Saturday, December 10, 2022
StartNachrichtenAktuellesDemonstranten wollen libanesische Regierung stürzen

Demonstranten wollen libanesische Regierung stürzen

BEIRUT (Agenturen) – Libanesische Soldaten feuern mit Gewehren und Tränengas, um Hunderte Demonstranten zurück zu schlagen, die eine Polizeikette durchbrechen und das Regierungsgebäude in Beirut stürmen wollen. Die wütende Menge kam von einer Beerdigung eines hochrangigen Geheimdienstoffiziers, der bei einer heftigen Autobombenexplosion getötet wurde.

Die Demonstranten beschuldigen Syrien für den Anschlag vom Freitag – und sie halten die Regierung von Beirut für mitverantwortlich, weil sie zu enge Beziehungen zu dem dortigen Regime hat. Der Libanon lebte in den vergangenen 30 Jahren unter militärischer und politischer Beeinflussung aus Syrien.

Der frühere libanesische Staatschef Fuad Saniora rief zur Ruhe auf. „Der Einsatz von Gewalt ist inakzeptabel und gibt nicht das Bild wieder, was wir möchten“, sagte Saniora in einem TV Interview „Wir würdigen dennoch die Gefühle der Menschen.“

Mehrere Hundert Demonstranten gingen bis zu 50 Meter vor den Eingang des Regierungspalastes, Tausende waren hinter ihnen. Die Warnschüsse trieben die Menge auseinander.

Danach marschierten Armeekommandos, mit Schlagstöcken bewaffnet, auf.

Die Menge lief vom Platz der Märtyrer los, wo Tausende Menschen an Brigadegeneral Wissam al-Hassan’s Beerdigung teilnahmen. Al-Hassan (47) war ein mächtiger Gegner von Syriens Einfluß im Libanon. Er leitete im Sommer eine Untersuchung, die zur Verhaftung des früheren Informationsministern Michel Samaha führte, einem Politiker, der einer der loyalsten Libanesen war, der zu Syrien hielt. Al-Hassan war eines der acht Opfer, die am Freitag ermordet wurden.

„Er wurde ermordet, weil er sein Land verteidigte“, sagte Samer al-Hirri, der aus dem Norlibanon anreiste, um an der Beerdigung teil zu nehmen.

Schon vor dem Freitag schwappte der Bürgerkrieg in Syrien in den Libanon über und verstärkte die Spannungen zwischen den Unterstützern und Gegnern von Bashar al-Assad. Der Angriff nährte nun die Befürchtungen, dass der Libanon wieder mit in den Kreis der Gewalt gezogen werden kann, der das Land schon seit Jahrzehnten verfolgt.

Der französische Außenminister sagte, dass die Regierung von Assad die Hände bei dem Anschlag mit im Spiel gehabt haben könnte. Laurent Fabius sagte jedoch auch gegenüber dem Europa –1 Radio, dass es nicht komplett eindeutig sei, wer hinter dem Anschlag steht und dass nur „möglicherweise“ Syrien daran beteiligt sein könnte. „Jeder glaubt jedoch, dass es zu einer Ausweitung der syrischen Tragödie kommen wird“, sagte er.