Sunday, February 5, 2023
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Die wahren Verteidiger der Rechte von Muslimen

Auszüge aus einem Artikel von Nick Cohen

The Observer – Weltweit gab es drei Wochen lang Demonstrationen, die die große Ungerechtigkeit anprangerten, die den Muslimen angetan wurden. Todesangst hängt in der Luft, nachdem Polizisten Dutzende mit ihren Schlagstöcken verletzten. Das Außenministerium George W. Buschs warnte vor ‘systematischer Unterdrückung’, während Vertreter des Säkularismus und des Fundamentalismus ihre gegenseitig unvereinbaren Werte offenbarten. … ich spreche nicht über die globale Bedrohung durch skandinavische Cartoonisten, die unsere furchtlose freie Presse so erschrocken haben, sondern über Massenverhaftungen im Iran.

Die Medien haben gerade erst davon berichtet, auch wenn sich dadurch der Unsinn eines Kriegs der Kulturen des „Westens“ und der „Muslime“ auftut. Die Muslime von Teheran beweisen, dass sie alles andere als ein monolithischer Block sind, der glückselig auf die Parolen der Ayatollahs und ihres verwirrten Präsidenten, Mahmoud Ahmadinejad, hört. Zunächst ist über eine riesige Kluft zwischen den Klassen zu sprechen, und die Busfahrer Teherans stehen dem Bodensatz sehr nahe. Die Behörden lehnten ihre Forderung nach einer unabhängigen Gewerkschaft ab und legten fest, dass ein ‘islamischer Rat’ in den Büros der Teheraner und der Vorstadt Verkehrsbetriebe ihre Interessen vertreten sollen. Vielleicht sind viele nicht überrascht, aber Frömmigkeit hat sich bisher nicht als der kühnste Kämpfer für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen erwiesen. Die Busfahrer beklagten, dass Manager sich Geld von ihren Löhnen in ihre eigenen Taschen stecken würden und bildeten ihre eigene Gewerkschaft, um Ende Januar streiken zu können.

Ahmadinejad hat die manipulierten iranischen Wahlen letztes Jahr mit dem Versprechen gewonnen, für den kleinen Mann gegen die verdorbene Elite der islamischen Republik einzustehen. Als er sich entscheiden musste zwischen der Einlösung seines Versprechens und der Weiterführung der Gewaltherrschaft, hat er sein wahres Gesicht gezeigt und zugelassen, dass die Vorgehensweisen der religiösen Behörden 1999 gegen anders denkende Journalisten und Studenten weit in den Schatten gestellt wurden.

Firmenmanager und der islamische Rat haben die paramilitärische Polizei gerufen, die sechs Funktionäre der Gewerkschaft gefangen nahm und Arbeiter zusammenschlug, damit sie auf den Streik verzichten. Die Mehrheit hat tapfer abgelehnt. Die Schläger des Staates haben sich dann auf ihre Ehefrauen und Kinder konzentriert.

Mahdiye Salimi, die zwölfjährige Tochter eines Streikführers erzählte dem Reporter, dass sie in den frühen Morgenstunden zu ihnen nach hause kamen, um nach ihrem Vater zu suchen. Als seine Frau sagte, dass sie nicht wisse, wo ihr Mann ist, haben sie mit der Attacke begonnen. „Sie haben meine Mutter mit ihren Stiefeln in die Herzgegend getreten, und meine Mutter hatte große anhaltende Herzschmerzen. Sie wollten sogar etwas in den Mund meiner [zwei Jahre alten] Schwester spritzen.“
Niemand weiß, wie viele Menschen die Behörden festgenommen haben. Die höchste Zahl der britischen Gewerkschaft TUC beläuft sich auf 1.300. Internationale Gewerkschaftsverbände und die britische Botschaft in Teheran schatzen, dass noch immer ca. 400 bis 600 Menschen im Gefängnis sind.

Owen Tudor, der internationale Mitarbeiter der TUC, wollte bei der iranischen Botschaft Protest einlegen. Er war betroffen von dem Hass, der ihm als Gewerkschaftler entgegenschlug. Wahrscheinlich haben die iranischen Beamte, ohne es selbst zu merken, die Reden von Margaret Thatcher nachgeplappert und haben ihn erzählt, dass Gewerkschaften ‘der innere Feind’ seien. Aus ihrer Perspektive können Sie sehen, warum sie so denken. Gewerkschaften stehen für demokratische Gewohnheiten und ermutigen zur Solidarität mit anderen ohne Rücksicht auf Hautfarbe und –in diesem Fall wichtiger – Glauben. Keine dieser wunderbaren Eigenschaften findet bei den Fanatikern Anklang, die glauben, sie können die Gedanken Gottes lesen.

Human Rights Watch, Amnesty International, das US-Außenministerium und das britische Außenministerium, alle haben protestiert. Gewerkschaften, iranische Exilanten und Gay-Groups haben es vorgeführt. Die Medien haben es gerade bemerkt. Der Fehler ist teilweise genauso wie mein eigenes Unvermögen, beim Laufen Kaugummi zu kauen: Wir betrachten eine Geschichte nach der anderen. Und die heutige Geschichte ist der muslimische Ärger mit Cartoonisten.
Ich sage nicht, dass es nicht berichtenswert ist. Aber Sie sollen nicht vergessen, dass dänische Hartliner unter den Imamen die Karikaturen (und eigene etwas gotteslästernde und zusätzlich obszöne Zeichnungen)  in der muslimischen Welt vier Monate lang verhökert haben. Die religiöse Rechte und die syrischen Baath-Anhänger begrüßten sie und bewiesen wieder, dass sie nur zum Wahnsinn aufhetzen müssen, um Gewaltakte zu provozieren.

Der Iran kannte alle diese Kunstkniffe schon vorher, weil der Islamismus bereits länger als in irgendeinem anderen Land andauert. Anscheinend scheinen die alten Tricks aber nicht mehr zu funktionieren. Der Reporter der Associated Press berichtete, dass mehr als 400 Menschen letzte Woche vor der dänischen Botschaft in Teheran demonstrierten. Die meisten von ihnen waren – nach Aussagen der Opposition – Staatsangestellte, die Anordnungen Folge leisteten.

Selbst wenn Sie die niedrigste Schätzung nehmen: Es gab ebenso viele streikenden Busfahrer im Gefängnis in Teheran, wie vorbereitete Protestler, die nach den abgenutzten Spielregeln Molotov Cocktails gegen westliche Botschaften warfen. Niemand verdient damit Geld, wenn er die Entwicklungen im Nahen Osten optimistisch sieht, aber nach fast 30 Jahren mit islamistischen Gesetzen, scheinen die Iraner davon krank geworden zu sein.

Es kann nicht oft genug wiederholt werden, das ist kein Krieg der Kulturen, wohl aber ein Bürgerkrieg innerhalb der islamischen Welt zwischen der theokratischen Reaktion und den eingesperrten Kräften für Freiheit und Modernität. Der beste Dienst, den die liberale Linke in der reichen Welt erweisen kann, ist der, endlich auf der richtigen Seite zu stehen.