Wednesday, July 24, 2024
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Botschafter Bloomfield weist Behauptungen der Kollaboration der MEK mit Iraks Saddam Hussein zurück

Botschafter Lincoln Bloomfield, ein erfahrener Diplomat und Gelehrter, hat ausgiebig über die Vorwürfe gegen die Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK) geforscht. Seine Einsichten, die in zahlreichen Büchern und Artikeln enthalten sind, wurden erörtert in einer Diskussion in dem Podcast „Die nicht erzählte Geschichte“. In diesem Artikel befassen wir uns intensiv mit einer bestimmten Unterstellung: der Behauptung, die MEK habe im Iran-Irak Krieg auf der Seite der Truppen Saddam Hussein gekämpft.

Bloomfields Veröffentlichung von 2019 „The Ayatollahs and the MEK: Iran’s Crumbling Influence Operation” (Die Ajatollahs und die MEK: Irans zerbröckelnde Einflussoperation) bemüht sich sorgfältig, viele der Desinformationskampagnen des iranischen Regimes zu entwirren und zu entlarven. In seiner Erörterung geht es Bloomfield um die Unterstellung der angeblichen Kollaboration der MEK mit Saddam Husseins Armee.

„Wie sich viele erinnern werden, ist der Irak im September 1980 in den Iran einmarschiert, nicht sehr lange nach der dortigen Revolution. Als das passierte eilten MEK Mitglieder mit anderen an die Front und kämpften gegen die Iraker und einige wurden von den Soldaten Saddam Husseins gefangengenommen. Sie wurden als Kriegsgefangene behandelt“, so Bloomfield. Diese Beschreibung ist entscheidend für die In Frage Stellung des Narrativs der Kollaboration der MEK mit Saddam. Er ergänzt: „Wenn irgendetwas daran wahr wäre, dass die MEK und der NWRI irgendwie Verbündete Saddam Husseins gewesen seien, warum behielt er sie bis 1989 als POWs (Kriegsgefangene) in Haft?“

Bloomfield hebt die zeitlichen Diskrepanzen hervor, die weiter diese Unterstellung diskreditieren: „Die MEK kam nicht einmal in den Irak bis Juli 1986, Jahre später. Sie fingen erst danach damit an, Waffen zu erwerben. Und die Nationale Befreiungsarmee, die sie aufstellten, gab es erst 1987. Und sie führten wirklich nur eine große Operation durch, nämlich zu versuchen, nach Teheran zu marschieren, was ihre Absicht war“.

Der Botschafter erwähnt auch die finanzielle Unabhängigkeit der MEK bei ihren militärischen Bemühungen. „Nebenbei gesagt: Das kann ich nicht überprüfen, aber die Mitglieder des NWRI sagen, wir haben alle Quittungen. Wir haben alle unsere Waffen bar bezahlt. Mit anderen Worten, sie wurden nicht kostenlos von Saddam beliefert. Das ist etwas, was sie sagen, deshalb kann ich das von mir aus nicht bestätigen, aber das sagen sie“.

Bloomfield verweist auch auf den Kontext des geopolitischen Klimas während des Iran-Irak Kriegs, besonders die Ambitionen von Khomeini. „1982, Mitte 1982, hat der Irak alle Truppen aus dem Iran zurückgezogen. Es gab dort keine irakischen Truppen mehr. Und Massoud Rajavi versuchte von Paris aus, den Krieg damit zu beenden, dass er Saddam Husseins Regierung dazu bringen wollte, die Kriegstreiberei zu beenden, alle Truppen zurückzuziehen und die Gefangenen auszutauschen. Das wurde Ajatollah Khomeini mehrmals vorgeschlagen. Der hatte aber kein Interesse daran, den Krieg zu beenden“.

Der Botschafter beschäftigt sich dann mit den breiteren Ambitionen Khomeinis und damit, wie sie seine Innenpolitik und den Umgang mit der MEK beeinflussten. „Khomeini verlor die Kontrolle über die iranische Bevölkerung. Deshalb verlängerte er den Staatsnotstand, ließ den Krieg andauern und war noch nicht bereit, seinen Traum einer Autorität über die Schiiten im Irak und deren Ausdehnung auf die ganze Levante bis nach Jerusalem aufzugeben. Er benutzte das als Entschuldigung dafür, Leute einzusperren, ins Gefängnis zu bringen, zu foltern und hinzurichten, die seinen Anordnungen nicht folgten, darunter alle Sympathisanten mit der MEK

Bloomfield weist entschieden die Unterstellung der militärischen Kollaboration der MEK mit Saddam Hussein zurück: „Nie, nicht ein einziges Mal, haben die MEK und die Nationale Befreiungsarmee jemals an irgendeiner militärischen Operation der Armee des Irak teilgenommen. Nicht ein einziges Mal jemals. Und vergessen Sie nicht, dass das amerikanische Militär alle Festplatten der Regierung Saddam Husseins beschlagnahmt hat und das Pentagon wusste sicher, dass es niemals eine Beteiligung der MEK gegen die Kurden oder die Schiiten gegeben hat, über die wir jahrelang gehört haben“.

Der Botschafter unterstreicht, wie wichtig es sei, die wahre Natur dieser Desinformationskampagnen zu kennen. „Diese Sachen sind jetzt vorüber. Offen gesagt werden alle Historiker eines Tages sich mit dem befassen, was Khomeini machte, bevor der Irak einmarschiert ist, und sie könnten zu dem Schluss kommen, dass Khomeini diesen Angriff provoziert hat, weil er im Irak Angriffe durchgeführt hat und zu einem Regimewechsel gegen Saddam Hussein aufgerufen hat. Das ist eine ganz andere Geschichte, aber es war für Khomeini und für den Schah vor ihm wichtig, die smarten studentischen Idealisten zu dämonisieren, die die Diktatur nicht akzeptieren wollten, ob sie monarchistisch oder religiös war. Sie wollten, dass die Iraner die Kontrolle über ihr eigenes Geschick mit der Wahlurne bekommen wie es in anderen Ländern der Fall ist“.

Daraus ergibt sich, dass das Ausmaß von Dämonisierung und Desinformation gegen die MEK und den Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI) die Furcht des iranischen Regimes vor der einzigen organisierten Opposition untermauert. Wie es Botschafter Bloomfield treffend ausdrückt: „Sie haben in voller Absicht innerhalb und außerhalb des Iran immer eine Gruppe von Narrativen verbreitet, die vollständig falsch sind. Warum haben sie das gemacht? Wovor haben sie Angst? Wird uns das zu ihrer Achillesferse führen? Was ist die Achillesferse dieses Regimes? Warum sind sie so furchtsam? Warum machen sie das alles? Sie machen es aus Verwundbarkeit, Furcht und Schwäche. Das ist es, was wir verstehen müssen“.