Sunday, November 27, 2022
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Weber: Wir fordern Gerechtigkeit für den iranischen Widerstand

Am 8. März sprach die Landtagsabgeordnete Karin Weber zu der Großkundgebung von Iranern in Brüssel. Im Folgenden lesen Sie den Text der Grußadresse von Karin Weber.
„Liebe Frauen und natürlich auch ihr Männer,
heute am Internationalen Frauentag treffen wir uns in mitten Europas in dieser wunderschönen Stadt Brüssel. Ich überbringe Euch Grüße aus meiner Heimat, dem Land Brandenburg in Deutschland, Grüße von den Frauen und Männern meiner Fraktion der Linkspartei im Landtag.

Wir sind heute hier um Gerechtigkeit zu fordern. Gerechtigkeit für den Widerstand gegen das iranische Mullah-Regime; Gerechtigkeit für die Volksmudschahedin Iran.

Das Europagericht stellte im Dezember 2006 fest, dass es nicht gerecht ist, die Volksmuschahedin mit Terroristen gleichzustellen, sie auf die Liste der terroristischen Organisationen zu setzen und sie ohne Verteidigungsrechte dort zu belassen.

Wenn sich Europa als Wiege der Demokratie sieht, müssen auch die Repräsentanten der europäischen Staaten in allen Belangen demokratisch handeln. Dazu gehört, dass der Rat der Europäischen Union – vor dessen Sitz wir heute hier versammelt sind – das Urteil des Europäischen Gerichtes in Luxemburg akzeptiert und umsetzt. Das heißt, dass die Volksmojahedin von der Terrorliste zu streichen sind.

Der wahre Terrorismus liegt dort, wo viele tausend Menschen ohne Verurteilung in Kerkern schmachten. Der wahre Terrorismus liegt dort, wo im letzten Jahr mehr als 400 Menschen öffentlich und ungezählte heimlich hingerichtet wurden. Die Gefahr für die Menschheit liegt dort, wo an Atomwaffen gebastelt wird, deren Kraft die Menschheit vernichten kann.

Die Unmenschlichkeit zeigt sich im Verhalten zu mehr als 50% der Menschheit, im Verhalten zu den Frauen.
Wer den Frauen nicht gleichberechtigte Teilhabe am Leben zugesteht, wer ihnen nicht die Möglichkeit gibt, selbst zu wählen, wie sie sich kleiden, welche Ausbildung sie erwerben, wen sie lieben. Der ist der wahre Terrorist.

Wir stehen hier also am 8. März in Brüssel, weil wir Gerechtigkeit fordern. Dabei ist der 8. März für uns Frauen, ein historisch bedeutsamer Tag.
Schon am 8. März 1857 waren Textilabreiterinnen in New York in einen Streik getreten, weil das Leben für die Frauen und ihre Familien unerträglich hart war.
Am 8. März 1908 starben in New York 129 Arbeiterinnen dem Feuertod in einer Fabrikhalle, weil der Besitzer sie dort einsperren ließ. Er wollte einen Streik verhindern.

Schon ein Jahr später streikten 20.000 Näherinnen aus Manhattan. Tausende wurden verhaftet und doch nach 2 Monaten entschlossen den Kampf mussten die Unternehmer den Forderungen der Frauen nachgeben.

Am 8 März 1917 fand ein großer Textilarbeiterinnenstreik in Petersburg statt und löste den Beginn der Februar Revolution in Russland aus.

Die Frauen, die jeder gesellschaftlichen Krise, in jeder Form der Unterdrückungsregime, die im Krieg und in Katastrophen immer die größten Lasten tragen, den schlimmsten Peinigern ausgesetzt sind, sind dennoch eine Macht, wenn sie sich zusammenfinden.
Und so wie heute und hier ihren Ruf laut in die Welt hineintragen.

Wir wollen hier ein Signal senden an Frau Rajavi.
Frau Rajavi wir grüßen Sie mit Hochachtung und Respekt und wünschen Ihnen, dass die Zahl Ihrer Verbündeten weiter wächst und Sie die 16 Punkte der Demokratisierung Ihres Landes bald umsetzen können.

Wir wollen hier ein Signal senden nach Ashraf.
Frauen in Ashraf! Euer Kampf ist uns gegenwärtig. Wir tragen Euer Botschaft in die Welt und berichten von Eurer ungebrochenen Kraft, damit sich viele mit Euch verbünden können.

Wir wollen von hier ein Signal senden zu den Frauen, die bei der Lehrerdemonstration am 3. März in Teheran mutig ihre Angst besiegend auf die Straßen gegangen sind, um für Ihre Arbeit gerechten Lohn einzufordern.

Wir rufen allen Frauen zu.
Ihr, die darum kämpft, dass Frauen, dass alle Menschen selbstbestimmt leben können, gebt nicht auf, schließt Euch zusammen. Nur so sind wir stark.

Wir fordern, dass der iranische Widerstand so wie das Europäische Gericht in Luxemburg geurteilt hat, von der Terrorliste genommen wird, damit der Widerstand Kraft gewinnt, sich Menschen in Protest zusammenschließen können und dass auch im Iran das Lied unseres deutschen Dichters Heinrich Heine, der wie viele Iraner in Frankreich in Exil leben musste, erklingen kann:

Ein Neues Lied, ein besseres Lied,
Oh Freunde will ich Euch dichten,
Wir wollen hier auf Erden schon,
das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein
und wollen nicht mehr darben.
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
für alle Menschenkinder
Auch Rosen und Nyrten, Schönheit und Lust.
und Zuckererbsen nicht minder.

Ein Neues Lied, ein besseres Lied,
es klingt wie Flöten und Geigen.
Das Miserere ist vorbei.
Die Sterbeglocken schweigen.