Sunday, November 27, 2022
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Iran: Niemand kümmert sich um die Probleme der Arbeiter

„Wie bringe ich Millionen Toman für meine medizinische Behandlung auf, wenn ich nicht einmal Nahrungsmittel bezahlen kann?“

Wie viel Rente braucht jemand, um 400 000 bis 500 000 Toman (95 $ bis 120 $) für eine medizinische Behandlung aufbringen zu können, damit er „auf eigenen Füßen“ stehen kann und eine Lähmung vermeidet.

Das sind die Sorgen eines Rentners, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, wenn er nicht rechtzeitig bestimmte Injektionen bekommt.

Laut einem Artikel, der am 23. April 2018 von der iranischen Nachrichtenagentur für Arbeit (ILNA) gebracht wurde, äußerte ein Rentner mit dem Namen Morteza Asadi: „Sehr geehrter Gesundheitsminister, wie können Sie behaupten, dass die Preise für Medikamente die gleichen bleiben, wenn das eindeutig nicht der Fall ist? Sie müssen sich für Ihre falschen Behauptungen verantworten. Warum lügen Sie dauernd? Warum möchten Sie die Leute weiter so lange täuschen? …”

Und weiter: „Wie soll ich bitte meine teure medizinische Behandlung bezahlen? Wie denken Sie, dass ein Rentner wie ich mit gerade 400 000 bis 500 000 Toman im Monat auf eigenen Füßen stehen kann?“

Wegen einer „sehr schweren“ Krankheit, die unter der Bezeichnung ‚AS‘ [wahrscheinlich ‚Spondylitis ankylosans‘] bekannt ist und sich nur ein bisschen weniger einschneidend auswirkt als ‚MS‘, musste Asadi schon vor seinem 40. Lebensjahr in Rente gehen. Seither bekommt er eine Pension. Er ist nicht gerade glücklich darüber, dass der Gesundheitsminister seine Versprechung, die Preiserhöhungen bei Medikamenten nicht zuzulassen, nicht gehalten hat, was nicht nur für ihn ein Problem ist, sondern auch für viele andere.

Laut ILNA bekommen Patienten, wenn die Umtauschsätze oder die Dollarpreise in die Höhe schießen und damit Medikamente Mangelware oder im Glücksfall teurer werden, Probleme, wenn sie an „besonderen“ oder „unheilbaren“ Krankheiten [deren Verlauf gemildert werden kann] leiden und ihr Leben davon abhängt, dass sie wichtige Arzneimittel  erhalten.

Asadis Leben ist eins der vielen, die die schädlichen Folgen eine geringen Einkommens illustrieren, besonders wenn es um importierte Waren wie Arzneimittel geht.

Asadi stellt fest: „Ohne meine Medizin kann ich nicht mehr gehen und muss zuhause bleiben. Das Fortschreiten meiner Krankheit, eine Art von schwerem Rheuma, wurde so einschneidend, dass ich schon mit 39 Jahren in Rente gehen musste“.

Der Kommentar dieses Rentners zu der Nicht-Einhaltung der Versprechen der Regierung (in Bezug auf die Preise von Pharmazeutika) lautet: „Wir haben so viele leere Versprechungen gehört und immer, wenn wir versuchen, die Politiker daran zu erinnern, erzählt man uns, ‚wir sollten uns keine Sorgen machen‘. Was anscheinend das Gegenteil bedeutet, weil wir uns dann wirklich Sorgen machen müssen“.

Asadi sagt, dass er jetzt alle zwei Monate 900 000 für drei Injektionen bezahlen muss, wo es in der Vergangenheit 250 000 Toman (59 $) waren. Er wiederholt, dass seine Rente seine einzige Einkommensquelle sei und erläutert: „Meine Kinder gehen in die Schule; die Injektionen allein kosten mich 900 000 Toman (215 $); ich muss außerdem mindestens 100 000 Toman (42 $) im Monat für Sprechstunden beim Arzt und tägliche Behandlungen und so weiter bezahlen“.

Der Exekutivsekretär des Arbeitsamtes in der Stadt Kazvin Eid Ali Karimi, der die Anstrengungen von Asadi direkt miterlebt hat, erklärt: „Die derzeitige Situation von Asadi ist extrem schwierig; im Laufe der letzten Monate sind die Preise für Medikamente stark gestiegen und gleichzeitig sind die Versicherungsleistungen die gleichen geblieben; das hat für unsere Arbeiter und Rentner mit niedrigen Einkünften viele Probleme verursacht“.

Karimi kritisiert seinerseits den Gesundheitsminister: „Was ist mit den Versprechungen, die der Gesundheitsminister gemacht hat? Den Menschen wird empfohlen, ‚sich keine Sorgen zu machen‘ über die Dinge und man sagt ihnen zu, dass die Preise nicht steigen würden … aber was passiert in Wirklichkeit?“

Und weiter: „Was erwartet das Gesundheitsministerium von unseren Arbeitern? Auf der einen Seite erhöht dieses Ministerium die Preise von Pharmazeutika und auf der anderen schwächt es die Versicherungsunternehmen, indem es auf deren Rücklagen für die Behandlung zugreift… Was passiert da in Wirklichkeit? Die offiziellen Stellen schieben sich die Sachen gegenseitig zu, aber niemand kümmert sich um die Probleme der Arbeiter … niemand …”