
VOA: Einer der Menschen in den Todeszellen ist Jafar Kazemi, dessen Sohn im Camp Ashraf im Irak ist. Die Bewohner von Camp Ashraf sehen sich einigen Problemen ausgesetzt und wir haben in der Vergangenheit bereits darüber berichtet. Aber heute ist das nicht der Grund für unser Gespräch. Wir werden jetzt zu Herrn Behrouz Kazemi (Sohn von Jafar Kazemi) gehen.
Behrouz Kazemi: Hallo auch an Ihre Zuschauer. VOA: Herr Kazemi, als Iraner, der nicht im Iran lebt und sich an einem Ort wie Camp Ashraf aufhält, welchen Glauben oder welche Meinung Sie auch immer haben mögen, was sind Ihre Gefühle, als Mensch, der die Nachricht vom Urteil für ihren Vater erhalten hat?
BK.: Als ich von dem Todesurteil meines Vaters hörte, war es für mich als seinem Sohn sehr schwer zu verstehen, dass er nach seinem Besuch bei mir im Camp Ashraf festgenommen und zum Tod verurteilt worden war. Es war sehr schwer für mich, diese Nachricht zu verarbeiten.
VOA: Wessen wird er beschuldigt? Wir hörten, dass eines seiner Verbrechen war, Sie besucht zu haben.
BK.: Ja, Wie Sie wissen, hat das Regime sechs Menschen zum Tod verurteilt und einer von ihnen ist Jafar Kazemi.
Mein Vater wurde bei den Demonstrationen am Qud-Tag verhaftet. Zwei Wochen lang, wussten wir nicht, wie es ihm geht. Zufällig fanden wir heraus, dass mein Vater im Evin-Gefängnis inhaftiert war. Danach wurde mein Vater etwa vier Monate später in einem Scheinprozess zum Tod verurteilt. Wir haben davon durch seinen Rechtsanwalt erfahren, aber die Todesstrafe wurde ohne Kenntnisnahme durch seinen Rechtsanwalt bestätigt. In dieser Zeit wollte das Regime meinen Vater unbedingt zum Tod verurteilen und bezog sich dazu auf einen fiktiven Fall. Der einzige Grund für sein Todesurteil ist sein Besuch bei mir im Camp Ashraf vor zwei Jahren. Das bedeutet, dass das Regime noch nicht einmal das Grundrecht eines Menschen respektieren kann, seine Familie zu sehen. Aus diesem Grund wurde er verhaftet, angeklagt, ein Mohareb zu sein und dann wurde er zum Tod verurteilt. Es ist lächerlich, dass das Regime noch nicht einmal toleriert, dass uns unsere Familienangehörigen im Camp Ashraf besuchen. Zusätzlich hat das Regime mit der Hilfe der irakischen Regierung (aus dem Iran) Familienmitglieder von Ashrafbewohnern zum Camp gebracht, um sie psychisch zu foltern.
VOA: Das ist ein anderer Punkt. Was erwarten Sie von der Welt wegen des Urteils für Ihren Vater? Ich meine, was erwarten sie von den Vereinten Nationen? Denken Sie, dass die Welt das alles wahr nimmt und das das Regime sich nicht darum kümmert?
BK.: Um das Leben meines Vaters zu retten, habe ich an die UN und andere Organisationen geschrieben. Vielleicht erfährt die Welt, was geschieht und öffnet ihre Augen und sieht, dass es so viele Menschen gibt, die zum Tod verurteilt werden. Wie sie wissen, wurden weitere fünf Menschen, die wir alle sehr schätzen, vor kurzem hingerichtet.
Der Hauptgrud für diese Verbrechen [die Inhaftierung und die Hinrichtung] ist die Bevölkerung, die damit in Vorbereitung auf den Jahrestag des Volksaufstandes am 12. Juni 2010 (Ende des Khordad) verängstigt und eingeschüchtert werden soll. Das Regime hat vor diesen Demonstrationen extrem viel Angst und so begeht sie Verbrechen an politischen Gefangenen.
VOA: Ihr Vater wurde also beschuldigt, die Sicherheit der Nation in Gefahr gebracht zu haben? Das sagt die Islamische Republik Iran. Ist dieser Anklagegrund nicht einfach unfair? So sehen sie also in dem Besuch Ihres Vaters bei Ihnen eine Gefahr für die nationale Sicherheit?
BK.: Genau. Wie ich vorher bereits im Zusammenhang mit der Todesstrafe erwähnte, beweist das Regime, dass das Grundrecht auf Familienbesuch als eine Aktion gegen die nationale Sicherheit angesehen wird. Wie kann ein Familienbesuch als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit angesehen werden und zur gleichen Zeit bringt das Regime Familienmitglieder zum Camp Ashraf und versucht, sie gegen uns zu benutzen. Das ist ein Widerspruch des Regimes.
VOA: Danke, Her Behrouz Kazemi – ein Bewohner im Camp Ashraf im Irak, der Heimstatt der iranischen Volksmojahedin. Vielen Dank.
BK.: Danke, dass Sie sich Zeit für mich genommen haben. Vielen Dank.
VOA: Gern geschehen.
BK: Gott schütze Sie.
VOA: Gott schütze Sie.