Saturday, November 26, 2022
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Die Staatsmedien im Iran bezeichnen die unruhige Gesellschaft als „Felder des Zorns” und warnen die Amtsträger vor Aufständen


In den letzten Tagen spiegelten die Staatsmedien des Iran die Furcht des Regimes vor den Folgen der sozialen und wirtschaftlichen Krisen wieder. Eines dieser Medien bezeichnete die unruhige iranische Gesellschaft als „Felder des Zorns“.
Viele vom Staat betriebene Medienunternehmen bezogen sich auf den tragischen Mord an zwei jungen Männern vor kurzem und das Schlagen einer iranischen Frau durch Polizeikräfte, an denen sich wütende Reaktionen entzündeten.

„Die Veröffentlichung zweier kurzer Videos innerhalb von wenigen Tagen gibt einen kleinen Teil der derzeitigen Situation wieder, die nicht vernachlässigt werden kann“, schrieb die Tageszeitung Sharq am Montag in einem Artikel unter der Überschrift „Die Felder des Zorns“. In den Videos, auf die sich Sharq bezog, geht es um den brutalen Mord an Mehrdad Sepehri, einem jungen Mann in Maschad, im Nordosten des Iran, und um eine junge Frau, die in Abadan, im Südwesten des Iran, von einem Sicherheitswächter geschlagen wurde.

Mehrdad Sepehri von Sicherheitskräften ermordet

„Niemand sagt etwas über diesen Sicherheitswächter. Niemand sagt etwas über die Ursache des Unfalls, an dem ein niedrigrangiger Amtsträger der Raffinerie in Abadan beteiligt ist, oder die Gründe für die Aktion des Mädchens. Im Fall von Maschad gibt es keine offiziellen Nachrichten darüber, wer der Polizeioffizier war und warum und auf welcher gesetzlichen Grundlage er dieses gewaltsame Verhalten zeigte“, fügt Sharq in dem Artikel hinzu.
Das Regime versuchte diese Vorfälle herunterzuspielen oder sogar zu vertuschen. „Der schlimmste Ansatz ist eine Vertuschung dieser Angelegenheiten. Sich gegenüber Ärger, Gewalt und Verbrechen unter irgendeinem Vorwand blind zu stellen, bedeutet Verbrecher und Übeltäter zu belohnen und bei der Förderung von Gewalt mitzuhelfen“. schrieb die Tageszeitung Sharq.
Sharq erinnerte die Behörden des Regimes auch daran: „In der heutigen Gesellschaft ist es nicht möglich zu vertuschen. Die Nachrichten verbreiten sich schnell. Wenn Sie nicht die Wahrheit sagen, werden Sie Urteile gegen sich selbst fällen“.
Während es das Regime vor dem Aufbegehren der Bevölkerung warnt, nennt Sharq den Hass des Volkes „Zorn“ und charakterisiert die Gesellschaft als „Felder des Zorns“.
Die kritischen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen im Land haben den Weg für die Entwicklung von Wut und Gewalt gebahnt. Wenn die Regierung, die Strafverfolgung und die Justiz so eine Situation nicht ernst nehmen, werden sich diese Felder des Zorns ausbreiten“.

In einem ähnlichen Artikel vom Montag unter der Überschrift: „Der Zyklus der Gewalt“ warnte die staatliche Jahan-e Sanat die Behörden vor einem wachsenden Ärger in der Öffentlichkeit über das Regime wegen seiner Unterdrückung und seines Missmanagements.

„Derzeit hat sich wegen der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme und dem Fehlen einer klaren Zukunft im Land der Boden für Depression bereitet. Diese Depression und die negative Emotion bedrohen auch diejenigen Bereiche in der Gesellschaft, die bessere wirtschaftliche und soziale Bedingungen als andere haben, und diese Depression führt zu Gewaltakten“, steht in dem Artikel von Jahan-e Sanat zu lesen.
„Es ist eine Tatsache, dass in unserer Gesellschaft Glück entweder überhaupt nicht existiert oder begrenzt ist. Der Ausbruch des Coronavirus hat die Situation in dem Land verschlimmert. Leider reibt die Regierung, statt dieses Problem zu lösen, Salz in die Wunden der Bevölkerung. Manche Organisationen und Situationen beschränken mit gesetzlicher Unterstützung das Glück der Menschen. Natürlich kehren diese Beschränkung und Unterdrückung des Glücks in die Gesellschaft zurück in der Form von Depression und Gewalt“, fügt der Artikel hinzu.
Jahan-e Sanat warnt die Behörden abschließend davor, dass der Ärger des Volkes eine „riesige Krise“ zum Ergebnis haben wird. Diese Krise ist ein Volksaufstand für ein Regime, dessen Fundamente erschüttert wurden durch die vorigen großen Proteste im Iran im November 2019.
„Die Gewalt wächst täglich in der Gesellschaft. Wir dürfen nicht vergessen, dass in einer Gesellschaft, in der soziale Belange ignoriert oder vernachlässigt werden, sich jeder Ärger und jedes Nicht Einverstanden sein in eine riesige Krise verwandeln kann“, schreibt Janat-e Sanat.

Die staatliche Mardom Salarie schrieb am Montag: „Was haben wir mit dieser Bevölkerung gemacht, indem wir sie in ein Pulverfass verwandelt haben, das bereit ist, im Ärger zu explodieren? Dieser Zyklus der Gewalt warnt vor mehr bitteren Tagen, wenn wir ihn nicht ernst nehmen“.
Und diese bitteren Tage für das Regime werden noch kommen.