Saturday, November 26, 2022
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Das iranische Regime steckt in der Sackgasse mit der Bekanntgabe des Blutzolls bei dem November-Aufstand

Das iranische Regime hat bis heute keine Statistiken über die Zahl der Opfer der Proteste im Iran im November 2019 herausgegeben
Die landesweiten Proteste im Iran Mitte November haben das iranische Regime erschüttert. Um seinen sofortigen Sturz zu vermeiden, verlegte sich das Regime auf brutale Repression.

Laut der iranischen Hauptoppositionsgruppe der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI, Mujahedin-e Khalq oder MEK) haben die Sicherheitskräfte des Regimes mindestens 1500 Menschen getötet. Die Zahl der Verletzten setzt die MEK bei 4000 an. Um die 12 000 Protestierende seien in Haft.
Das Regime hält sich hingegen bedeckt in Bezug auf die Zahlen der Märtyrer der Proteste.
Die Zahlen der MEK wurden nach sorgfältiger harter Arbeit des Netzes der MEK innerhalb des Iran bekannt gegeben. Das genaue Ausmaß der Brutalität des Regimes und die exakte Zahl der Opfer festzustellen, war eine riesige Aufgabe.

Die MEK hat sich auf ihr weitgespanntes Netz an Aktivisten verlassen, um detailliert und peinlich genau die Daten aus dem ganzen Land zu sammeln. Aber dann wurde die Aufgabe noch schwieriger durch die vereinte Anstrengung des Regimes, den wirklichen Umfang der Aufstände und seiner Gräueltaten zu verschleiern.
Um sein Ziel zu erreichen, hat das Regime fast eine Woche lang das Internet im Land heruntergefahren. Aber die Aktivisten der MEK haben große Gefahren auf sich genommen, um solche Hindernisse zu überwinden und zu Informationen aus dem Inneren des Regimes zu gelangen. Diese Informationen umfassten auch kontinuierlich auf den neuesten Stand gebrachte Details über die Opfer, oft zusammen mit Fotos von ihnen. Der Stand vom 1. Januar ist der, dass mehr als 620 Opfer identifiziert sind.
Am 19. November meldete der NWRI : „Mehr als 200 Protestierer wurden bei den landesweiten Aufständen des iranischen Volkes getötet und Tausende

verletzt“.
Vier Tage danach hat der Iranische Widerstand, nachdem mehr Informationen zugänglich waren, die Zahl der Todesfälle bei über 300 angegeben.
Am 26. November hat die MEK bekannt gegeben, die Zahl der Todesfälle liege über 450, während die Unruhen sich auf 176 Städte erstreckten.
Am 4. Dezember machte der Nationale Widerstandsrat Iran bekannt, dass laut der MEK „die Zahl der Getöteten bei den Protesten, die in 189 Städten um sich gegriffen haben, auf über 1000 angestiegen ist“.
Am folgenden Tag erklärte Brian Hook, der Sonderbeauftragte der USA für den Iran, in einer Bekanntmachung, dass die Sicherheitskräfte bei den Novemberaufständen mehr als 1000 Menschen ums Leben gebracht hätten.
Am 15. Dezember war es wiederum die MEK, „die bekräftigte, dass mehr als 1500 Protestierer in verschiedenen Provinzen im ganzen Land bei den landesweiten Unruhen umgebracht wurden. Mindestens 400 verloren in Teheran, 320 in Kermanshah, 270 in Fars, 240 in Khusistan, 120 in Isfahan und 100 in Alborz (Karadsch) gewaltsam das Leben“.
Am 23. Dezember nannte Reuters Quellen innerhalb des Regimes, die bestätigten, dass 1500 Menschen bei den Protesten getötet worden sind.
Die Meldung von Reuters rief eine wütende Reaktion des Regimes hervor. Staatliche iranische Medien waren befremdet und brachten Geschichten, die die Zahl mehrere Tage lang abwiesen. Sie gaben an, dass die Quelle der Zahlen in der Meldung die MEK sei.
Am 24. Dezember schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Jamaran: „Reuters veröffentlichte einen besonderen Bericht über die Zahl der Toten bei den Vorfällen im November und behauptete, 1500 Menschen hätten das Leben verloren. Interessant ist der Tatbestand, dass die Quelle von Reuters das Grüppchen Mujahedin-e Khalq [MEK] ist.
Die staatliche Nachrichtenagentur Alef, die dem Obersten Führer des Regimes Ali Khamenei nahesteht, spiegelt die Furcht und die Angst des Regimes in Bezug auf die Rolle der MEK bei der Bloßstellung der Verbrechen des Regimes wieder. Sie schrieb am 24. Dezember:
„Im Gefolge der jüngsten Aufstände gab die MEK mit jahrelanger Erfahrung im Lügen sofort die Zahl der Toten bekannt. Die Zahl der Getöteten war zuerst gering und wuchs danach allmählich an… Anfang Dezember behauptete die MEK über den Nationalen Sicherheitsrat in der Erklärung Nr. 43, dass es mehr als 750 Todesfälle gab, Einen Tag später behaupteten sie, dass die Zahl der Getöteten 1000 erreicht habe. Eine Woche später bestätigte Brian Hook, der Sonderbeauftragte der USA für den Iran, dass mehr als 1000 Menschen von Regimekräften im Iran getötet worden seien! In seinen Ausführungen wiederholte er das gleiche lächerliche Narrativ der MEK, wonach die Sicherheitskräfte Geld von den Angehörigen [der Märtyrer] für die Kugeln verlangten, mit denen auf die ihnen Nahestehenden geschossen wurde.
Am 15. Dezember veröffentlichte der Nationale Widerstandsrat Erklärung Nr. 55 und gab bekannt, dass die Zahl der Toten 1500 erreicht habe. Erstaunlicherweise findet sich diese Statistik jetzt in einem umstrittenen Bericht von Reuters wieder“, fügt die Website des Regimes hinzu.

