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Cannes Kartoon über das Leben unter den Ayatollahs bringt den Iran in Rage

Canne, Frankreich, 22. Mai 2007 (Agenturen) – Eine sarkastische Animation über das Leben eines jungen Mädchens unter den iranischen Ayatollahs wurde trotz der Proteste aus Teheran über westliche Befangenheit am Dienstag gezeigt.

"Persepolis", einer von 22 Filmen, der zu den Anwärtern auf einen Festivalpreis gehört, basiert auf einer Comic-Serie gleichen Namens der Iranerin Marjane Satrapi.

Es bietet die Sichtweise eines achtjährigen Kindes auf den Iran, zu einer Zeit da der Shah gerade von dem islamischen Regime gestürzt wird, das heute noch an der Macht ist.

Es ist anzunehmen, dass das Schwarz-Weiß-Feature – eine Koproduktion von Satrapi und Vincent Paronnaud – eine gute Ausgangsposition hat, um am Sonntag die begehrte Goldpalme verliehen zu bekommen.

Der Iran hat den Film als "ein unrealistisches Bild der Errungenschaften der Islamischen Revolution" bezeichnet und protestierte bei Frankreich gegen die Entscheidung des Festivals, den Film auszuwählen, weil er "die verwerfliche Politik von dominierenden Mächten" unter die Lupe nimmt.

Satrapi selbst sagte, dass der ironische autobiografische Comic-Streifen "kein politisch orientierter Film mit einer Message sei, die verkauft werden soll".

"Es ist an allererster Stelle ein Film über meine Liebe zu meiner Familie", sagte sie in den Produktionsnotizen. "Wenn der westliche Zuschauerkreis die Iraner endlich als menschliche Wesen betrachtet und nicht in abstrakten Begriffen wie "islamische Fundamentalisten", "Terroristen" oder die "Achse des Bösen", dann glaube ich, dass ich etwas getan habe."

Als einziges Kind eines politisch aktiven Paares erzählt Satrapi ihr Leben in Teheran von 1978, als sie acht Jahre war, bis zu ihrem 14. Lebensjahr, als sie von ihren Eltern nach Wien mitgenommen wurde, um einer Verhaftung oder schlimmeren zu entgehen.

Später kehrte sie zum Kunstunterricht nach Teheran zurück (wo die "nackten" Models Chadors tragen mussten) und begab sich vor ihrer Emigration nach Frankreich in eine unglückliche Ehe.

Ihr Werk zeigt ihre Zerrissenheit zwischen der Tradition und der Moderne und Details eines Lebens, in dem sie zunächst Jeans trug und Rockmusik anhörte, dann aber in einen Chador gezwungen wurde.

Im Kreis einer links orientierten Familie der Mittelschicht erzählen ihre Verwandte und Nachbarn grauenhafte Geschichten von Folter und Prügelstrafen.

Sehr früh wird Marji – die Abkürzung von Marjane – Zeuge der sozialen Gerissenheit von Lehrern und den Nachbarn, die die Seiten wechseln.

"Wie kannst Du behaupten, dass es dort keine politischen Gefangenen gibt, wenn es im Vergleich mit 3.000 Gefangenen unter dem Schah 300.000 unter Eurem Regime gibt?", fragte sie einen Lehrer für religiöse Studien Mitte der 80er Jahre. "Wie kannst Du so lügen?"

Und als sie von der islamistischen Polizei auf der Straße angehalten wird, weil sie zu sexy aussehe und so nicht auf der Straße herumlaufen könne, witzelte sie: "Dann schaut eben nicht auf meinen Arsch!"

Mit den Auswirkungen des Golfkrieges auf Beziehungen zu Freundschaften mit Männern und das Leben im Exil, zeigt Satrapi mit Witz und Sensitivität ihre Ansicht über einen sich ändernden Iran und seine Mullahs und Rebellen.

Satrapi lebt noch immer in Frankreich und war gerade 30 Jahre alt, als die erste Ausgabe ihres autobiografischen Comics "Persepolis" im Jahre 2000 in Frankreich herausgegeben wurde. Bisher wurde es bereits in mehrere Sprachen übersetzt, ist allerdings im Iran nicht erhältlich.

"Warum haben die beiden Direktoren Schwarz und Weiß für den Film gewählt?" Ich denke, das hilft jedem sich damit zu identifizieren, sei es in China, in Israel, in Chile oder Korea. Es ist eine allgemeingültige Geschichte", sagte Satrapi.

"Ich hasse mein Land nicht", erklärte sie, "Ich kritisiere es, weil ich es liebe."