Sunday, January 29, 2023
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Die Scheinwahl im Iran: Warum Live-Debatten im Fernsehen gestrichen wurden

NWRI – Die Mitteilung, dass Debatten um die Präsidentenwahl vom Fernsehen nicht live übertragen werden sollen, entpuppt sich für das iranische Regime zu einer bedeutenden Beunruhigung.

Die Fraktion, die sich zu dem Höchsten Führer Ali Khamenei hält, fragt im Protest, warum die Debatten nicht live übertragen würden; damit versucht sie, die Fraktion von Präsident Hassan Rouhani in Misskredit zu bringen.

Rouhanis Berater antwortete: „Präsidentschaftswahlen werden in verschiedenen Ländern verschieden durchgeführt und in den Medien verschieden dargestellt. In der Islamischen Republik des Iran wurden darauf bezogene Debatten seit 1997 vom Fernsehen ausgestrahlt. Im Jahre 2005 debattierten die Fachleute der verschiedenen Kandidaten im Fernsehen; auch im Jahre 2009 sah man diese Debatten dort nacheinander. Im Jahre 2013 wurde die Diskussion einer Gruppe vom Fernsehen live übertragen. Und nun gibt es Leute, die meinen, es sei mehr Aufsicht notwendig; daher wurde entschieden, dass man über diese Debatten nachträglich berichtet.“

Sadegh Larijani, der Leiter der iranischen Justiz, der Khamenei nahe steht, warnte vor einem „neuen Aufstand“.

„Der Feind könnte darnach trachten, dem Establishment einen weiteren Schlag zuzufügen. Wir müssen auf alles vorbereitet sein. Wir sollten solche Maßnahmen nicht gestatten“, sagte er.

Es liegt auf der Hand: Das Hauptproblem besteht darauf, dass unter den oberen Rängen des Regimes die Entzweiung zunimmt und die gesamte Scheinwahl für das Regime zu einem Desaster werden könnte. Es ist nicht zu übersehen, dass die Live-Debatte von ranghohen Funktionären des iranischen Regimes gestrichen wurde – in Kenntnis der allzu hohen damit verbundenen Risiken. Angesichts berüchtigter Kandidaten wie Ebrahim Raisi, dem Mörder an mehr als 30 000 politischen Gefangenen während des Massakers des Jahres 1988 in den Gefängnissen des Iran, könnten solche Debatten rasch zu dieser Angelegenheit geführt werden und damit gewaltige Aufmerksamkeit erzeugen.

Auf diese Weise könnte sogar die Fatwa herausgefordert werden, mit der Ruhollah Khomeini, der Gründer des iranischen Regimes, das Massaker angeordnet hat. Wenn diese Debatten darauf zu sprechen kommen, darf man sicher sein, dass auch die iranische Opposition: die „Organisation der Volksmojahedin des Iran (PMOI/MEK)“ erwähnt und mithin eine vom iranischen Regime gezogene rote Linie überschritten wird.

„Wenn jemand die Vorgänge des Jahres 1988 ins Licht rücken will, würde das ganz gewiss zu seiner Disqualifizierung führen. Sie bedeuten für das Regime eine rote Linie. Wenn es jemand wagt, über diese Dinge zu sprechen oder gar dagegen zu protestieren, dann wird sein Dossier enthüllt werden, und er wird nicht mehr in diesem Lande leben können; daher sollten diese Dinge nicht besprochen werden“, schrieb die staatliche Website ‚Home News’.