Sunday, November 27, 2022
StartNachrichtenMenschenrechteAusbruch von Infektionskrankheiten in Camp Liberty

Ausbruch von Infektionskrankheiten in Camp Liberty

NWRI – Am 4. April wurde Camp Liberty für 24 Stunden von einem Staubsturm überzogen. Mit dem Beginn der heißen Saison haben jahreszeitliche Winde, Staub- und Sandstürme die Kontamination mit Schadstoffen in der Luft verstärkt und Krankheiten häufiger und schwerer gemacht.

Bei den zwei Überschwemmungen im Dezember 2012 und im Januar 2013 gab es ebenfalls eine auf das ganze Lager ausgedehnte Kontamination durch das Überfließen des Schmutzwassers aus den zerstörten oder abgenutzten Abwassertanks.

Wegen des unmenschlichen Belagerungszustands wurde dieser Verseuchung nie mit antibakteriellen Stoffen und Reinigungsmitteln entgegengewirkt, Insektizide wurden im Lager nicht zugelassen. Die kontaminierten Bezirke im Lager wurden praktisch zum Herd für alle Arten von ansteckenden Krankheiten. Weil es keine asphaltierten Straßen gibt, haben die verschlammten Wege und der Verkehr der Fahrzeuge auf den verschmutzten Straßen dazu geführt, dass sich schädliche Partikel im ganzen Lager ausgebreitet haben.

Unter diesen Bedingungen ist die Zahl der Bewohner mit Augeninfektion auf mehr als 400 Fälle angestiegen. Die grassierende Krankheit beginnt mit einer Rötung der Augen, Schmerzen an den Augen und Trübung, es folgen ein heftigeres Brennen und eine zeitweise beeinträchtigte Sehfähigkeit.

Außerdem mussten sich bis zum 5. April mehr als 800 Bewohner mit einer mit Fieber verbundenen Virusinfektion ins Bett legen. Die Krankheit ist von großer Müdigkeit begleitet, allgemeine Schmerzen, trockene Kehle, Atemnot, Schüttelfrost und eine Temperatur von bis zu 40° C gehören dazu. Da so viele Personen zusammengedrängt leben müssen, Gesunde von Kranken nicht separiert werden können und nicht genug Platz in den Wohncontainern vorhanden ist, breiten sich diese Krankheiten epidemisch aus und das sehr schnell.

In den ganzen letzten 27 Jahren gab es keine solchen Epidemien. Einzelfälle von Erkrankungen wären schnell unter Kontrolle gebracht und behandelt worden, weil medizinisches Material zugänglich, angemessene Bauten vorhanden waren und nicht so viele Personen auf engem Raum leben mussten.

Die irakische Regierung hat verhindert, dass die Bewohner ihre medizinische Ausrüstung von Ashraf nach Liberty mitnehmen konnten, die irakische Klinik verfügt nicht über die einfachste Ausrüstung und Einrichtungen, um eingelieferte Notfälle zu behandeln, den Bewohnern wird zudem der Zugang zu medizinischer Versorgung im Irak verweigert. Martin Kobler hat mehrmals versucht, die irakische Klinik als gut ausgestattetes medizinisches Zentrum hinzustellen. Es ist falsch, was die UNAMI im letzten Dezember schriftlich mitgeteilt hat: „Es gibt eine medizinische Einrichtung mit einem irakischen Arzt in Camp Liberty. Die Ambulanz ist rund um die Uhr in Bereitschaft.“

Am 15. Februar 2012, d.h. bevor die erste Gruppe der Ashraf Bewohner nach Liberty abfuhr, schrieb Kobler: “Bewohner, die besondere medizinische Hilfe oder einen Krankenhausaufenthalt benötigen, werden von irakischen Ärzten in der medizinischen Klinik von CL entsprechend überwiesen. Die Bewohner werden ihre medizinische Ausrüstung nach CL mitbringen.”

Obwohl die Bewohner sich dafür eingesetzt haben, wurde jedoch bis jetzt nicht erlaubt, die Ausrüstung nach Liberty zu bringen.

Vor vierzehn Monaten sprach Kobler eine große Lüge aus und erhob in seiner öffentlichen Erklärung vom 31. Januar 2012 den Anspruch, die Maßstäbe für den Aufenthalt in Liberty stünden in Einklang mit “Internationalen Maßstäben”, als er ein Angebot zur Täuschung der Bewohner machte in der Absicht, sie in das Liberty Gefängnis umzusiedeln. Dabei hat ein Experte der UNHCR am 19. Januar 2012 offiziell berichtet, Liberty werde humanitären Maßstäben nicht gerecht.

Die Infrastruktur ist so kaputt, dass Aufwendungen von Millionen Dollar, die die Bewohner im vergangenen Jahr hineinsteckten, die Lage nicht verbessert haben.

Der iranische Widerstand unterstreicht, dass außer der Unsicherheit ein kritischer Zustand der Infrastruktur, eine verseuchte Umgebung und der Ausbruch von Infektionskrankheiten für die Gesundheit der Bewohner mehr und mehr gefährlich werden, und appelliert einmal mehr an die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen, sofort Maßnahmen zu ergreifen zur Rückkehr der Bewohner nach Ashraf und weitere humanitäre Tragödien abzuwenden.

Sekretariat des Nationalen Widerstandsrats Iran

7. April 2013