Thursday, December 1, 2022
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Aufstand im Südosten des Iran und Proteste der Rentner zeigen den Widerstand der iranischen Gesellschaft

Iran – Proteste – Archivfoto

Am Sonntag hielten Pensionäre und Rentner in der vierten Woche in Folge ihren landesweiten Protest ab. Ihre Proteste fanden zeitgleich mit einem Aufstand in Sistan und Beluchistan (Südostiran) sowie anderen Protesten in allen Lebensbereichen im gesamten Iran statt. Sie alle zeigen die explosive Stimmung in der iranischen Gesellschaft.

Die Rentner demonstrierten in Teheran, Yazd, Kermanshah, Arak, Ahvaz, Khorram Abad, Shahrud, Karaj, Shushtar, Mashhad und Zanjan.

Die Demonstranten in Teheran versammelten sich vor der Organisation für soziale Sicherheit und gingen von dort zum Büro für Budgetplanung und Organisation. Dabei riefen sie:“ Wir werden unsere Rechte nur auf der Straße bekommen“, „Die Kinder von gestern protestieren heute“, „Unsere Hauptforderungen sind Renten, die an die Inflation angepasst sind“, „Unsere Rente wird in Rial gezahlt, unsere Ausgaben sind in Dollar“, „Wir haben nichts, ihr lebt im Luxus“ und „Keine Nation hat solch eine Ungerechtigkeit.“

Protestversammlungen von Pensionären im Iran – 1. März 2021

Das wirtschaftliche Missmanagement des Regimes, seine Korruption und seine destruktive Politik haben die iranische Wirtschaft vernichtet. Daher leiden alle Bereiche des Lebens an Armut und der hohen Inflation. Weil das Regime im Inland und in der Außenpolitik falsch agiert, gibt es eine Fluktuation des Wechselkurses. Der iranische Rial hat in den letzten Jahren stark an Wert verloren. Dennoch hat das Regime nicht die Renten und Pensionen erhöht. Daher leben viele Rentner unterhalb der Armutsgrenze.

Laut des jährlichen Zensus von März 2020 gibt es 18 Millionen Rentner im Iran. Sie gehören zu den 96% des Volkes, die unter der „absoluten Armutsgrenze“ leben, wie Gholamreza Kianmehr, einer der Wirtschaftsexperten des Regimes, am Samstag sagte.
Diese Rentner leben lange Zeit unter einem Regime, in dem „Armut und Arbeitslosigkeit explodierten und es gab in der Geschichte des Iran keine solche Diskriminierung und wirtschaftliche Armut“, wie Said Madani, einer der Soziologen des Regimes, sagte.

Die Rentner erhalten 2,5 Millionen Tomans, was laut der staatlichen Zeitung Mardom Salari vom 14. Februar wegen des wirtschaftlichen Missmanagements und der Korruption durch das Regime „die Armutsgrenze auf 10 Millionen Tomans“ gedrückt hat. Hojatollah Abdolmaleki, der stellvertretende Direktor des sogenannten Imam Chomeini Hilfskomitee, sagte am Samstag: „In den letzten Jahren hat sich die Lage der Armen, vor allem im Bereich der Lebensmittelversorgung, verschlechtert. 2018 waren die durchschnittlichen Kosten pro Person 150.000 Tomans pro Monat, heute sind es 600.000 Tomans.“

Die Rentner protestieren und fordern ihre Rechte ein, weil ihre „Pensionen nicht mehr die Mittel zum Kauf von Lebensmitteln decken, ganz abgesehen von Mieten, Kleidung, Reisen, Medizin, Behandlung und Bildung. Sie haben 30 – 40 Prozent ihrer Kaufkraft pro Jahr verloren“, schreibt die staatliche Zeitung Resalat am Samstag. Laut der Zentralbank des Regimes, dessen Nachricht am Samstag von der staatlichen Nachrichtenagentur ISNA verbreitet wurde, heißt es:“ Allein im Februar sind die Mieten in Teheran und allen anderen Städten um 33.9 Prozent im Vergleich zum Januar gestiegen.“


Während die große Mehrheit im Iran in Armut lebt, genießen die dem Regime verbundenen Bereiche „alle Annehmlichkeiten des Lebens, leben in luxuriösen Häusern und beeindruckenden Villen und Palästen. Eine Minderheit besitzt Hunderte Mietshäuser in Teheran und anderen Städten in unserem Land“, gab Kianmehr am Samstag zu.

Diese Faktoren haben die iranische Gesellschaft in ein Pulverfass verwandelt. Die täglichen Proteste im Iran, die Proteste der Rentner und der Aufstand in Sistan und Beluchistan sind die Vorboten eines landesweiten Aufstandes. Einer der Parlamentarier des Regimes rief bei einer Sitzung des Parlamentes am 27. Februar:“ Sehen sie nicht, was in der Gesellschaft passiert?“

Die Protestbewegungen haben Strukturen, die ähnlich denen früherer Protestbewegungen sind. Zu ihnen gehört auch ihre Intensivität.

Die täglichen Proteste in den verschiedenen Städten und die Proteste der Rentner sind in den letzten vier Wochen trotz der unterdrückenden Maßnahmen des Regimes angestiegen und verbreiten sich immer mehr auf andere Städte.

„Das wilde Pferd der Unruhen reitet von Stadt zu Stadt und hinterlässt immer mehr Verletzte und gefährdet das System“, schrieb am Samstag die staatliche Zeitung Etemad.
Diese Proteste sind „wie eine Zeitbombe, die unter der Haut der Gesellschaft tickt. Niemand weiß, wann sie explodiert, aber die Gefahren (für das Regime) sind zerstörerischer als der Angriff einer ausländischen Militärmacht“, schrieb am 28. Februar die staatliche Zeitung Jahan-e Sanat.

Zeitgleich mit der rasanten Verbreitung der Proteste wird die Welt Zeuge einer explosiven Gesellschaft, welche sich auch in Sistan und Beluchistan bei einem Aufstand gegenüber dem Regime zeigt. Der Aufstand begann am 22. Februar und dauerte fast eine Woche. Die Proteste brachen aus, als die Revolutionsgarden (IRGC) eine Gruppe von verarmten Grenzhändlern erschoss, die mit Benzin handelten. Im Gegensatz zu anderen Protesten gab es diesmal nicht nur Slogans. Die Menschen stürmten schnell die Zentren der Unterdrückung des Regimes, besetzten mehrere IRGC Basen und setzten ihre Fahrzeuge in Brand.

Die hier aufgezählten Fakten zeigen nur einige Zeichen einer explosiven Gesellschaft, die deutlich machen, dass der Iran am Rande einer Revolution steht. „Diejenigen, welche die Geschichte verstehen, werden dies (die sozialen Unruhen) sicher unterschreiben“, schreibt am 28. Februar die staatliche Zeitung Jahan-e Sanat