Saturday, January 28, 2023
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Der ehem. Rektor der Teheraner Universität drängt auf Beistand für einen politischen Gefangenen

NWRI – Der iranische Physiker und politische Gefangene Omid Kokabee, dem in der vorigen Woche die rechte, von Krebs befallene Niere operativ entfernt worden war, hat von dem früheren Kanzler der Universität Teherans moralischen Beistand erhalten.

Herr Kokabee, 34 Jahre alt, und seine Verwandten hatten wiederholt auf seine in verschiedener Hinsicht gefährdete Gesundheit hingewiesen, aber das Mullah-Regime hat in den fünf Jahren, seitdem er sich in Haft befindet, ihre Warnungen systematisch ignoriert.

Menschenrechtsgruppen erklären, Herr Kokabee sei ein Häftling aus Gewissensgründen; er wird in Haft gehalten, weil er sich weigerte, an militärischen Projekten im Iran mitzuarbeiten. Hinzu kamen trügerische Vorwürfe, die sich auf seine wissenschaftlichen Kontakte zu akademischen Institutionen außerhalb des Iran bezogen.

Nach der am vorigen Mittwoch an Herrn Kokabee vorgenommenen Operation verurteilte Dr. Mohammad Maleki, der erste Kanzler der Teheraner Universität nach der Revolution, in einer Video-Botschaft seine ‚unmenschliche’ Haft – als Verstoß gegen die ‚Menschenrechte’.

Dr. Maleki forderte die iranische Jugend auf, „sich zum Protest zu erheben“ – Protest gegen die Verhaftung iranischer Akademiker und Universitätsstudenten durch das Mullahregime.

Herr Kokabee hielt sich zu einem Aufbaustudium in den Vereinigten Staaten auf. Er wurde verhaftet, als er im Januar 2011 zu einem Besuch seiner Familie in den Iran reiste. Er wurde 15 Monate lang in Einzelhaft gehalten und ausgedehnten Verhören unterworfen, bei denen man ihn zu ‚Geständnissen’ drängte.

Im Mai 2012 wurde er – so berichtet Amnesty International – nach einem unfairen Verfahren vor dem sog. Revolutionsgericht, das ihm, wie sich versteht, keinerlei Beweismaterial vorgelegt hatte, wegen ‚Beziehungen zu einer feindlichen Regierung’ zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Im August 2012 wurde das Urteil nach Berufung bestätigt.

Menschenrechtsgruppen zufolge haben die iranischen Behörden in der Vergangenheit den Zugang Herrn Kokabees zu medizinischer Behandlung ungebührlich verzögert. Im Jahre 2012 entdeckte eine erste Untersuchung bei ihm einen Tumor, doch wurde ihm erst nach langer Verzögerung die Erlaubnis erteilt, von der Gefängnisklinik zu entscheidender Untersuchung in ein anderes Krankenhaus verlegt zu werden.

Im April 2013 schrieb Herr Kokabee im Gefängnis einen offenen Brief, in dem es heißt: „Während der in Einzelhaft vorgenommenen Verhöre war ich von jeglicher Kommunikation mit meiner Familie und mit der Außenwelt abgeschnitten. Ich wurde beständig unter Druck gesetzt und mit furchtbaren Nachrichten über den schlimmen physischen und psychischen Zustand meiner Familie terrorisiert. Immer wieder forderte man mich auf, meine Geschichte seit 2005 in verschiedenen Versionen aufzuschreiben.“

Omid Kokabee hat auch erklärt, er sei nach dem Universitätsexamen im Jahre 2005 „mehrere Male eingeladen worden, als Wissenschaftler und technischer Leiter für militärische und Geheimdienst-Projekte zu arbeiten“. Man bot ihm z. B. die Zulassung zu einem Doktorandenstudium mit voller Finanzierung durch die Atomenergiebehörde des Iran an. Er lehnte alle diese Einladungen ab.

Herrn Kokabee wurde im Jahre 2013 von der „American Physical Society“ (der ‚Amerikanischen Gesellschaft für Physik’) der Andrej-Sacharow-Preis verliehen – wegen „des Mutes, den er bewies, als er es trotz äußersten körperlichen und seelischen Drucks ablehnte, seine physikalischen Kenntnisse zur Mitarbeit an Projekten, die er als für die Menschheit schädlich erachtete, mißbrauchen zu lassen“.