Sunday, November 27, 2022
StartNachrichtenAktuellesAyad Jamal Aldin: Iran: Eine Wahrheit, die Großbritannien nicht eingestehen kann

Ayad Jamal Aldin: Iran: Eine Wahrheit, die Großbritannien nicht eingestehen kann

Ayad Jamal Aldin, a Shia cleric, is the leader of the secular Ahrar party in IraqTHE INDEPENDENT- 03. Januar 2010
Das offizielle Ablehnen der Einflußnahme aus Teheran bei Entführungen sollte die steigende Macht Teherans nicht verschleiern, sagt ein führender irakischer Politiker

Während wir die sichere Rückkehr des britischen Computerexperten Peter Moore der nach 2 ½ Jahren Geiselnahme in Bagdad frei gelassen wurde, feiern, sollten wir uns nicht darüber täuschen lassen, dass die Verhandlungen über seine Freilassung eine neue Entwicklung zum Frieden im Mittleren Osten darstellen.

Trotz der öffentlichen Beteuerungen ist es vielen von Anfang an klar: Herr Moore wurde nicht von irakischen Kriminellen wegen Lösegeldforderungen entführt, die Entführung ist vielmehr von politisch motivierten Kräften mit einem größeren Anspruch ausgeführt worden. Diese Kräfte kommen aus dem Iran: Ihr Ziel ist es, den Irak zu einem Staat im Staat des Iran zu machen.  Wir müssen uns fragen, wer von dieser Lösung profitiert. Während Herr Moore zu seiner Familie zurück kehrte, bereiteten sich diejenigen im Irak, die den Iran und seinen Fundamentalismus unterstützen auf ihr eigenes Wiedersehen vor. Der Preis für die Freilassung von Herr Moore ist die Freilassung von Qais al-Khazali, einem 26 Jahre alten Kleriker, der in der “Rechtschaffenden Liga” bekannt ist, einer militanten Gruppe, die vom Iran unterstützt wird.

Al-Khazali wurde von den USA bewacht. Er wurde an den Irak übergeben und es wird erwartet, dass er bald frei gelassen wird. So wird eine zentrale Figur des iranischen Fundamentalismus bald frei sein und weiter nach Unterstützung auf den Straßen des Iraks suchen. Das ist der unglückliche Teil der Vereinbarung, die getroffen wurde.

Das auswärtige Amt sagt, es gibt „keine Beweise“ eines direkten Einflusses der iranischen Regierung. Ich stimme dem nicht zu und andere tun das auch. Am Freitag sagte David Petraues, der Oberkommandierende des US Kommandos, auf einer Pressekonferenz in Bagdad:“ Ich hatte schon gesagt, dass unserer Geheimdienst es so einschätzt, dass er etliche Zeit, vor allem zuletzt, im Iran verbracht hat.“ Weiterhin sagte ein irakischer Regierungsminister gegenüber Journalisten, dass die Operation zur Entführung von Herr Moore und seiner Bodyguards außerhalb der Möglichkeiten irakischer Milizen liegt. Und es gab ein Interview mit einem früheren Revolutionsgardisten, der sagte, dass die Entführung durch die al-Qods Brigade der Revolutionsgarden ausgeführt wurde.

Es ist keine Überraschung, vom Außenministerium ein Herunterspielen der Angelegenheit zu hören. Die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran sollen weiter bestehen und sie verbessern sich nicht, wenn man den Iran beschuldigt. Doch eine Nation als Komplize an Entführungen zu entschuldigen wird die Sache eskalieren lassen, vor allem wenn sie am Ende der Entführung das bekommen, was sie wollen, bedenkt Alan McMenemy.

Es sollte uns auch nicht verwundern, warum Sami al-Askari – ein irakischer Parlamentarier, der den irakischen Premierminister Nuri al-Maliki berät und der an der Freilassung von Moore beteiligt war – denkt, dass es eine irakische Kidnapper – Gruppe war. Was die irakische Regierung über ihre Beziehungen zu dem Iran sagt und wie Regierungsmitglieder mit dem Iran umgehen sind zwei sehr verschiedene Dinge.

Diejenigen, die im Irak vor einem steigenden Einfluß des Iran auf irakische Politiker warnen werden damit beschuldigt, Unruhe zu stiften. Doch der Ärger wird nicht von uns gemacht: Wir sprechen nur das aus, was wir auf uns zukommen sehen. So wenige Menschen sind in der Position, über die Wahrheit des Iran und seines Einflusses zu sprechen. Diejenigen die es, wie auch ich, können, sollten und müssen dies tun.

Hinter der Rhetorik der irakischen Regierung befindet sich in Wirklichkeit ein steigender iranischer Einfluß. Herr Malikis Dawa Partei wurde im Iran gegründet. Seine hochrangigen Mitglieder vergessen die Loyalität zu denen nicht, die ihnen zu ihrem Rang verschafft haben und die ihnen zu Zeiten Saddam Husseins Zuflucht gewährten. Der Premierminister kann nicht gegen den Iran sein, weil seine Partei aus Teheran finanziert wird. Sie sind außerdem intellektuell, religiös und ideologisch miteinander verwoben.
Das Resultat dieser Verknüpfung ist, dass wir einen Nachbarn haben, der die Milizen,  gewalttätige Fraktionen und Terrorismus mit Waffen und Logistik unterstützt. Und er tut dies mit der taktischen Unterstützung vieler Regierungsmitarbeiter, die Konsequenzen daraus werden jeden Tag offensichtlicher.

Natürlich hat der Iran auch interne Problem. Die Macht der modernen Kommunikation kann nicht Demonstrationen tot schweigen, die gegen die Anführer gehen. Die Ermordung von Seyed Ali Mussawi, dem Neffen von Mir Hossein Mussawi, dem Oppositionsführer, hat Öl ins Feuer gegossen. Ich glaube, dass das iranische Volk das Rennen und eine positive Veränderung im Iran offen gestaltet hat. Vor dreissig Jahren waren sie mit ihrer Revolution gegen ein mächtiges Regime erfolgreich, ohne Waffen und Panzer zu besitzen, nur durch Demonstrationen. Es ist eine großartige Nation, sie haben freie Bürger, Philosophen und revolutionäre Geiste. Sie brauchen keine Hilfe von anderen. Die externe Einflußnahme wird nur durch die iranische Regierung gestärkt.

Auch wenn der Wandel kommen mag, wir müssen im Moment mit dem Iran umgehen, wie er jetzt ist. Die Regierungen der Welt sind – verständlicherweise – mit der iranischen Entwicklung im Atombereich beschäftigt. Aber es gibt eine größere Gefahr. Sie liegt in der iranischen Kontrolle über die irakischen Ölfelder und diese können nicht nur den mittleren Osten, sondern die ganze Welt destabilisieren. Die Mullahs im Iran glauben, sie können ihre Macht auf den Irak ausdehnen. Wenn sie Recht haben, dann werden wir nach dem Abzug des letzten US Soldaten eine iranische Kolonie sein, die von den Revolutionsgarden kontrolliert wird.

Mit den Wahlen in zwei Monaten können wir die Zukunft des Irak bestimmen, wir haben die Wahl für eine Partei, die sich gegen diesen Einfluß zur Wehr setzt und die Souveränität des Irak schützt. Deshalb haben wir die Ahrar Partei gegründet.

Ayad Jamal Aldin, ein shiitischer Kleriker, ist der Anführer der säkularen Ahrar Partei im Irak.
(www.ahrarparty.com)