NZZ – Unmittelbar vor Beginn einer neuen Verhandlungsrunde im Atomstreit mit dem Iran hat US-Außenminister John Kerry die Führung in Teheran vor einer weiter unnachgiebigen Haltung gewarnt.
Iran stehe vor der Wahl das Nötige zu tun, um die internationale Besorgnis zu zerstreuen oder eine historische Chance zu verspielen, ein Ende seiner wirtschaftlichen und politischen Isolation zu erreichen, schrieb Kerry in einem Gastkommentar der “Washington Post” vom Dienstag. Zwischen dem von den Teheraner Unterhändlern zur Schau gestellten Optimismus über einen positiven Ausgang der Verhandlungen und dem tatsächlichen Verhalten Irans hinter verschlossenen Türen klaffe eine erhebliche Lücke, warnte Kerry. Iran habe noch nicht beweisen können, dass es mit seinem Atomprogramm ausschließlich zivile Zwecke verfolge, unterstrich Kerry. Dass die Verhandlungen auch drei Wochen vor der gesetzten Frist am 20. Juli weiter zäh verliefen, liege nicht an übermäßigen Forderungen der fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands, betonte Kerry. Diese hätten größtmögliche Flexibilität gezeigt.
Bis zum 20. Juli soll bei den Gesprächen eine Grundsatzvereinbarung ausgehandelt werden, die den künftigen Umgang Irans mit spaltbarem Material regeln soll. Der Westen fürchtet, dass die islamistische Führung in Teheran nach einer Atombombe strebt oder zumindest jederzeit in der Lage sein will, diese rasch entwickeln zu können und damit ein erhebliches militärisches Drohpotenzial aufzubauen. Am (heutigen) Dienstag beginnt in Wien eine weitere Verhandlungsrunde. (Reuters)
