Tuesday, February 7, 2023

Rafsanjani und seine Killer

ImageDas Mordnetzwerk hat mich fast getötet
Von Hossein Abedini

The Washington Times, 16. Juni – Es war vor 15 Jahren, kommt mir aber vor, als sei es gestern gewesen. Mitten am Nachmittag des 14. März 1990 saß ich neben dem Fahrer, der mich zum Istanbuler Flughafen bringen sollte, als wir wegen eines Verkehrsunfalls in einen Stau gerieten. Plötzlich blockierte ein Auto, in dem vier Männer saßen, unseren Weg. Ein weiteres Auto keilte uns von hinten ein. Sekunden später  kamen zwei Männer mit automatischen Waffen aus dem Wagen vor uns und dem hinter uns herausgestürmt.

Als sie näher kamen, öffnete ich die Wagentüre und sprang, nur einen kleinen Aktenkoffer in der Hand, auf sie zu. Einer der Männer schoss neunmal auf mich, die Waffe des anderen blockierte. Ich wurde in Brust und Magen getroffen und schwer verwundet. Die Angreifer flohen.

Glücklicherweise befanden wir uns in der Nähe des Internationalen Krankenhauses von Istanbul, wo ich eiligst hingebracht wurde. 40 Tage lang lag ich in tiefem Koma, und  drei Monate lang war ich Bewusstlos. Mit 80 Prozent meiner Leber weg überlebte ich nur gerade und wurde von meinen Ärzten mehr als einmal abgeschrieben. Eine Kugel traf mich ganz nahe am Herzen. Ich wurde 14 mal operiert und erhielt 154 Pints Blut.

Ich bin ein Mitglied des Nationalen Widerstandsrates Irans, dem Bündnis der iranischen Oppositionsbewegungen. Die Angreifer hatten im Auftrag des klerikalen Regimes, des größten staatlichen Förderers des Terrorismus, gehandelt.

Wie später rauskam, waren die Angreifer ironischerweise gar nicht hinter mir her gewesen, sondern wie der Staatliche Rundfunk Irans später bestätigte war Mohammad Mohaddessin, der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des NWRIs, das wirkliche Ziel gewesen.

Trotzdem hörten damit die Versuche, mich umzubringen, noch nicht auf; zwei Versuche, mich zu erledigen, fanden im Krankenhaus statt. Einmal kamen Mörder als türkische Polizisten verkleidet zum Krankenhaus; zum Glück kam die türkische Polizei selbst zur gleichen Zeit dorthin und verhinderte die Tat. Ein anderes mal kamen zwei Männer, die behaupteten, Freunde zu sein, in mein Zimmer. Wieder hatte ich Glück; mehrere wirkliche Freunde kamen zur gleichen Zeit, um mich zu besuchen, und die Mörder flohen.

Ich bin einer der wenigen, die die Mordversuche der Mullahs überlebt haben.

Meine Geschichte ist jetzt deshalb wichtig, weil all das stattfand als Ali Akbar Hashemi Rafsanjani der Präsident des klerikalen Regimes war. Jetzt, wo neue Präsidentschaftswahlen anstehen, wird er als der aussichtsreichste Kandidat gehandelt, und einige im Westen hoffen, mit ihm groß ins Geschäft zu kommen.

Es ist wichtig zu wissen, dass es ein deutliches Muster der Morde während seiner vorigen Amtszeit gab.

Professor Kazem Rajavi, Irans berühmtester Menschenrechtsaktivist, wurde 1990 am Helligen Tag von Killern der Mullahs niedergeschossen als er in der Nähe seines Hauses in Genf im Auto fuhr. Die Schweiz machte 13 iranische Beamte, in deren Pässe „Sonderauftrag“ gestempelt war, verantwortlich. Von Rajavis Familie veröffentlichte Dokumente machten deutlich, dass ein schweizer Gericht 1997 „ganz klar“ genügend Beweise hatte, um einen internationalen Haftbefehl gegen den damaligen Geheimdienstminister des Irans, Al Fallahian, zu rechtfertigen.

Der Mord an Rajavi war während der Präsidentschaft Rafsanjanis kein einmaliger Zwischenfall. Mehrere iranischen kurdische Führer wurden 1989 in Wien und 1992 in Berlin ermordet. Die Liste wird fortgesetzt.

1997 kam ein Gericht in Berlin zu dem Ergebnis, dass  ein geheimer Ausschuss bestehend aus dem Oberster Führer, Ali Khamenei, Rafsanjani, dem damaligen Außenminister Ali-Akbar Velayati, und Fallahian die Morde von 1992 angeordnet hatte.

Die Ziele des Terrors der Mullahs waren nicht nur Iraner. Das FBI hat unwiderlegbare Beweise dafür gesammelt, dass Teheran auch den Bombenanschlag auf die Khobar-Türme in Saudi Arabien im Jahr 1995 geplant hatte, durch die 19 amerikanische Soldaten den Tod fanden. Und die üblen Aktivitäten Rafsanjanis beschränken sich auch nicht auf Terrorismus; er ist ein eifriger Verfechter von Irans Bemühungen, in den Besitz von Nuklearwaffen zu kommen.

Zwei Jahrzehnte lang ist Europas Appeasement-Politik gescheitert. Die Idee, aus dem Inneren des Regimes einen Gemäßigten herauszufischen, wurde in verschiedener Verpackung für unterschiedliche Gelegenheiten angeboten, alles ohne Erfolg.

Ein größerer Schnitzer, den der Westen begangen hat, war der, den Mullahs entgegenzukommen, indem  man die Volksmojahedin, die wichtigste iranische Oppositionskraft, von der 120.000 Mitglieder und Sympathisanten bislang hingerichtet worden sind, als Terroristen bezeichnete. Die Mojahedin haben auch eine hervorragende Rolle dabei gespielt, das Nuklearprogramm und des terroristische Netzwerk der Mullahs zu entlarven.

Die Entscheidung, sie auf die Terror-Liste zu setzen, die von bekannten Juristen als unbegründet und bar jeglicher rechtlichen Basis verurteilt worden ist, hat nur die extremsten Fraktionen des Regimes  bei ihrer Unterdrückung, der Förderung des Terrorismus und dem Bemühen, sich Atomwaffen zuzulegen, ermutigt.

Alles deutet darauf hin, dass das iranische Volk bezüglich des  klerikalen Regimes völlig desillusioniert ist und einen grundlegenden Wandel in Richtung Demokratie wünscht. Es wäre naiv und kurzsichtig, irgendwelche Hoffnungen mit einer verbrauchten Kraft wie Rafsanjani zu verbinden. Der Westen muss sich mit dem Ruf des iranischen Volks nach Freiheit verbinden. Ein erster Schritt bestünde darin, die Mojahedin von der Terroristenliste zu streichen, auf der sie nie hätten stehen dürfen. Der Westen sollte unmissverständlich erklären, dass er diesen Schwindel nicht als eine Wahl anerkennt.

Hossein Abedini ist Mitglied des Nationalen Widerstandsrates Irans