Dienstag, den 9. Juni 2015, 11. 56 Uhr
Die vierte Folge der Serie „Höllische Zeit“ (‚Hellish Time’) des Fernsehens von „Al Arabiya“ enthielt ein Interview mit Frau Marjan, einer Schauspielerin und Sängerin.
Frau Marjan: Mein Name ist Marjan. Vor der Revolution (von 1979) war ich Schauspielerin und Sängerin. Nach der Revolution, nach der Machtergreifung von Khomeinis islamischem Regime, wurden diese Tätigkeiten verboten. Das Regime war gegen die Künstler und unerbittlich gegen die Frauen. Musik war ihm fremd; es betrachtete sie als von der Religion verboten. Auch Musikinstrumente wurden verboten. Wer immer Musikinstrumente zu Hause hatte – Guitarren, Violinen, Klaviere -: Sie wurden beschlagnahmt. Wir hatten Musiker, die vor und nach der Revolution berühmt waren – man zerbrach ihre Instrumente an ihren Köpfen; so erging es z. B. Herrn Parviz Ya’haqqei.
Nach der Revolution gehörte ich zu den Künstlern, die Aufführungsverbot hatten. Allen Künstlern verbot man die Arbeit.
Ganz gewiß – die Künste wurden in der Gesellschaft zerstört. Später zerstörten sie auch die Filme, die produziert worden waren; so weit ich weiß, zerstörten sie sie alle. Mein Mann war Filmemacher und hatte ein Studio – er kann besser erklären, was geschah. Ich entschloß mich, dagegen zu kämpfen, denn ich hatte ein Recht, in meinem Land frei zu leben. Damals war die „Organisation der Volksmojahedin des Iran (PMOI/MEK)“ am besten organisiert.
Ich wurde verhaftet und sofort in Einzelhaft gebracht. Später fragte ich sie nach dem Grund, denn Einzelhaft ist die schlimmste Art von Haft und Folter. Sie sagten, mein Verbrechen wiege besonders schwer, weil ich berühmt war und mich dieser Organisation angeschlossen hatte.
Während ich im Iran war, wurde mein Mann inhaftiert. Nach seiner Entlassung gelang es uns erneut, Verbindung mit der PMOI herzustellen. Das Regime kam dahinter; sie schrieben darüber einen Artikel in der Abteilung für „Besondere Nachrichten“ der Tageszeitung „Kayhan“ – einer der verbreitetsten Zeitungen des Iran. Ich sah ein, daß es gefährlich war, im Iran zu bleiben. Ich floh in der Nacht und ging nach Dubai. Dort ging ich zur Botschaft der USA und stellte mich vor. Sie fanden heraus, daß ich eine berühmte Schauspielerin und Sängerin war und gewährten mir Asyl.
Ich habe in vielen Filmen mitgespielt; ich mochte jeden von ihnen auf besondere Weise. In dem letzten Film spielte ich mit meinem Mann. Er hieß „Angelehnt an den Wind“ (‚Leaning on the wind’). Ich schätze diesen Film, ich glaube, er ist gut. Ich sang darin ein Lied, das denselben Titel trägt wie der Film.
