
Am 1. Juli 2023 hat Stephen Harper, der frühere Premierminister von Kanada zum Anlass des Weltgipfels Freier Iran vor einem Publikum eine Rede gehalten. Abgehalten am Hauptquartier des Nationalen Widerstandsrats Iran in Auvers-sur-Oise in der Nähe der französischen Hauptstadt waren zahlreiche globale Führungsfiguren und Parlamentarier Augenzeugen der Veranstaltung.
Die Rede wurde außerdem an Tausende Demonstranten in Paris ausgestrahlt und an Mitglieder des Iranischen Widerstand und hat Millionen Iraner in der Welt erreicht.
Hier die Übersetzung der Transkription der Rede von Premierminister Stephen Harper:
Präsidentin Rajavi, hoch geehrte Gäste aus aller Welt, meine Damen und Herren und liebe Freunde. Ist es nicht großartig, hier persönlich zu sein und zu wissen, dass dieses Mal die Drohungen der terroristischen Regierung in Teheran es nicht soweit gebracht haben, dass Freier Iran 2023 ausfällt?
Meine Freunde, heute möchte ich Euch drei Botschaften überbringen. Die erste Botschaft ist diese: Das Volk des Iran zeigt weiterhin, dass es in einer freien und demokratischen Nation zu leben wünscht. Es hat dies einmal mehr gezeigt in der allerneuesten Welle der Proteste, die im vergangenen September angefangen hat und bis zum heutigen Tag andauert. Trotz der Brutalität des Regimes, dem Tod von Hunderten und der Gefangennahme von Tausenden geht das Volk im Iran weiter auf die Straße, um ein Ende der theokratischen Diktatur zu fordern.
Sie sind so entschlossen, auf ihrem Standpunkt zu beharren, dass sie sich der Herrschaft der Ajatollahs widersetzen, dass sie das angestammte Haus des Regimegründers Ajatollah Khomeini besetzt und in Brand gesetzt haben. So entschlossen sind sie.
Meine Freunde, diese letzte Runde der Proteste wurden von den Frauen im Iran angeführt. Um es aber ganz klar zu sagen: diese Proteste sind weit mehr als feministische Bewegung gegen den Hidschab. Sie haben ihre Wurzel in 40 Jahren des organisierten Widerstands mit Frauen wie Maryam Rajavi an führender Stelle. Weil die Frauen im Iran schon lange verstanden haben, dass ihre Rechte und ihre Gleichstellung und sogar ihre Persönlichkeit nur verwirklicht werden können mit dem Sturz des Regimes und seiner primitiven Ideologie.
Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass die Proteste nach vorne schauen, nicht zurück. Sie wollen ein Ende der theokratischen Diktatur von Khamenei und Raisi, aber sie fordern keinesfalls eine Restauration der monarchischen Diktatur des Schahs. Wie gesagt fordert das iranische Volk einen freien, verfassungsmäßigen und demokratischen Staat. Das ist meine erste Botschaft.
Die zweite, liebe Freunde, ist diese: Eine Änderung ist in Reichweite. Glaubt nicht an die Propaganda, dass das Regime gut etabliert sei. Leider kommt diese Linie nicht nur vom Regime, sondern häufig auch von sogenannten Politik-Experten im Westen. Gebt mir einen Moment, um über etwas zu reden, wovon ich sicher bin, dass Vizepräsident Pence und viele andere hier, die einige der gleichen Erfahrungen in einem hohen Amt haben, Euch auch etwas darüber sagen können, was ich Euch erzählen will.
Ihr wisst, Ihr werdet diese Analysten treffen, die sehr belesen auf manchem Gebiet der Außenpolitik sind. Aber wegen eines fehlerhaften intellektuellen Rahmens beurteilen sie durchgängig falsch, was in den auswärtigen Angelegenheiten passiert. Eines dieser durchgängigen Fehlurteile besteht darin, die Stärke von Regimes weit zu überschätzen, die einzig mit brutaler Gewalt regieren und weit zu unterschätzen und immer wieder überrascht zu sein von der unvermeidlichen Brüchigkeit solcher Regime.
Wir haben das gerade vor einer Woche gesehen mit der plötzlichen und kurzen militärischen Rebellion in Russland, nachdem man uns eineinhalb Jahre lang erzählt hat, dass Präsident Putin keinerlei Unzufriedenheit in solchen Kreisen vorfindet.
Tatsächlich machen westliche Regierungen heute den gleichen Fehler mit dem Iran, den sie in den 1970ern gemacht haben. Damals hat unsere Regierung uns versichert, dass das Schah-Regime allmächtig sei und alles unter Kontrolle habe. Lasst mich eine Reihe von Beispielen dazu geben.
Bei einem Staatsbankett 1977 hat US Präsident Jimmy Carter den Iran unter dem Schah wörtlich zitiert als „Insel der Stabilität“ in einer unruhigen Region charakterisiert. „Der Iran ist in keiner revolutionären oder auch nur vorrevolutionären Situation“. Fünf Monate später ist das Schah Regime fast spurlos vom Erdboden verschwunden.
