Friday, January 27, 2023
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Irans Polizei zielt auf populäre Bücher- cafes

Teheran (Agenturen) – Die iranische Polizei hat Befehl gegeben, einige Teheraner Bücherläden zu schließen und zu versiegeln, in denen den Kunden ebenfalls Kaffee und Snacks angeboten werden, was von einem der Offiziere als "beruflichen Interessenkonflikt" bezeichnete. "Nach dem Gewerkschaftsgesetz [der Buchhändler] dürfen Eigentümer einer bestimmten Geschäftsart keine zwei verschiedenen Berufe zur gleichen Zeit ausüben", sagte das Oberhaupt der Teheraner Polizeiinformation, Hauptmann Mehdi Ahmadi am Samstag.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zufolge wurden sechs Bücher-Cafés versiegelt.

"Es ist nicht möglich, dass sie ein Café-Restaurant eröffnen und diese Dienstleistung unter ihrer gewerkschaftlichen Arbeitsplatzbeschreibung anbieten", sagte Ahmadi und bezog sich auf die als "Bücher-Cafés" bekannt gewordenen Einrichtungen, wo sich die Menschen ganz entspannt bei einem Kaffee ein Buch ausleihen und lesen können.

Allerdings erklärte Farid Moradi, von der Verlegerseite, dass viele andere Geschäftsleute im Iran einen Café-Shop neben ihrem Hauptgeschäft betreiben.

"An vielen andere Plätzen, wie Kinos, Schwimmhallen und Sportclubs sind Plätze für die Leute, wo sie sich ausruhen und Kaffee trinken können … Es sieht so aus, als würde [die Polizei] für Bücherläden andere Regeln anwenden", sagte Moradi.

"Wir erfuhren, dass wir unser Bücher-Café zu schließen haben und wir haben uns an die Frist dafür gehalten", sagte Moradi und fügte hinzu, dass sie die Schließung am Mittwoch an die Gewerkschaft gemeldet hatten, die Polizei den Laden aber erst am Donnerstag versiegelte.

Er erklärte, dass der Verlag, der im vergangenen Jahr gegründet wurde, jetzt versuchen wird, dass das Siegel wieder gebrochen wird.

Alireza Elmi, Direktor des Verlages Badragheh Javidan sagte, dass es nach der Schließung ihres Cafés die Wiedereröffnung möglich war, dass dieser Prozess aber zwei Wochen dauerte.

"Die Person, die den Bücherladen versiegelte, antwortete mir auf meine Einwände: ‘Die ganze Korruption in unserem Land kommt aus diesen Bücher-Cafés’", so sein Zitat im Nachrichtenblatt Sarmayeh.

Neben der angenehmen Atmosphäre für Bücherwürmer bieten die Bücherläden in Teheran auch Kulturveranstaltungen an.

Seit April übt der Iran seit Jahren den stärksten Druck aus, verwarnt Frauen, sich moderater zu kleiden, hat "unmoralische" Cafés als Zielscheibe und beschlagnahmt illegale Satellitenschüsseln.