
Von Thomas Lutze*
Die Reise von Reza Pahlavi nach Deutschland Ende April, nach zwei konfliktreichen Stationen in Schweden und Italien, war weniger eine Demonstration politischer Stärke als vielmehr eine Bühne, auf der ein Niedergang sichtbar wurde – ein Niedergang, der mit dem Scheitern einer Strategie begann und in Berlin ein klares mediales und politisches Bild annahm: Die Blase der „fertigen Alternative“ ist geplatzt.
In den vergangenen Monaten versuchte Pahlavi, sich im Vakuum aus Krieg, Repression und der Sackgasse des iranischen Regimes als zentrale Figur einer Übergangsphase und als „fertige Alternative“ zu präsentieren. Dabei setzte er jedoch nicht auf gesellschaftliche Kräfte innerhalb Irans, sondern auf ausländischen Krieg, äußeren Druck und mediale Vermarktung. Diese Strategie erwies sich als kontraproduktiv. Die Unterstützung eines externen Krieges wurde von großen Teilen der iranischen Bevölkerung im In- und Ausland nicht als Entschlossenheit, sondern als Entfremdung vom Leid der Menschen unter Bombardierungen wahrgenommen.
Dieser Niedergang zeigte sich zunächst unter Iranerinnen und Iranern im Ausland. In Schweden führten Proteste von Exiliranern, Intellektuellen und Aktivisten dazu, dass Pahlavi mit Fragen zu seiner familiären Vergangenheit konfrontiert wurde, die von „blutiger Diktatur“ und Einparteiensystem geprägt war. Seine Reaktion war bezeichnend: Statt Distanz zu zeigen, bezeichnete er diese Vergangenheit als „Grund zum Stolz“. Auch in Italien verhinderten politische Proteste und mediale Reaktionen eine ruhige Inszenierung seines Besuchs. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war jedoch Deutschland.
In Berlin wurde sein politisches Gewicht faktisch relativiert. Die Frankfurter Rundschau betonte, dass Pahlavi „nicht nur die iranische Diaspora, sondern auch die deutsche Politik“ spalte . Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) erklärte: „Die Familie Pahlavi steht für ein autoritäres System vor 1979. Sein Vater ließ politische Gegner verfolgen, foltern und ermorden.“
Auch auf Bundesebene wurde Distanz deutlich. Bundesminister Thorsten Frei erklärte in der Sendung Maybrit Illner: Ein Regimewechsel könne „nie von außen organisiert werden, sondern das muss aus der Bevölkerung selbst heraus passieren“ und ergänzte zur Frage nach einem Treffen mit Pahlavi: Man spreche zwar mit Oppositionspolitikern, aber dies sei „jetzt sicherlich nicht die erste Adresse“ .
Diese Aussage stellte eine klare politische Zurückweisung dar. Eine Figur, die sich als zentrale Adresse der Opposition positionieren wollte, wurde von einem führenden Regierungsvertreter ausdrücklich nicht als solche anerkannt.
Auch medial fiel die Bilanz kritisch aus. Die taz schrieb, Pahlavi sei mit dem Versuch, sich als Staatsmann zu präsentieren, „kläglich gescheitert“ . Er habe „den Großteil seiner Redezeit“ darauf verwendet, Journalistinnen und Journalisten zu belehren, und sei Antworten auf zentrale Fragen schuldig geblieben . Das Fazit lautete: Der „Prinz, der König werden will“, habe sich eher als „Hofnarr“ präsentiert – „einer, der nicht mal mehr einen Hof hat, der ihn einberufen will“ .
Damit wird deutlich: Die Krise Pahlavis ist nicht nur eine Frage der öffentlichen Wahrnehmung, sondern eine strategische Krise. Der Versuch, aus einem äußeren Krieg politisches Kapital zu schlagen, führte zu wachsendem Misstrauen. Angestrebte internationale Legitimation durch politische Treffen blieb begrenzt, informell oder privat. Der Anspruch, eine einigende Figur zu sein, wich dem Bild eines polarisierenden Akteurs.
Die Deutschlandreise markierte somit nicht nur das Ende einer Tour, sondern das Ende einer politischen Illusion: der Vorstellung, durch Familienname, äußeren Druck, mediale Kampagnen und begrenzte politische Kontakte eine tragfähige Alternative für die Zukunft Irans darstellen zu können. Berlin machte deutlich, dass es für viele nicht um die Wahl zwischen „Schah“ und „Scheich“ geht, sondern um die Ablehnung beider autoritärer Modelle und die Suche nach einem dritten Weg: einer demokratischen Republik, getragen vom freien Willen der Bevölkerung.
Parallel dazu trat auf internationaler Ebene eine andere organisierte Alternative stärker hervor. Maryam Rajavi, gewählte Präsidentin des Nationalen Widerstandsrats Iran, erklärte im Europäischen Parlament angesichts einer neuen Welle politischer Hinrichtungen, das Schweigen Europas „ermutigt das Regime nicht nur zu weiteren Hinrichtungen, sondern ist auch ein Zeichen von Schwäche“.
Zugleich betonte sie, diese Hinrichtungen seien kein Ausdruck von Stärke, sondern von Angst des Regimes vor einer realen Alternative. Die Lösung der Iran-Krise liege weder in Beschwichtigung noch in äußerem Krieg, sondern im „organisierten Aufstand des Volkes und des Widerstands“.
Damit steht ein alternativer Ansatz im Raum: ein Übergang zu einer demokratischen Republik auf Grundlage des Volkswillens, getragen von innergesellschaftlicher Dynamik und organisierter politischer Struktur.
* Thomas Lutze (SPD) war von 2009 bis 2025 Mitglied im Deutschen Bundestag.
