Tuesday, January 31, 2023
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Erneut Ausschreitungen in Teheran

Tehran, Dec. 24, 2009Im Iran gehen die Proteste gegen die Regierung Ahmadinedschad – und damit die Ausschreitungen – weiter. Eine Trauerfeier für den Regimekritiker Montaseri wurde von der Polizei nach Angaben von Oppositionellen mit Gewalt aufgelöst. Mehrere Menschen seien verletzt worden.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Sechs Tage nach dem Tod des oppositionellen Großajatollahs Hossein Ali Montaseri halten die Unruhen in Iran an: Wie Webseiten der Opposition berichten, kam es am Vormittag in Teheran wieder zu heftigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der Opposition, die versuchten von einer Trauerfeier ausgehend eine  Protestdemonstration gegen die Regierung zu initiieren.

Die Polizei feuerte Tränengas in die Menge, um sie auseinander zu treiben. Die Zusammenstöße sollen sich am Imam-Hossein-Platz im östlichen Teil des Zentrums von Teheran ereignet haben. Eine unabhängige Bestätigung hierfür gibt es bislang aber nicht.

Landesweite Protestdemonstrationen
Nachdem es Anfang der Woche in der Heiligen Stadt Ghom, in Isfahan sowie in Najafabad, der Heimatstadt von Großajatollah Montaseri, zu Auseinandersetzungen gekommen war, wurden am Donnerstag bei Zusammenstößen in der nordwestiranischen Stadt Sanjan zahlreiche Menschen verletzt. Auch hier soll sich nach Angaben oppositioneller Webseiten aus einer Trauerfeier heraus eine Protestdemonstration entwickelt haben, die die Polizei unter Anwendung von Gewalt zu zerstreuen versuchte.

Am Ashura-Fest könnte die Gewalt wieder aufflammen
Für morgen werden weitere – möglicherweise schwere – Auseinandersetzungen erwartet. Denn es fallen zwei Ereignisse zusammen. Zum einen ist es der siebte Tag nach dem Tode Montaseris. Zum anderen feiern die Schiiten das Ashura-Fest, das den Höhepunkt des wichtigen und hochemotionalen Trauermonats Moharram bildet und an die Schlacht von Kerbela im Jahr 680 erinnert, die die Trennung zwischen Schiiten und Sunniten besiegelte.

Die entsprechenden Trauerriten könnten politische Protestaktionen beflügeln. So jedenfalls geschah es wiederholt zur Zeit des Schahs im Iran.