Wednesday, December 7, 2022
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Ein nationales Unglück: „Der Gedanke an Selbstmord ist jetzt in allen Schichten der iranischen Gesellschaft etwas Normales“

Von Mohammad Sadat Khansari

Im Iran ist die zunehmende Verzweiflung bis zum Selbstmord bei allen Arten von Menschen und in vielen Gebieten vorherrschend, besonders in den besonders bedrohten Gegenden.

Obwohl es keine genauen Zahlen gibt, räumen Behdasht News klar eine Zunahme bei den Zahlen von Selbstmord ein, die berichtet werden: „Im Jahr 2016 gab es 4627 Fälle von Selbstmord und damit 5 % mehr als 2015“.

Eine andere staatliche Nachrichtenagentur, nämlich ISNA, kommentierte dies ebenfalls (am 24. August 2018) in einem Artikel unter der Überschrift „Das Fehlen genauer Zahlen in den Berichten über Selbstmorde in unserem Land“ und betonte, dass die tatsächlichen Zahlen von Selbstmorden mindestens dreimal so hoch sein müssten als die, die gemeldet würden: „Die einzige Quelle zu den berichteten Selbstmorden ist die Rechtsprechung, die aber in dieser Hinsicht oft nicht zuverlässig ist. Das hat seinen Grund darin, dass sie befürchten, dass bei einem Bericht über die wirklichen Zahlen nicht nur der soziale Ausblick, sondern auch die Versicherungsleistungen tangiert sind. Deshalb müssen die wirklichen Zahlen von Selbstmord um mindestens das Dreifache höher als die berichteten sein.

Der Tsunami an Selbstmorden und Selbstverstümmelung in verschiedenen Städten des Iran, dessen Zeuge wir sind, resultiert durchweg aus der Armut, der Obdachlosigkeit, dem Drogenkonsum, der Prostitution und immer wieder der Unterdrückung  junger Iraner, besonders der von Mädchen und jungen Frauen.

Dieses Unheil rührt ohne Zweifel aus der seit vier Jahrzehnten andauernden Diktatur dieses Regimes her. Es ist traurig, dass in einem Land, das so reich an Öl und anderen natürlichen Ressourcen ist, junge Leute in Armut, Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Problemen verkommen und dass sie, statt irgendetwas zu erhoffen, Angst vor der Zukunft haben; und dies oft in solchem Maße, dass sie keinen anderen Weg sehen als sich das Leben zu nehmen.

Mashregh News erörtert dieses Thema ebenfalls (am 29. Juni 2018) und ergänzt: „Nicht nur die mit geringer Ausbildung, sondern auch die gebildeten Schichten und fähige Studenten nehmen sich in zunehmender Zahl das Leben wegen des wachsenden Drucks, der von der Wirtschaft- und Finanzwelt ausgeht“.

Ferner veröffentlichte KhabarOnline einen Artikel unter der Überschrift: „Der Iran ist in einer Krise des Selbstmords“, in dem eingestanden wird: „Unsere sozialen Experten glauben, dass die Hauptgründe für diese Selbstmorde in Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Druck zu sehen sind. Mindestens zwei Drittel dieser Fälle betreffen Männer, die über 25 Jahre alt sind; natürlich ist der Iran jetzt in einer Krise“, und fügt hinzu: „Die Selbstmordrate in der Provinz Kermanshah ist bedeutend gestiegen! Das liegt zum größten Teil an dem Erdbeben des letzten Jahres und den wirtschaftlichen Problemen, die sich daraus ergeben haben und die die Menschen dort stark belastet haben. Allein im letzten Jahr gab es 209 Selbstmorde in der Provinz“.

Salamat News schreibt außerdem über die Beobachtung von Depressionen und Hoffnungslosigkeit unter den Iranern (5. August 2018): „In einer glücklichen Gesellschaft würde niemand an Selbstmord denken! Leider hat unsere Gesellschaft keine Veranlassung, glücklich zu sein, weil es keine langfristigen Lösungen für alle diese Probleme gibt“.

Auch ILNA meint (25. Mai 2018): „Wo hören wir Musik oder Gelächter in unserem Land? Es gibt hier keinerlei Fröhlichkeit! Unsere individuellen und sozialen Überzeugungen neigen hier überall zur Traurigkeit“.

IranOnline hat ebenfalls einen Artikel unter der Überschrift „Teenager, die den Tod begrüßen“ veröffentlicht (5. August 2018) und beschreibt darin die Situation: „Was wir seit einigen Jahren hören, deutet darauf hin, dass der Selbstmord nicht mehr nur bei Erwachsenen (über 18) vorkommt, sondern dass er auch bei Kindern und Teenagern um sich greift – bei 10-, 12- und 15-jährigen, die mit ihren persönlichen Spannungen oder dem externen sozialen Druck nicht fertig werden“.

Mohammad Sadat Khansari ist forschender Analyst und Berater, der auf Menschenrechte, politische und soziale Angelegenheiten spezialisiert ist. Er verfügt über Expertise in Bezug auf den Iran und auf Probleme im Vorderen Orient.