Thursday, December 8, 2022
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Die staatlichen Medien des Iran äußern Angst vor Protesten inmitten internationaler und nationaler Krisen

Ein Blick in die Berichte der staatlichen Medien am Dienstag und Mittwoch bestätigt, wie sehr die Mullahs mit der Angst vor einem weiteren Aufstand zu kämpfen haben mitten in ihrer internationalen Isolation und in den sozialen Krisen.

Diese Medienveröffentlichungen haben gemeinsame Themen wie die Sorge in Bezug auf die Aussichten der regionalen Entwicklungen gegen das Regime, des raschen Anstiegs der Preise und der Entwertung der nationalen Währung und außerdem der Streitereien um den Machtanteil, besonders im Licht der Scheinwahlen der Mullahs für das Parlament.

Die staatliche Tageszeitung Etemad bestätigte die Rolle des Regimes bei den Ereignissen um den tragischen Selbstmord des Vaters von Amir Hossein Moradi, einem inhaftierten Protestler, der zum Tode verurteilt worden war; der Selbstmord wurde veranlasst von psychologischem Druck, unter dem der Mann stand nach der Verhaftung seines Sohnes und dem Todesurteil gegen ihn.

Die staatliche Tageszeitung  Etemad – 30. September 2020

„Diesen bitteren Vorfall, nachdem er sich ereignet hat, dadurch zu verlängern, dass man die Häftlinge festhält, und heftige Urteile fällt und vollstreckt, ist so, wie wenn man mit dem Gewissen der Gesellschaft spielt. Das ist wirklich nicht günstig für das Land und das System“, liest man in dem Etemad Artikel. Während sie das Scheitern der Unterdrückung des Regimes einräumt, schrieb Etemad unter der Bezeichnung „einzigartige Entfaltung von Autorität“: „Dass sich solche Gewalt und solche tragischen Ereignisse nicht wiederholen ist weit nützlicher für alle als dass Wunden und Hass bleiben und der Schatten einer Furcht vor weiterer Gewalt andauert“.

In einem ähnlichen Artikel warnte die staatliche Tageszeitung Mardom Salari das Regime vor einem drohenden Aufstand. „Tiefe soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Krisen scheinen Frieden und Sicherheit in brüchige und verletzliche Verhältnisse gebracht zu haben. Weil Krisen gewöhnlich in einem besonderen Zyklus und in zeitlichen Abschnitten auftreten, ist es erschreckend, wenn der Krisenzyklus dagegen zu einem Trend wird“, steht  in dem Artikel zu lesen.

Die staatliche Tageszeitung Mardom Salari – 30. September  2020

Die staatliche Javan, eine Tageszeitung, die mit den  Revolutionsgarden (IRGC) in Verbindung steht, warnte auch die rivalisierende Fraktion vor dem wachsendem Hass der Menschen und einem möglichen Aufstand. Sie riet auch den Medien, weiterhin die Probleme der Bevölkerung zu verdecken, um eine weitere Runde größerer Proteste zu vermeiden. „Den Versuch zu machen, das Leiden der Menschen zum Ausdruck zu bringen … wird keine andere Wirkung haben als das Gesicht des Landes zu verdunkeln und den Feinden Hoffnung zu machen, damit sie den Druck und die Sanktionen verstärken“.

Die staatliche Tageszeitung Javan – 29. September  2020

Die staatliche Tageszeitung Mostaghel räumte ein, dass die Politik einer systematischen Untätigkeit des Regimes, um die COVID-19 Krise unter Kontrolle zu bringen und massenhafte Todesfälle zu benutzen, um einen Aufstand zu verhindern, fehlgeschlagen ist. Die Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK) gab am Mittwoch bekannt, dass mehr als 112 800 Menschen durch den Ausbruch des Coronavirus ihr Leben verloren haben.

„Wenn die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus 20 Prozent aller Todesfälle im Iran entspricht, aber [COVID-19] eine vermeidbare Krankheit ist und die statistischen Zahlen tage- und wochenlang so bleiben, so stecken wir in der Falle“, schreibt Mostaghel. „Aus dieser Falle herauskommt man damit, dass man eine Koexistenz mit dem Virus akzeptiert und Verhaltensweisen mit hohem Risiko einsetzt und der Resilienz des Gesundheitssystems Priorität gibt, sonst könnte, wie der Gesundheitsminister gesagt hat, die Krise auf dem Boden bleiben und dieses Mal die Opfer in ihrer Falle ersticken“.