaubwürdigkeit zu opfern und interne Schwachstellen offenzulegen.