Meine Freunde, das Mullah Regime ist viel verwundbarer als das des Schahs. Es ist brutaler, es ist dysfunktionaler und es ist von innen her tief verrottet. Korruption herrscht im ganzen System bis zu den obersten Rängen, Die Armut nimmt immer mehr zu. Laut den staatlichen Medien im Iran wird erwartet, dass die Inflation bald an die 100 % Marke stößt. Kurz: der Iran ist in einer explosiven Situation.
Er gleicht genau einem Pulverfass, das jeden Tag explodieren kann, wenn es einen Zünder gibt. Erinnert Euch daran, erinnert Euch noch einmal daran, dass nicht ein einziger der sogenannten westlichen Experten vorausgesagt hat, dass der Tod einer jungen Frau, Mahsa Amini, zu nachhaltigen landesweiten Protesten führen werde.
Meine dritte Botschaft, meine Freunde, besteht darin, immer zu bedenken, dass es eine gangbare Alternative zum Regime gibt.
Glaubt niemals der Propaganda des Regimes, die wiederum viel zu oft in unseren westlichen Nationen wiederholt worden ist, dass die einzige Alternative zum Regime Chaos sei. Ich frage diese Leute, auf welche Weise eine Änderung des Status quo im Iran wirklich noch schlimmer sein kann. Was könnte schlimmer sein als ein theokratisches Regime mit einer apokalyptischen Ideologie, das unablässig nach nuklearen Waffen strebt und offen die Nationen auflistet, die es vom Angesicht der Erde wegwischen will? Könnten wir wirklich etwas Schlimmeres bekommen?
Wie könnte etwas schlimmer sein als ein Regime, dass auf hohe Kosten seines eigenen Volkes Terrorismus und Krieg finanziert von Syrien bis zum Libanon und zum Jemen und vom Irak bis in die Ukraine und darüber hinaus? Könnten wir wirklich etwas Schlimmeres bekommen?
Freunde, die einzig realistische Politik im Umgang mit diesem Regime ist nicht Furcht und Schwäche, sie ist Entschlossenheit und Stärke. Sie besteht nicht in einer Aufweichung der Sanktionen, sie müssen verstärkt werden. Sie besteht nicht darin, Verletzungen der Menschenrechte zu akzeptieren, sie besteht darin, sie zu verurteilen. Sie besteht nicht darin, die Institutionen des Regimes zu entschuldigen, sie besteht darin, sie als Agenten des Terrors aufzulisten. Sie besteht nicht in einem pathetischen und gleichzeitig unwirksamen Atomabkommen, sie besteht darin, dem Regime deutlich zu machen, dass seine atomaren Ambitionen niemals toleriert werden.
Und Freunde, sie besteht nicht darin, die Beziehungen zu diesem abscheulichen Regime zu verstärken, sie besteht darin, was meine Regierung in Kanada gemacht hat, alle Botschaften des Regimes in der ganzen Welt zu schließen.
Freunde, ich bin, wie gesagt, nicht hier, um dem iranischen Volk zu sagen, welches seine Regierung sein sollte. Es ist seine Sache, darüber in offenen und freien Wahlen zu entscheiden. Aber es gibt Alternativen.
Former #Canadian PM @stephenharper: #IranProtests are much more than a feminist movement against the hijab. They are rooted in over 40 years of organized Resistance with women like @Maryam_Rajavi playing a leading role.#OurChoiceMaryamRajavihttps://t.co/0ntipuMGxq
— NCRI-FAC (@iran_policy) July 1, 2023
Ich bin ein Unterzeichner, auch ein Unterzeichner jenes offenen Briefes, der von über 100 früheren Präsidenten, Premierministern und Führungsfiguren in der ganzen Welt unterzeichnet worden ist, der umfassende Politikempfehlungen an alle Regierungen in Sachen Iran gibt. Er hebt hervor, dass es ein fehlendes Glied in der westlichen Politik gegenüber dem Iran gibt. Das ist das Vermeiden, sich an den organisierten Iranischen Widerstand zu wenden und gangbare Alternativen zum Regime zu unterstützen.
Es wird Zeit, die Jahrzehnte des Schweigens und der Untätigkeit durch die internationale Gemeinschaft zu beenden, die dabei geholfen hat, eine Kultur der Gewalt und Straflosigkeit unter den Mullahs und seinen Henkern zu befeuern. Es wird Zeit, in Solidarität mit dem Volk im Iran zu stehen bei seinem Wunsch nach einem freien, säkularen und demokratischen Staat.
Freunde, das ist die Zukunft, für die Ihr, der Nationale Widerstandsrat Iran, beständig und unermüdlich eingetreten seid. Ein Eintreten für freie Wahlen, Freiheit der Versammlung und Meinungsäußerung, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Gleichberechtigung der Geschlechter, die Trennung von Religion und Staat und die Autonomie der ethnischen Minoritäten im Iran und natürlich ein atomwaffenfreier Iran im Frieden mit der Welt.
Das ist unsere Vision und das ist es wert, dafür zu kämpfen. Sie haben verstanden, dass das Regime eine Verkehrung der großen historischen islamischen und persischen Traditionen repräsentiert.
Während Ihr weiterhin für diese alternative Vision kämpft, wisst bitte, dass Millionen auf der ganzen Welt Euch zur Seite stehen beim Wunsch danach, diese bessere Zukunft im Iran, bei seinen Nachbarn und in der Welt zu erleben.
Danke noch einmal für die Einladung.
