Wednesday, December 7, 2022
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Die Töchter Ali Saremis verurteilen in bewegenden Briefen die Hinrichtung ihres Vaters

NWRI –  Zwei Frauen, deren Vater am vergangenen Dienstag hingerichtet wurde, haben bewegende Briefe zur Erinnerung an ihn geschrieben.

Herr Ali Saremi (Sarami), 62 Jahre alt, wurde vom geistlichen Regime gefangengesetzt, weil er seinen Sohn Akbar im Lager Ashraf (Irak) besucht hatte, wo 3400 Mitglieder der Oppositionsbewegung wohnen. In einem Akt der Barbarei haben die Mullahs Herrn Saremi, der 24 Jahre im Gefängnis verbracht hatte, am Dienstag hingerichtet.

Nach Angaben von Amnesty International sind sechs weitere Bürgerinnen und Bürger vom iranischen Regime zum Tode verurteilt worden, weil sie ihre Angehörigen im Lager Ashraf besuchten. Die Bewohner von Ashraf sind Mitglieder der Organisation der Volksmudschaheddin, der größten Oppositionsgruppe des Landes (PMOI/MEK).

In den erschütternden Briefen, die Leila und Zeinab Saremi in dieser Woche schrieben, verurteilen sie die Hinrichtung ihres Vaters.

Es folgen Auszüge aus den beiden Briefen:

 

Aus dem Brief von Zeinab Saremi, Tochter des hingerichteten politischen Gefangenen Ali Saremi:
 
Ich richte diese Worte an den starken Geist meines Vaters und hoffe, dass er sie hören kann!

Mein lieber Vater,

ich wünschte, ich könnte wissen, ob du unsere Anwesenheit vor den Mauern von Evin [am Tag der Hinrichtung] gefühlt hast! Wir zitterten an dem kalten Wintertag, während Agenten der staatlichen Sicherheitskräfte warm in ihren Autos saßen.

Papa, ich war gekommen, um dein schönes Gesicht zu sehen. Ich war gekommen in der Hoffnung, sie würden mich, Mutter und unsere Schwestern an deiner statt leiden lassen, damit du bleiben und mein Heimatland verteidigen könntest!

Nach zwanzig Minuten, kurz vor dem Morgengebet trafen zwei Krankenwagen ein. Sie wollten das Stahltor von Evin passieren. Auf einem von ihnen stand die Aufschrift „Inspektion“. Während sie vor dem Tor hielten, brach der Ruf „Hossein, Hossein, Hossein“ [Name des dritten verehrten shiitischen Imam] die winterliche Stille von Evin. Er mischte sich mit dem Aufruf zum Morgengebet. Der Himmel war voller Sterne und der Mond schien hell!

Ich war bald ganz durchgefroren, überwältigt von einem unbeschreiblichen Gefühl. Wir alle fühlten, wie die Haare an unseren Nacken sich sträubten. Nach dem Aufruf zum Morgengebet verschwanden die Agenten und wir blieben dort.

Papa, ich fühlte, wie du fortgingst und uns zurückließest! Aber wir blieben nicht stehen. Sieh deine Fußspur an, die jetzt mit unseren Spuren ausgefüllt ist! Die Welt ist gekommen und folgt in deinen Fußspuren, und wenn es mit gebrochenen Herzen ist!

Papa, ich habe dich lieb von ganzem Herzen. Ich habe dich lieb. Ich habe dich lieb.

Aus dem Brief von Leila Saremi, Tochter des hingerichteten politischen Gefangenen Ali Saremi:

Lieber Gott, wenn für mich der Tag gekommen ist, dich zu sehen, werde ich dir alle bitteren Wirklichkeiten des irdischen Lebens anvertrauen. Und ich werde dich wissen lassen, wie schmerzhaft es ist, eines Vaters beraubt zu sein, dessen Leben mein teuerster Besitz auf Erden war.

Ich werde dir sagen, wie quälend, wie schmerzvoll, wie unerträglich es ist, in einem Land zu leben, das keine Freiheit hat. Und wenn du dich dafür entscheiden solltest zu glauben, dass ich die Wahrheit sage, gib mir die Kraft, all diese Grausamkeit von der Erde zu entfernen und nach dem Besten zu suchen, was das Leben zu bieten hat.

Lieber Gott, wenn Finsternis ihren Schatten über ein Land geworfen hat, wie willst du, Ursprung alles Seins, diesem Land Licht bringen? Und wie willst du den Menschen den Schmerz nehmen, gezwungen unter solchen Umständen zu leben?

Wirst du ein zerschmettertes Leben jemals zurückbringen können?

Ich hoffe, die Hinrichtung meines lieben Vaters wird ein Weckruf sein für alle, die noch schlafen, alle, die uns beherrschen, die für uns und unsere Kinder Entscheidungen treffen, die ihr Gewissen zum Schweigen gebracht haben. Ohne Unterdrücker gäbe es kein unterdrücktes Volk!

Er [Leilas Sohn Farzad, der an dem Unglückstag bei ihr war,] schrie und weinte. Ich wollte ihn umarmen und trösten, aber ich fühlte, wie er sich meinem Einfluss entzog und wie er mit aller Kraft seine innersten Schmerzen ausdrücken wollte. In herzzerbrechender Stille sah Farzad auf einen Punkt in der Ferne. Ich hielt seine Hände und wollte ihn trösten und an seinem Schmerz mitleiden. Plötzlich fühlte ich, wie erwachsen er war! Seine Hände waren größer und stärker geworden!