Sunday, December 4, 2022
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Die explosiven Bedingungen in der iranischen Gesellschaft und ihre fehlende Zufriedenheit

Laut einer Statistik über die Zufriedenheit in der Welt, die von entsprechenden internationalen Organisationen erstellt wird, gilt der Iran als eines der unzufriedensten Länder Welt. Er befand sich in dem Ranking von 2018 auf Platz 108 von insgesamt 155 untersuchten Nationen. Die höchste Zufriedenheit herrscht in Finnland und es verdrängt damit Norwegen vom ersten Platz.

Die sich verstärkende wirtschaftliche Ungleichheit ist einer der Gründe für psychische Krankheiten im Iran.

Rund 40% der Dorfbewohner und 30% der Einwohner von Städten im Iran befinden sich unterhalb der Armutsgrenze. Zudem herrscht in dem Land eine der stärksten Formen der Ungleichheit und es gibt zahlreiche belegte wirtschaftliche und soziale Probleme.

Mosafa Moeen, ein Professor an der Teheraner Universität für medizinische Wissenschaften, sagte am 9. Mai 2018:“ Die Statistiken zeigen, dass die Ungleichheit und Ungerechtigkeit in diesem Land so stark und ernst sind, dass unsere Menschen mit mehreren Problemen zu kämpfen haben.

Er ergänzte:“ Laut dem staatlichen Index für Instabilität von 2014 ist der Iran eines der instabilsten Länder. Mit anderen Worten: Es ist eines der instabilsten Länder in wirtschaftlicher, politischer und sozialer Hinsicht und die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist sehr hoch und damit sehr gefährlich.“

Das Maß an „Zufriedenheit“ hängt in der Regel von dem Maß an Befriedigung und Vertrauen des Volkes ab. Sie zeigt deutlich den Wohlstand und die Entwicklung des entsprechenden Landes und in Hinsicht des Iran sind diese Werte alle sehr niedrig.

Die persönliche und soziale Einstellung vieler Iraner sinkt immer mehr in Richtung „Traurigkeit“.

Gharaei Moghaddam, der ein Soziologe und Professor an der Teheran Universität ist, erläutert die fehlende Zufriedenheit im Iran:“ Wenn man aufrichtig ist, dann muss man gestehen, dass das iranische Volk nicht sehr glücklich ist. Wir müssen verstehen lernen, wie wichtig die Zufriedenheit für das tägliche Leben ist. Selbst in Indien, wo viele Menschen arm sind, sind diese immer noch glücklicher, als die Menschen im Iran.“

Er sprach auch über den Faktor Arbeit im Rahmen der „sozialen Zufriedenheit“. Er sagte:“ Rund 3,5 Millionen junge Iraner sind arbeitslos. Und sie sind daher nicht in der Lage, glücklich zu sein. Das Vertrauen in die Zukunft ist ein weiterer wichtiger Faktor. Wir haben rund 9 Millionen junge Iraner, die heiraten möchten, doch sie haben kein klares Bild darüber, wie ihre Zukunft aussieht……wie sollen sie dann glücklich sein?“

Er führte fort:“ Die Behörden gaben bekannt, dass sich die Scheidungsraten im letzten Jahr noch einmal erhöht haben. Je höher diese Rate ist, desto weniger glücklich wird unser Land sein.“

Er bezog sich auch auf westliche Literatur und sagte:“ Die westlichen Soziologen glauben, dass man bei der Ausgabe eines Dollars für „soziale Zufriedenheit“ am Ende 1000 Dollar zurück bekommt.“

Laut einer Untersuchung der Universität von Washington D.C. ist auch die Rate der Krankheiten umso stärker sinkend, je glücklicher die Menschen sind.

Moghaddam spricht auch über die schlechten Arbeitsbedingungen im Iran sowie über die immer größer werdenden Scharen von unbezahlten Arbeitern, die teils monatelang auf ihre Bezahlung waren. Auch dies hat Auswirkungen auf die Zufriedenheit:“ Wie kann jemand glücklich sein, wenn er arbeitet und dennoch nicht seine Kinder und Frauen versorgen kann?“

Unter solchen Umständen gepaart mit einer hohen Inflation werden natürlich mehr Menschen weinen, statt glücklich zu sein.

Die explosiven sozialen Konsequenzen dieser Bedingungen im Iran zeigen sich dann in den aktuellen Protesten und Streiks, die im ganzen Land zu beobachten sind und sie sind die Vorboten für einen massiven Wandel.