Saturday, December 10, 2022
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Nontombi Tutu: wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen von Camp Ashraf

– Ich bin hier, um zu sagen: „Ich bin auch eine Stimme“, um zu sagen:“ Mein anderes Land, mein anderes zu Hause, wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen von Camp Ashraf“ –

NWRI – Eine Reihe von Nicht – Regierungsmenschenrechtsorganisationen, Europäischer Abgeordneter und internationaler Anwälte traf sich am Mittwoch, den 21. September im UN Hauptquartier in Genf und warnte dabei vor der bevorstehenden Gefahr eines Massakers wie in Srebrenica in Camp Ashraf und rief zu dringenden Maßnahmen zum Schutz der Bewohner auf.

 

Auf der Konferenz sprachen: Maryam Rajavi, die gewählte Präsidentin des iranischen Widerstandes; Dr. Alejo Vidal-Quadras, Vizepräsident des EU Parlamentes ; Struan Stevenson, Präsident der Delegation für die Beziehungen mit dem Irak im EU Parlament (Vertreter des europäischen Angebotes zur Lösung der Krise in Ashraf); Ruth N. Wedgwood , Juristin; Sid Ahmed Ghozali, früherer Premierminister von Algerien; Nontombi Tutu, Menschenrechtsaktivistin und Tochter des Erzbischofs Desmond Tutu; Madeleine Rees, Generalsekretärin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit;  Christiane Perregaux, Co- Präsidentin des gesetzgebenden Rates in Genf; Gianfranco Fattorini, Mit- Vorsitzender der Bewegung gegen Rassismus und für Freundschaft unter den Menschen (MRAP); Marc Falquet, Abgeordneter des Genfer Parlamentes und  Daniel Neeser, Pastor. Die Konferenz wurde von Michel Joli, Generalsekretär der Mitterand Stiftung (France Libertés) geleitet.

Hier die Rede von Nontombi Tutu, Menschenrechtsaktivistin und Tochter des Erzbischofs Desmond Tutu:

Vielen Dank Herr Vorsitzender, vielen Dank Frau Rajavi. Ich möchte ihnen allen danken, dass ich heute hier reden darf.

Ich trage heute einige verschiedene Hüte. Der erste Hut ist einer, der unter der Apartheid in Südafrika wuchs. Heute frage ich mich als junger Mensch immer und immer wieder, fragen sich meine Freunde und wir uns gegenseitig:“ Wenn wir so viel Leid erleben mußten, wie sieht es dann im Rest der Welt aus? Interessiert sie es nicht, dass ihre Brüder und Schwestern in Haft sitzen? Interessiert sie es nicht, dass unsere Kinder auf den Straßen getötet werden? Interessiert sie es nicht, dass unsere Eltern aus den Häusern ihrer Ahnen vertrieben wurden? Wo ist die internationale Gemeinschaft? Heute finden wir uns an dem Platz wieder, wo die Menschen von Ashraf die selben Fragen stellen. „Wo seit ihr? Wo wart ihr, als wir leiden mußten? Wo wart ihr, als wir ermordet wurden? Wo seit ihr, wenn wir Tag und Nacht belästigt werden? Unsere Frauen werden mit Lautsprecherdurchsagen beleidigt, wo ist die internationale Gemeinschaft, welche sich schwor, die Menschenrechte zu verteidigen?

Ich komme hierher als eine Frau aus Südafrika, die in einer Zeit aufwuchs, wo die Regierung Apartheid betrieb und wo der Westen sich mehr um das Schreckgespenst des Kommunismus kümmerte. Daher wurde die Apartheid mit einem Gesetz verschleiert, welches das Gesetz zur Unterdrückung des Kommunismus genannt wurde. So wurden unbequeme Fragen aus dem Westen vermieden, warum Südafrikaner verhaftet oder aus ihrem Land vertrieben wurden.

Heute nutzen unterdrückende Regime in der ganzen Welt ein anderes Schreckgespenst, das sie Terrorismus nennen. Wenn man also seine Opposition als „Terroristen“ bezeichnet, dann wird die Welt keine Fragen stellen, was sie mit den Leuten machen. Die Menschen in Ashraf wurden deshalb als Terroristen bezeichnet, als Kriegsverbrecher, selbst nachdem alle Untersuchungen zeigten, dass dies nicht wahr ist. So bin ich hier, um zu sagen: Ich möchte kein Teil einer Weltgemeinschaft sein, wo sich die Menschen fragen: Wo wart ihr, als wir abgeschlachtet wurden? Was habt ihr getan, um unser Leid zu beenden? Was habt ihr getan, um unsere Familien zu schützen? Wir haben hier die Gelegenheit, für diejenigen in Ashraf zu sprechen, unsere Regierungen und die UN unter Druck zu setzen, damit sie die Menschen in dieser Region schützen. Ich weis, dass die Hochkommisarin für Menschenrechte der UN, Frau Pillay, jemand ist, die den Kampf gegen Unterdrückung versteht, die den Schutz gegen Gewalt versteht. Ich weis, dass sie jemand ist, der das Herz am richtigen Fleck hat. Wir sind hier, um ihr zu sagen, dass sie nicht nur ihr Herz sprechen lassen soll, sondern das die Taten des Hochkommisars zum Schutz der Menschen von Ashraf entscheidend sind und das sie mit der Entsendung einer Beobachtertruppe die Sicherheit von Ashraf gewährleisten kann.

Ich trage auch den Hut eines Bürgers Südafrikas und der USA und ich weis, dass die Truppen der USA die Menschen in Ashraf entwaffneten und ihnen dafür Schutz versprachen.
 
Wir wissen, dass der Schutz an die Regierung des Irak übergeben wurde, welche diesen in Angriffe umwandelt.

Daher bin ich hier, um zu sagen: „Ich bin auch eine Stimme“, um zu sagen:“ Mein anderes Land, mein anderes zu Hause, wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen von Camp Ashraf“

Und ich trage nicht zuletzt den Hut der Tochter von Bischof Tutu. Ich trage ihn mein ganzes Leben und er ist geschmückt mit all seinen Kosten und Vorteilen. Heute trage ich ihn mit stolz, weil ich durch ihn die Möglichkeit habe, hier eine Erklärung meines Vaters zu verlesen.
 
Ich zitiere aus dieser Erklärung:“ Ich habe schon in der Vergangenheit meine Unterstützung für die Menschen in Camp Ashraf ausgedrückt. Ihnen muß durch die UN Schutz gewährt werden und durch internationalen Truppen, welche durch die USA und den Irak angeführt werden.

Seit der Schutz an die irakische Regierung übergeben wurde, wurde das Camp von iranischen und irakischen Kräften belästigt. Die Angriffe und Belästigungen sind in Wahrheit Menschenrechtsverletzungen, welche von allen freiheitsliebenden Menschen verurteilt werden müssen. Selbst in diesem Monat hat der UN Hochkommisar erklärt, dass er über individuelle Anträge für den Flüchtlingsstauts der Bewohner nachdenkt.

Ich fordere die irakische Regierung und die internationale Gemeinschaft auf, die Integrität dieses Prozesses zu respektieren und die Sicherheit der Bewohner von Ashraf herzustellen, damit die UNHCR ihr Mandat in einer sicheren und vertrauenserweckenden Umgebung erfüllen kann. Ich bin Desmond Tutu, der Erzbischof Emeritus von Cape Town.

20. September 2011, New York, New York.“