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Wie viele Iraner leben unterhalb der Armutsgrenze?

Iranische Staatsmedien berichten oft, dass 30 Millionen Menschen im Land unterhalb der Armutsgrenze leben. Aber ist diese Zahl korrekt? Bodennahe Beobachtungen und Statistiken deuten auf ein viel düstereres Bild hin: Sie zeigen eine zunehmende Armut und einen starken Kaufkraftrückgang, der in der Bevölkerung große Besorgnis erregt.

Die Inflation hat sich sichtbar auf die wesentlichen Lebenshaltungskosten ausgewirkt, darunter Wohnen, Transport, Ernährung, Bildung und Gesundheitsversorgung. Da die Kosten immer weiter steigen, können sich immer mehr Menschen nicht einmal das Nötigste leisten. Einige Personen bleiben nicht nur arbeitslos, sondern erhalten auch keine staatliche Unterstützung, was das Problem noch verschärft.

Der Minister für Genossenschaften, Arbeit und Soziales, Ahmad Meydari, hat erklärt, dass die Inflation der Hauptgrund für die zunehmende Armut im Land ist. Er zitierte Daten des iranischen Statistikzentrums und Berichte des Forschungszentrums des Parlaments, die darauf hinweisen, dass die Armutsquoten zwischen 2019 und 2022 stabil blieben und rund 30 % der Bevölkerung – etwa 25,4 Millionen Menschen – mit Armut zu kämpfen hätten. Darüber hinaus sind etwa 6 % der Bevölkerung oder etwa 5 Millionen Menschen von extremer Armut betroffen.

https://x.com/iran_policy/status/1700209132458938569

Meydari fügte hinzu, dass Arbeitslose zwar stärker von extremer Armut betroffen seien, Menschen, die in absoluter Armut leben, jedoch immer noch über ein gewisses Einkommen verfügen, das jedoch nicht ausreiche, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken. Die Realität ist, dass unter der Regierung von Ebrahim Raisi die Preise in den ersten beiden Jahren um 114 % gestiegen sind, mit weiteren Steigerungen im dritten Jahr. Diese Inflationsspirale hat das Leben der Menschen stark beeinträchtigt.

Die Pezeshkian-Regierung hat Pläne zur Beseitigung der absoluten Armut dargelegt und behauptet, damit die 30 % der Bevölkerung anzugehen, die derzeit unterhalb der Armutsgrenze leben. Allerdings hat die Weltbank vor der wachsenden Armutskrise im Iran gewarnt und die Notwendigkeit dringender Maßnahmen betont.
World Bank’s Warning on Poverty in Iran
Die Warnungen der Weltbank vor Armut im Iran

Mitte der 2000er Jahre lebten laut offizieller Statistik etwa 12 bis 15 % der Bevölkerung in absoluter Armut. Bis Mitte der 2010er Jahre stieg dieser Wert jedoch auf 20 %. Nach der zweiten Inflationswelle im Jahr 2018 nahm die Armut noch schneller zu und erreichte bis 2019 30 %.
Der Minister betonte auch die Komplexität der Bekämpfung der absoluten Armut und wies darauf hin, dass makroökonomische Faktoren wie Inflation und Wirtschaftswachstum eine entscheidende Rolle spielen. Dennoch war Meydari klar, dass Wirtschaftswachstum allein oder die bloße Kontrolle der Inflation die absolute Armut nicht beseitigen würden. Der erste Schritt besteht darin, auf der Grundlage der Erfahrungen anderer Länder die extreme Armut zu bekämpfen.

Unter extremer Armut versteht man Situationen, in denen sich Einzelpersonen nicht einmal ausreichend Nahrung leisten können, während absolute Armut die Unfähigkeit umfasst, Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Transport zu befriedigen. Laut Statistiken des iranischen Statistikzentrums liegt die extreme Armutsrate im Land bei etwa 6 %, was bedeutet, dass etwa 5 Millionen Menschen davon betroffen sind.
Diskrepanzen in den offiziellen Zahlen über Armut

Trotz der offiziellen Behauptungen der Regierung deuten aktuelle Berichte staatlicher Medien auf weitaus schlechtere Zahlen hin. Nach Einschätzung der Weltbank vom November 2023 lebten 10 Millionen Iraner in absoluter Armut, während 40 % der Bevölkerung von Armut bedroht waren.

Auch die Daten des Sozialministeriums aus dem Jahr 2023 zeichneten ein düsteres Bild und deuten darauf hin, dass 40 % der iranischen Bevölkerung unterhalb der absoluten Armutsgrenze lebten, was 28 Millionen Menschen entspricht. Unterdessen behaupteten andere Berichte vom Mai 2022, dass über 42 Millionen Iraner in absoluter Armut lebten. Im März 2024 berichtete Khabar Online, dass der starke Wertverlust der Landeswährung mehr als 60 % der Bevölkerung unter die Armutsgrenze gebracht habe.

Im August 2023 erklärte ein staatsnaher Ökonom, Hossein Raghfar, dass 50 % der Bevölkerung in absoluter Armut lebten. Die schockierende Inkonsistenz dieser Zahlen wirft ernsthafte Fragen auf. Es herrscht nicht nur Verwirrung über die genaue Zahl der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sondern die widersprüchlichen Berichte verdeutlichen auch das Ausmaß der Fehlinformationen, die von offiziellen Medien verbreitet werden.
Da die Armut weiter zunimmt, ist es offensichtlich, dass es im Rahmen der aktuellen Politik kaum Hoffnung auf eine wirtschaftliche Verbesserung gibt. Der Regierung gelingt es nicht nur nicht, die Zahl der in Armut lebenden Menschen zu verringern, sondern die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, nimmt von Tag zu Tag zu. Mit anderen Worten, das zugrunde liegende Problem bleibt bestehen und verschlimmert sich, weil die Grundursache – das Regime der Mullahs – weiterhin an der Macht ist und die Armut weiterhin aufrechterhält.
Armut gegen Reichtum im Iran
Was die Armutskrise im Iran noch alarmierender macht, ist der Kontrast zwischen den riesigen natürlichen Ressourcen des Landes und der Verarmung seiner Bevölkerung. Nach offiziellen Angaben verfügt der Iran über 56-mal mehr Öl- und Gasreserven als der gesamte europäische Kontinent und 38-mal mehr Bodenschätze. Dennoch kann sich ein großer Teil der iranischen Bevölkerung nicht einmal die grundlegendsten Lebensbedürfnisse leisten.
Das große Missverhältnis zwischen dem Reichtum Irans und dem Leid seiner Bevölkerung verdeutlicht ein tiefer liegendes Problem. Es ist offensichtlich, dass zur Beseitigung der Armut die Grundursachen – nämlich das herrschende Regime – angegangen werden müssen.