Saturday, December 10, 2022
StartNachrichtenWirtschaftWarum meiden ausländische Investoren den iranischen Markt?

Warum meiden ausländische Investoren den iranischen Markt?

Während die Wirtschaft im Iran verzweifelt Investitionen in großem Stil benötigt, zeigen die offiziellen Zahlen, dass sogar das Atomabkommen von 2015, auch JCPOA genannt, nicht das notwendige Kapital in die wirtschaftlichen Lebensadern des Landes gepumpt hat.

Jetzt macht es der Rückzug der USA aus dem Abkommen noch schwieriger für das iranische Regime, ausländische Investoren heranzuziehen.

Offizielle Vertreter des Regimes haben mehrfach über das Heranziehen von ausländischem Kapital gesprochen und ebenso das von benötigter Technologie, um die veraltete Öl- und Gasindustrie des Landes auf einen neueren Stand zu bringen.

Abgesehen von einer veralteten Öl- und Gasindustrie ist es dem Iran unmöglich, viele seiner Ölfelder und Gasvorkommen zu erschließen, ohne Technologien und Kapital aus dem Ausland zu nutzen.

Das Atomabkommen hatte das Ziel, den Weg für das Heranziehen ausländischer Investitionen dadurch zu bahnen, dass Sanktionen aufgehoben wurden und dass der Iran an das SWIFT Netz angeschlossen wurde.

Während Deutschland große Hoffnungen darauf setzte, dass es sein Handelsvolumen mit dem Iran um mehr als 10 Milliarden Euro vergrößern könne, und während das französische Unternehmen Total neben anderen großen internationalen Ölfirmen geplant hatten, Schlüsselspieler in der Öl- und Gasindustrie des Iran zu werden, vermitteln die offiziellen Zahlen, die vom Regime veröffentlicht wurden, ein komplett anderes Bild.

Es können nur 5 Milliarden $ an ausländischen Investitionen in Anspruch genommen werden

In einem Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Fars vom 9. Juni 2018 hat der stellvertretende Wirtschaftsminister des Regimes Mohammad Khazaei offenbart, dass im Jahr 2017 nur 5 Milliarden $ an ausländischen Investitionen im Iran getätigt worden seien. Der stellvertretende Wirtschaftsminister fuhr dann sogar fort damit, dass er sagte, diese Zahl sei um 45 Prozent höher als im Vorjahr.

Während Khazaei von einem wirtschaftspolitischen Erfolg der Rohani-Regierung in den Jahren 2016 und 2017 spricht, legen es jedoch die Zahlen über ausländische Investitionen nahe, dass die Politik der Heranziehung ausländischen Kapitals praktisch fehlgeschlagen ist, weil  ausländische Investitionen von 3 Milliarden $ im Jahr 2016, wie sie Khazaei angibt, zeigen, dass ausländische Investoren nicht bereit sind, sich auf den iranischen Markt zu begeben.

Rückzug der USA aus dem JCPOA

Es muss dazu ausgeführt werden, dass die Aufnahme von drei und fünf Milliarden $ jeweils in den Jahren 2016 und 2017 stattfand als der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen noch nicht auf dem Tisch war.

Dass große Ölunternehmen, Raffinerien und Autohersteller sich schon dafür entschieden haben, den Markt des Iran zu verlassen, kann man als Folge des Rückzugs der Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen vor etwa einem Monat betrachten.

Herauslösung aus dem SWIFT-Abkommen

Eins der großen Probleme des iranischen Regimes in den Jahren 2012-2016 war es, dass es vom SWIFT Netz ausgeschlossen war, weil das dem Regime nicht nur finanzielle Transaktionen bei Ex- und Importen erschwert hat, sondern den Zugang zu den eigenen finanziellen Ressourcen in der ganzen Welt begrenzt hat.

Eine der Folgen der Wiederanwendung der Sanktionen gegen das iranische Regime durch Trump können sein, dass die finanziellen Verbindungen des Regimes mit dem globalen Banksystem  wieder abgeschnitten werden, was wohl passieren wird, wenn die von der Trump Administration gesetzte Frist von 180 Tagen  am 4. November 2018 endet.

In seinem Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Fars hat Mohammad Khazaei vorgeschlagen, dass Europa einige Banken ermächtigt, nach der Wiedereinsetzung der US Sanktionen die finanziellen Transaktionen abzuwickeln. Dies kann jedoch nach Gesichtspunkten des Finanzwesens so nicht geschehen, weil die europäischen Banken zum einen selber Teil des SWIFT Netzes sind und damit praktisch keine Möglichkeit mehr haben, mit den iranischen Partnern weiterzuarbeiten, falls die iranischen Banken aus dem Netzwerk ausgeschlossen werden.

Zum zweiten haben die Vereinigten Staaten damit gedroht, Unternehmen und Banken zu bestrafen, die weiterhin mit dem iranischen Regime Handel treiben oder kooperieren, eine Strafe, die zu erheblichen finanziellen Bußgeldern und außerdem dem Kappen des Zugangs zum Finanzsystem der Vereinigten Staaten führen kann.

Unter diesen Umständen ist es nicht denkbar, dass europäische Banken bereit sind, die Risiken auf sich zunehmen, die mit finanziellen Transaktionen mit dem iranischen Regime verbunden sind.

Deshalb ist es vorhersehbar, dass es für das iranische Regime schwieriger sein wird als je zuvor, ausländisches Kapital  zu erhalten, sobald die Sanktionen wieder verhängt sind und die Banken des Regimes erneut vom internationalen Finanznetz abgeschnitten sein werden.