Saturday, February 4, 2023
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Editorial: Das iranische Regime erschrickt über die landesweiten Proteste

Das iranische Regime ist vielen Krisen ausgesetzt – im Lande und international; doch keine bedroht die Herrschaft der Mullahs stärker als die Erhebung im Lande, die im Dezember begann und immer noch anhält.

Das iranische Volk hat genug von der Unterdrückung, die das Regime seit Jahrzehnten ausübt, und von seiner Korruption, die die Wirtschaft auszehrt und nahe daran ist, das Land zu zerstören. Daher geht das Volk auf die Straße – so viele, wie es in der Geschichte des Mullah-Regimes noch niemals waren. Diese Proteste behaupten sich gegen die gewalttätige Unterdrückung, die die Mullahs ausüben; es wurden mindestens 50 Demonstranten auf den Straßen erschossen und mehr als 8 000 verhaftet; ihnen droht die Todesstrafe.

Tatsächlich wird das Regime von den immer besser organisierten Demonstrationen so beunruhigt, daß ein Mitglied des sog. Reform-Lagers es mit „einer Person“ verglich, „die auf einer dahin flutenden Brücke steht und auf den Sturz wartet“.

Eben in der vorigen Woche sind in verschiedenen Städten Proteste ausgebrochen – von den Basaren bis zu den Sportstadien; sie alle tönten wider von Sprechchören gegen den Höchsten Führer Ali Khamenei und das iranische Regime im ganzen. Es hat natürlich seine Sicherheitsmaßnahmen verstärkt – mit einer Mischung von Polizei, Sondereinheiten und Agenten in Zivil -, um die Demonstranten anzugreifen; doch damit wird es den Protest des Volkes nicht ersticken.

Viele Mitglieder des Regimes versuchen, die Proteste zu verharmlosen oder die „Feinde“ des Iran dafür verantwortlich zu machen. Sie versuchen, den Anschein zu verstärken, sie hätten alles unter ihrer Kontrolle, vergessen aber, daß die Welt die Proteste in den sozialen Medien und den Websites des iranischen Widerstandes verfolgen kann. Wiederholt hat das Regime zugegeben, daß der iranische Widerstand in den Demonstrationen eine Schlüsselrolle spielt. Damit beweist es, daß der Widerstand nicht die Randgruppe ist, als die die Mullahs ihn oft hinstellen.

Es ist deutlich: Das Regime befürchtet seinen Sturz; daher versucht es alles ihm Mögliche, um diesen Aufstand zum Ende zu bringen – außer dem Eingehen auf die Probleme des iranischen Volkes. Wahr ist dabei, daß das Regime über kurz oder lang fallen wird. Alle Probleme im Iran wurden von den Mullahs hervorgerufen; sie können nur dadurch gelöst werden, daß man die Mullahs entfernt. Sie verzögern nur noch das Unvermeidliche.

Zusätzlich zu den Protesten sehen sich die iranischen Mullahs nun durch wütende innere Machtkämpfe bedroht; sie zeigen nur die Schwäche des Regimes. Einige prangern die Tatenlosigkeit des Regimes angesichts der Schwierigkeiten, die das iranische Volk bedrohen, an; andere beschuldigen das Regime, es gehe nicht entschlossen genug gegen die Demonstranten vor. Doch die Welt sollte damit aufhören, bei ihnen zwischen Gemäßigten und Radikalen zu unterscheiden. Alle Mitglieder des Regimes sind aus demselben Holz geschnitzt. Sie zanken nur, um sich eine Machtposition für die Zukunft zu verschaffen, die das Volk niemals mehr zulassen wird.