Wednesday, December 7, 2022
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Brief einer politischen Gefangenen über das Massaker von 1988

Die iranische politische Gefangene Maryam Akbari Monfared schrieb einen offenen Brief über den Jahrestag des Massakers von 1988 an politischen Gefangenen im Iran. Darin kritisierte sie den Westen für seine Stille in dieser Hinsicht und betonte, dass die Verantwortlichen von damals noch heute in hohen Machtpositionen im Regime sitzen.

Sie schrieb:“ Jeder, der immer noch still bleibt und sich weigert, über diese Ungerechtigkeiten zu besprechen, um zu beschwichtigen, begeht Verrat an der Wahl des Menschen zur freien Entscheidung. Dies zerstört den Edelstein der Menschheit, der sich in vielen Menschen in aller Welt wieder findet. Dieses Verbrechen zu verschweigen und still zu bleiben, dient nur den Verantwortlichen dieses Massakers im Iran an den schutzlosen Kindern des Landes und es hat den religiösen Faschismus nur ermutigt, mit seiner Unterdrückung und Kriegstreiberei fortzusetzen.“

Akbari Monfared befindet sich in der Frauenabteilung im Evin Gefängnis. Sie hat eine Schwester und einen Bruder bei dem Massaker von 1988 verloren und zwei weitere Brüder wurden in den 80er Jahren hingerichtet. Sie sagt, dass das Blut dieser Freiheitskämpfer in dem Adern der Geschichte zu finden ist. Ihre Geschwister waren alle Mitglieder der demokratischen iranischen Hauptopposition der Volksmojahedin Iran (PMOI), die auch als Mujahedin-e Khalq (MEK) bekannt sind.

Sie schrieb weiter:“ An dem Morgen, wo die Opfer an den Galgen hingen, ging ihr Blut in die Adern der Geschichte ein. Ihr warmer Atem setzte die Saat für die Zukunft und bereitete den Boden der Vergangenheit. In der Sommerhitze und der unterdrückenden Atmosphäre der Folterkammern, schrieben ihre Schreie am Galgen unsere Geschichte.“

Akbari Monfared erklärte, dass das iranische Volk seine Freiheitskämpfer ehrt und dass dies für diejenigen, die bei diesem Massaker starben, bis heute gilt.

Akbari Monfared sagte weiter, dass der Westen über dieses größte Verbrechen an der Menschlichkeit seit dem 2. Weltkrieg sprechen muss. Die Mullahs konnten nur mit ihren Verbrechen fortsetzen, weil niemand von ihnen zur Rechenschaft gezogen wurde. So wurde zum Beispiel die Ermordung von Mohammad Salas im März 2018 vom Regime dazu genutzt, die religiöse Minderheit der Derwische zu verfolgen und der Tod von Alireza Shir-Mohammad-Ali erfolgte in Verbindung zu den Gefängnisbedingungen. Sie forderte den Westen auf, eine klare Politik in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte im Iran zu beginnen.

Sie schrieb:“ Die Schlächter überlebten, weil es eine Politik der Beschwichtigung von den Staaten in Europa und in Amerika gab. Das Regime nutzt diese Politik, um weiter Verbrechen zu begehen….Die Zeit ist mehr als reif, um diese absurde Politik zu beenden und die Augen zu öffnen. Dies ist ein Regime, was auf einem Genozid basiert und aus Mördern besteht, die immer noch an der Macht sind. Dies ist die unwiderrufliche Wahrheit und wegen ihr fließt das Blut der Freiheitskämpfer unaufhörlich.

Der offene Berief von Akbari Monfared wurde zuerst vom Frauenkomitee des Nationalen Widerstandsrates Iran veröffentlicht.

Im Sommer 1988 ließ das iranische Regime in außergerichtlichen Komitees Zehntausende politische Gefangene in den Gefängnissen im ganzen Iran hinrichten. Das Massaker fand auf der Grundlage einer Fatwa des obersten Führers Ruhollah Khomeni statt.

Die Fakten:

• Mehr als 30.000 politische Gefangene wurden im Sommer 1988 massakriert
• Das Massaker fand auf Grundlage einer Fatwa von Khomeni statt
• Die große Mehrheit der Opfer waren Aktivisten der PMOI(MEK)
• Ein Todeskomitee beschloss alle Todesurteile
• Alireza Avaei, heute Justizminister unter Hassan Rouhani, saß in einem Todeskomitee
• Keiner der Verantwortlichen von 1988 wurde bisher angeklagt und verurteilt
• Am 9. August wurde ein Audio – Mitschnitt veröffentlicht, in dem der damals designierte Nachfolger von Khomeni zugab, dass das Massaker statt gefunden hat und dass es von den höchsten Stellen im Regime angewiesen worden war.