Sunday, January 29, 2023
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Die Amputation als Strafmaß im Iran

Barbarische Verstümmelungen zerstören das Leben von Menschen aus sozial schwachen Schichten

 

Huffington Post Deutschlanand – Beim Thema „Iran“ und „Mullah-Regime“ denken wir zunächst an das Atomprogramm, an internationalen Terrorismus und an die erschreckende Anzahl von 700 Hinrichtungen seit dem Amtsantritt von Hassan Rohani. Doch das iranische Rechtssystem enthält weitere Grausamkeiten: Bei Diebstahl und ähnlichen Kleindelikten sind drakonische Strafen vorgesehen. Dazu gehört auch die Amputation von Gliedmaßen. Hierbei wird nicht berücksichtigt, dass die Täter oft nur aus bitterer Armut stahlen. Was bleibt, ist eine lebenslängliche Verunstaltung und damit naturgemäß auch eine lebenslange Bestrafung! 

Ein dramatischer Fall dieser mittelalterlichen Art der Bestrafung von Kleinkriminellen ist nun öffentlich geworden. Der iranische Gefangene Reza Safari macht anhand seines Aufrufes deutlich, mit welcher Brutalität das iranische Regime das Leben von Menschen für immer zur Qual werden lässt. Der 42 Jahre alte Iraner hat bereits 17 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht. Im Jahr 1995 wurde er für einen Diebstahl „außerhalb des notwendigen Maßes“ verurteilt. In der Zeit von 1991 bis 1995 hatte er Diebstähle begangen, da er wegen seiner Arbeitslosigkeit und der extremen Armut seiner Familie keinen anderen Weg mehr sah, um die Seinen mit dem Notwendigsten zu versorgen. Nach seiner Verhaftung im Jahr 1995 kam er in das Gefängnis von Arak. 

Dort wurde er zur Amputation aller Finger seiner rechten Hand verurteilt! Die Amputation von Händen und Fingern für „Diebe“ ist in der iranischen Justiz nicht Besonderes. „Ich dachte bei der Urteilsverkündung, dass der Richter mir nur einen Schrecken einjagen will“, schrieb Safari in seinem Brief. Doch am 21. August 1997 wurde zu seinem Entsetzen das Urteil ohne jegliche Betäubung vollstreckt. „Meine Finger wurden mit einer elektrischen Schere abgetrennt, an der noch das Blut von früheren Amputationen klebte“, so Safari weiter. Zu dieser Zeit war Safari erst 26 Jahre alt. 

Nach fünf Jahren Haft wurde Safari aus dem Gefängnis entlassen. Doch damit begann sein Martyrium erst recht. Durch die Amputation war er nicht mehr in der Lage, seinen Vater und seine Schwestern zu versorgen. Aber das Schlimmste war die offensichtliche Brandmarkung durch seine Verstümmelung. „Egal, wo ich hinging, alle starrten mich an oder wechselten die Straßenseite, wenn sie mich sahen. Jeder wusste sofort, warum meine Finger amputiert waren. Ich habe keine Arbeit mehr gefunden. Überall galt ich als Dieb“, schreibt Safari. 

Ein Jahr später wurde er erneut verhaftet. Dieses Mal lautete das Urteil: Amputation aller Zehen des linken Fußes. Acht Jahre später wurde das Urteil vollstreckt. „Es war dieselbe Maschine, wie die, die mir bereits die Finger abgetrennt hatte“, so Safari. Danach war Safari nicht mehr in der Lage, seine täglichen Aufgaben zu erledigen. Schon bei den einfachsten Dingen brauchte er Hilfe. Bereits zwei Jahre vor der Vollstreckung des Urteils war er in das Gefängnis von Karaj in der Provinz Alborz in ein sogenanntes Haftexil verlegt worden. Dort hatte er Gelegenheit, die durch seine Diebstähle entstandenen monetären Verluste zu tilgen, was ihm aufgrund seiner Behinderung jedoch große Schwierigkeiten bereitet. Dadurch verzögerte sich seine Freilassung entsprechend. 

„Ich hatte nun keinen Kontakt mehr zu Demjenigen, der mich angezeigt hatte und konnte seine Gnade nicht mehr erwirken (im Iran kann der Geschädigte ein Gnadengesuch für den Täter einreichen und damit die Strafe beenden). Viel schlimmer war aber, dass ich nun auch keinen Kontakt mehr zu meiner Familie hatte. Drei Jahre konnte meine Familie mich nicht besuchen, was meine Qual weiter vergrößerte“, schreibt Safari. 

Jetzt hat Safari seinen Leidensweg in einem Brief niedergeschrieben. Die Bittschrift erschien in Persisch auf mehreren Webseiten und informiert Welt über das, was das iranische Regime und das iranische Rechtssystem mit Leuten tut, die gestrauchelt sind, und welches Leid und welche Pein diese Menschen ein Leben lang zu ertragen haben. „Ich bitte alle Anwälte, Menschenrechtsaktivisten, zuständigen Organisationen und Institutionen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit ich nach dieser unmenschlichen Bestrafung wenigstens mein künftiges Leben in Recht und Ordnung verbringen darf“, wünscht sich Safari. 

Der Abschaffung von unmenschlichen Strafen steht ganz oben auf der Agenda der iranischen Opposition, die einen politischen Wechsel im Iran anstrebt. Die Oppositionsführerin Maryam Rajavi lehnt die Scharia der Mullahs vollkommen ab und erklärt auf ihrer Internet-Plattform: „Wir setzen uns für die Abschaffung der Todesstrafe ein. Wir wollen ein modernes Justizwesen auf der Grundlage der Unschuldsvermutung, des Rechts auf Verteidigung und des Rechts auf ein öffentliches Verfahren aufbauen. Wir streben die vollständige Unabhängigkeit der Richter an. Für die Scharia der Mullahs wird im zukünftigen Iran kein Platz sein.”