Tuesday, January 31, 2023
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Die Herren der iranischen Atombombe

 Teheran hat das engste Team der Atomwaffenentwickler bestehen lassen. 

The Wall Street Journal – In der vergangenen Woche gaben die Internationale Atomenergiebehörde  und der Iran eine gemeinsame Erklärung ab, in der der Iran sich verpflichtete,

die Behörde „von der Erzeugung hochexplosiver Stoffe und ebenso von breit angelegten Experimenten mit hochexplosiven Stoffen, die im Iran durchgeführt werden, in Kenntnis zu setzen“. Mit einem Wort: Waffenherstellung, die geheimste Dimension des iranischen Nuklearprogramms. Die Bereitschaft Teherans, auf dieses Thema einzugehen, wird von Unterstützern der laufenden Gespräche als Zeichen des Erfolgs gefeiert werden. 

Andererseits hat der Iran Anzeichen seiner Atomwaffenentwicklung, die die IAEA zusammengestellt hatte, als „Fälschungen“ zurückgewiesen. Wir werden ehrliche Enthüllungen über bisherige Arbeiten an Waffenentwicklung anerkennen, wenn wir sie sehen. Genauer gesagt, haben wir von den Mujahedin-e Khalq, einer iranischen Widerstandsgruppe, einen glaubwürdigen neuen Bericht erhalten, wonach Teheran sein engstes Team von Atomwaffenforschern intakt und in Tätigkeit erhalten hat. 

Die Versuche der Islamischen Republik, eine Atombombe zu entwickeln, reichen bis zu den späten achtziger Jahren zurück. Damals errichtete das Regime nach Berichten westlicher Geheimdienste in Teheran ein dem Verteidigungsministerium angeschlossenes physikalisches Forschungszentrum. Im darauf folgenden Jahrzehnt verstärkte laut IAEA das Regime das Waffenforschungsteam in einer Initiative namens „AMAD-Plan“, die von Mohsen Fakhrizadeh geleitet wurde, einem Atomphsiker im Doktorenrang und hochrangigen Mitglied des Korps der Islamischen Revolutionären Garden. 

Der AMAD-Plan hatte – wiederum nach Angaben westlicher Geheimdienste – folgende Aufgaben: er sollte Techniken für beiderlei Nutzung der Kernenergie liefern, nukleare Sprengkörper entwickeln und und Experimente mit hochexplosiven Körpern durchführen, bei denen Spaltmaterial komprimiert wurde. Nach IAEA wurde 2002-2003 am aktivsten am AMAD-Plan gearbeitet, als der jetzige Präsident Rohani Vorsitzender des Obersten Nationalen Sicherheitsrates war, bis er erster Verhandlungsführer bei den Atomgesprächen wurde. 

2002 entdeckten die MEK zwei Nuklearanlagen und 2003 marschierten die USA in den Irak ein. Von diesen Ereignissen gewarnt, brachen die Mullahs Ende 2003 allem Anschein nach die Arbeiten im Rahmen des AMAD-Plans ab. Aber Herr Fakhrizadeh und seine Forscher beendeten ihre Arbeit an der Waffenentwicklung nicht. Der frühere Rüstungsexperte der Vereinten Nationen sagte uns: „Fakhrizadeh leitete weiterhin das Programm in der militärischen Industrie, die zur Entwicklung von Atomwaffen diente.“ Ein großer Teil der Arbeit, darunter die theoretische Konzipierung von Explosivkörpern, wurde in Universitäten, die mit dem Verteidigungsministerium verbunden waren, verlegt; zu ihnen gehört auch die Technische Universität Malek Ashtar in Teheran. 

Herr Fakhrizadeh hat diese verschiedenartigen und in hohem Grade arbeitsteiligen Tätigkeiten weiterhin geleitet. Jetzt unterstanden sie der neuen iranischen Organisation für militärische Innovationen und Forschung, in der persischen Abkürzung SPND bekannt. Die MEK stellten die Existenz der SPND erstmals 2011 fest. Inzwischen ist die Widerstandsgruppe, wie sie sagt, in den Besitz wichtiger biographischer Details und einer ersten Fotografie des 56-jährigen Herrn Fakhrizadeh gelangt. Die IAEA hatte sich lange bemüht, mit Fakhrizadeh ein Interview zu führen; dies wurde aber vom Iran stets verweigert. 

Die MEK haben des Weiteren nach eigenen Angaben eine Liste von Forschern der SPND zusammengestellt. Weit entfernt, die SPND aufzulösen, sagen die MEK, hat das Teheraner Regime das engere Team der Forscher bestehen lassen. Möglicherweise um die Entdeckung durch die IAEA zu vermeiden – das vermuten die MEK –, verlegte das Regime das Hauptquartier der SPND kürzlich von der Teheraner Mojdeh-Straße in die Pasdaran-Straße. „Der neue Sitz der Organisation“, fügen die MEK hinzu, „befindet sich zwischen mehreren Zentren und Büros, die dem Verteidigungsministerium angeschlossen sind …, der Vereinigung des Korps der Revolutionären Garden, der Sportorganisation des Verteidigungsministeriums und dem Chamram-Krankenhaus.“ 

Die Tatsache, dass die IAEA und die Westmächte sich der Frage der Atomwaffenentwicklung [im Iran] zuwenden, deutet darauf hin, wie weit das Atomwaffenprogramm des Iran fortgeschritten ist. So sagte uns Henry Sokolski vom Zentrum für Nichtverbreitungserziehung, früher Nichtverbreitungsdirektor im Pentagon: „Eine Sorge über Atomwaffenentwicklung, der Test und Anwendung folgen, ist das Risiko, wenn man auf die Produktion spaltbaren Materials nicht achtet.“ 

In anderen Worten: da der Westen der Islamischen Republik das Recht auf Anreicherung nicht genommen und ihr erlaubt hat, eine hohe Anreicherungskapazität zu entwickeln, muss er jetzt die wirkliche Herstellung von Atomwaffen verhindern: das ist die letzte Barriere, die den Iran auf dem Weg zu Atomwaffen aufhalten kann. Die Diplomatie Herrn Rohanis und seines Außenministers Javad Zarif soll den nervösen Westen über die Atomwaffenentwicklung [des Iran] beruhigen. 

Der Beruhigungseffekt wird vom letzten Vierteljahresbericht der IAEA, der gleichfalls in der letzten Woche erschien, noch verstärkt werden. Darin berichtet die Behörde, der Iran habe seinen Bestand an auf 20 % angereichertem Uran drastisch verringert und Uran nicht über 5 % hinaus angereichert, seit das Interimsabkommen vom November in Kraft trat. Der Bericht unterstreicht auch die neue Bereitschaft der Islamischen Republik, über die „möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Nuklearprogramms“ auf technischer Ebene mit sich reden zu lassen. Dazu gehören auch die von Teheran betriebene Entwicklung von Brückenzündern und seine Tests mit hochexplosiven Sprengkörpern. 

Aber wenn die Vergangenheit beispielhaft ist und die neuen Enthüllungen der MEK glaubwürdig sind, wird Her Fakhrizadeh seine Arbeit tun, wie er sie bisher getan hat. Die Schlange wechselt die Haut, aber nicht das Temperament, sagt ein altes persisches Sprichwort.