Das Regime hat die Zahl von 1500 Märtyrern zurückgewiesen. Trotzdem bleibt die entscheidende Frage: Warum gibt es keine eigene Schätzungen ab, jetzt, mehr als sechs Wochen nach den Aufständen?
Nachdem es ihm nicht gelungen ist, die Zahl der Toten und das Ausmaß seiner Brutalität zu verbergen, versucht das Regime entweder, seinen Massenmord herunter zu spielen oder die Schuld anderen Parteien zuzuschieben.

In Äußerungen, die im staatlichen Radio und Fernsehen ausgestrahlt und von der offiziellen Nachrichtenagentur IRNA veröffentlicht wurden, behauptet Ali Shamkhani, der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats: „Mehr als 85 Prozent derer, die ihr Leben bei den jüngsten Vorfällen in den Städten in der Provinz Teheran verloren haben, nahmen an keiner der Protestversammlungen teil und wurden unter verdächtigen Umständen mit Schusswaffen und anderen Waffen umgebracht, die nicht an die [Sicherheits-]Kräfte ausgegeben werden. Deshalb ist es sicher, dass es sich um ein Projekt der Oppositions-[Gruppen] in dieser Region handelt, Todesfälle anzuhäufen“.
Dies bestätigt nur die feste Absicht des Regimes, zu verschleiern statt zu klären. Dabei lässt Shamkani die grundlegende Frage unbeantwortet: 85 Prozent von welcher absoluten Gesamtzahl?
Das Regime kann einfach keine viel geringere Zahl bekannt geben als die, die von der MEK geliefert wurde. Und es kann auch nichts anerkennen, was sich der Realität der Situation nähert, ohne dass der Umfang seiner Verbrechen enthüllt und das Regime dahin gebracht würde, den Konsequenzen ins Auge zu schauen.
Das ist nur das neueste Beispiel der umfassenderen strategischen Sackgasse, in der sich das Regime sieht. Im Kampf darum, sich an der Macht zu halten, hat das Regime keine andere Wahl als sich zu den schlimmst möglichen seiner unheilvollen Verhaltensweisen veranlasst zu sehen und zugleich vergeblich zu versuchen, die Verantwortung abzuwälzen. Da aber nichts – nicht einmal die vollständige Unterbrechung des Internetzugangs – den Fluss der genauen Information stoppen kann, dienen die Maßnahmen des Regimes nur dazu, zu mehr Revolten im Inland und zugleich zu mehr genauen Untersuchungen im Ausland zu ermutigen, die es bis zum Punkt seines Sturzes führen.