Wednesday, December 7, 2022
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EDITORIAL: Iran, der Aufstand im November 2019, ein Jahr


Die Bekanntgabe einer Verdreifachung der Benzinpreise sorgte am 15. November 2019 für den Beginn eines landesweiten Aufstandes, der mehrere Tage lang andauerte. Die schnelle Verbreitung der Proteste durch die junge Generation, vor allem die armen Bevölkerungsteile, die einst für die Machtbasis des Regimes sorgten, erschütterte die Fundamente des Regimes.
Das Regime reagierte mit größter Härte, um seine Macht zu erhalten und verwandelte so die Proteste in ein Blutbad. Die IRGC, die paramilitärischen Bassidsch, die staatlichen Sicherheitskräfte (SSF, Polizei) und Agenten in Zivil schossen mit scharfer Munition auf die unbewaffneten Demonstranten, mit dem Ziel, sie zu töten. In einigen Gegenden, wie in Mashhad, wurden auch gepanzerte Fahrzeuge, Helikopter und Maschinengewehre eingesetzt. Mindestens 1500 Menschen starben, 4000 wurden verwundet und 12.000 Demonstranten wurden bei der Niederschlagung verhaftet.
Trotz dieser Barbarei weitete sich der Aufstand auf fast 200 Städte aus und überall riefen die Demonstranten zu einem Sturz des gesamten Regimes auf.
Was den Aufstand einmalig machte, war die Art, wie er organisiert wurde. Widerstandseinheiten, die mit der iranischen Hauptopposition Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK) zusammen arbeiteten, waren aktiv am Aufstand beteiligt. Der oberste Führer Ali Khamenei gab diesen Fakt einige Wochen später zu. Ein anderes besonderes Merkmal war die führende Rolle der Frauen bei vielen Protesten, die außerordentlichen Mut zeigen und die Proteste leiteten.
Die fundamentalste und wichtigste Frage ist nun: Gehört der November 2019 Aufstand der Vergangenheit an oder ist er Teil einer beständigen Bewegung?
„Dieser Aufstand geht weiter, verbreitet sich und wird tiefer. Er ist mit dem organisierten Widerstand verbunden und wird von ihm unterstützt. Das Regime hat keinen Ausweg mehr und auch keine Trümpfe mehr in der Hand.“, sagte die iranische Anführerin des Widerstandes, Maryam Rajavi.
Der November 2019 Aufstand und die Unruhen vom Januar 2019 haben die Korrektheit dieser Aussage bestätigt. Und es gibt noch weitere Anzeichen. Das wichtigste Anzeichen ist die Reaktion des Regimes, welche zeigt, dass der Geist des November 2019 Aufstandes immer noch in der iranischen Gesellschaft präsent ist und dass unter der Asche eine Glut existiert, die früher oder später wieder explodiert. Die folgenden Gründe erklären, warum der Geist des Widerstandes und der Rebellion immer noch im Iran am Leben ist.
• Armut und Leid haben das iranische Volk über vier Jahrzehnte begleitet und begleiten es heute mehr als zuvor.
• Die Coronavirus – Katastrophe, die ein Produkt der Vertuschung des Regimes, seines Mismanagement, seiner Inkompetenz und seiner Korruption ist, hat die Öffentlichkeit noch mehr sensibilisiert und diese macht die Vertreter für die hohen Todeszahlen und die hohen Infektionsraten verantwortlich.
• Während des 2019 Aufstandes trat eine neue junge Generation hervor, die fundamentale Änderungen und einen Regimewandel forderte. Das hat das Regime völlig überrascht. Es ist eine Generation entstanden, welche nur unter dem Regime aufgewachsen ist und die ständig die Propaganda und die Dämonisierung der MEK mit erleben musste und sie sich dennoch entschied, sich dem Weg der MEK anzuschließen und das Regime und all seine Fraktionen abzulehnen. Es ist eine Generation, die denkt, dass nur die komplette Zerstörung des Systems einen Sinn macht und die nichts mehr zu verlieren hat. Es ist eine Generation, die nach Freiheit und sozialer Gerechtigkeit dürstet und die daran glaubt, dass diese Dinge nur erreicht werden, wenn das Regime gestürzt wird. Diese Generation ist der Kern des Aufstandes und kann nicht zerstört werden. Sie wurde in Armut, Hunger, Unterdrückung, Diskriminierung, Arbeitslosigkeit und Wut hinein geboren und sie ist das Potential für die aktuellen und die kommenden Widerstandseinheiten.

Mit anderen Worten: Sowohl die Grundlagen für kommende Aufstände existieren weiter als auch eine Generation, die sich in den Widerstandseinheiten der MEK wieder findet und die von Aufstand zu Aufstand ihre Erfahrungen sammelt und diese bei dem nächsten Aufstand mit einfließen lässt.
Das Regime hingegen ist in seiner 41 Jahre langen Geschichte so verwundbar wie nie zuvor. Es muss sich mit Krisen in Land, in der Region und auf internationaler Ebene auseinander setzen. Der einzige Grund, warum dieses Regime noch an der Macht ist, ist sein Einsatz von brutaler Unterdrückung, Hinrichtungen und öffentlicher Erhängungen von Jugendlichen.
Diese Situation wird nicht mehr von den Augen der Menschen verborgen bleiben, welche die Schwäche des Regimes sehen und somit einen aggressiven Standpunkt gegen das Regime einnehmen. Dies kann in den Kundgebungen zum Gedenken an die Freiheitskämpfer der Aufstände durch Angehörige und Familien, die Verbreitung von Bildern und Namen der Opfer in vielen Städten sowie anhand von Aussagen politischer Gefangener und vieler anderer Menschen gesehen werden, die Botschaften zu ihrer Unterstützung verbreiten.
Das Regime hingegen zeigt seine Schwäche durch feindliche und zerstörerische Aktionen wie die kriminelle Hinrichtung von zwei Helden der Aufstände, Navid Afkrari und Mostafa Salehi, sowie durch Verhaftungen und Folterungen von inhaftierten Demonstranten, die an den Aufständen teil nahmen.
Die gewählte Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI) sagte dazu:“ Der November 2019 Aufstand ist nicht wie ein Meteor vom Himmel gefallen. Er war vielmehr die Manifestation eines brennenden Wunsches, der so lange weiter existieren wird, bis das Mullahregime gestürzt wurde.“