Sunday, December 4, 2022
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Frauen ins Fußballstadion lassen, „Ein zynischer PR-Gag”

Der Tod von Sahar Khodayari , der einem das Herz zerreißt, (ihr Spitzname war Blue Girl und sie opferte sich selbst, nachdem sie 6 Monate Gefängnis dafür bekam, dass sie ein Soccer Spiel besucht hatte) ist nur der letzte Vorfall, der das tragische Elend der Frauen im Iran unter der frauenfeindlichen Theokratie demonstriert.

Sahars Tod entfachte einen Sturm der Entrüstung und zwang die Mullahs dazu, zeitweise zurück zu rudern. Mit einem riesigen Druck von außen und der Drohung konfrontiert, aus der FIFA ausgeschlossen zu werden, gab das iranische Regime schließlich klein bei und erlaubte einer begrenzten Zahl von Frauen den Zugang zum Azadi Stadion in Teheran, wo sie sich das Spiel zwischen dem Iran und Kambodscha anschauen konnten.

Aus Angst vor den Folgen der Anwesenheit von Frauen im Stadion begrenzte man allerdings offiziell die Zahl der Tickets, die an Frauen verkauft werden durften. Nur vier Abschnitte im Stadion mit insgesamt 3500 Sitzen wurden den Frauen zugeteilt. Das Azadi Stadion hat aber eine Kapazität von etwa 78 000 Sitzen und kann bis zu 95 000 Zuschauer aufnehmen.

Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Wie Philipp Luther, der Direktor für Forschung und Anwaltschaft für den Vorderen Orient und Nordafrika bei Amnesty International am 9. Oktober erklärte: „Die Entscheidung des Iran, eine symbolische Zahl von Frauen für das morgige Fußballspiel ins Stadium zu lassen, ist ein zynischer PR-Gag der Behörden, der ihr Image aufpolieren soll nach dem globalen Aufschrei über Sahar Khodayaris tragischem Tod“.

In Wahrheit wird jedoch jedes öffentliche Erscheinen von Frauen als Bedrohung der drakonischen Gesetze und Edikte betrachtet, die den Staat bewahren sollen. Der Staatsanwalt von Teheran Mohammad Jafar Montazeri hat gewarnt: „Die Anwesenheit von Frauen in der Fußballarena ist ein kalkulierter Zug der Feinde“.

Vor ein paar Jahren erließ der Oberste Führer des Regimes Ali Khamenei, als es um eine ähnliche Forderung der Frauen ging, dass sie Fahrrad fahren dürfen, eine Fatwa, die die perverse Haltung der Kleriker offenbarte und Frauen verbot, öffentlich Fahrrad zu fahren. „Fahrrad fahren erregt oft die Aufmerksamkeit der Männer und bringt der Gesellschaft Verderbnis. Es läuft damit der Keuschheit der Frauen zuwider und muss untersagt werden“, so zitierten ihn staatliche Medien.

Wenn man an der Oberfläche kratzt, so geht das Herum trampeln auf den Rechten von Frauen tiefer als die Erlaubnis, Fußballstadien zu betreten oder Fahrrad zu fahren. Dass es den Frauen verweigert wird, Soccer Spiele zu besuchen, ist nur ein Aspekt der systematischen und institutionalisierten Diskriminierung iranischer Frauen. In der mittelalterlichen Weltsicht der Mullahs werden Frauen als Bürgerinnen zweiter Klasse betrachtet. Die Apartheid nach dem Geschlecht ist in der Verfassung des iranischen Regimes und im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Strafgesetz seit dem Anbeginn des Kleriker Regimes 1979 verankert. Das fing an mit der erzwungenen Auflage, den Schleier zu tragen, und ging weiter mit der Verweigerung des Rechts auf Scheidung, des Rechts darauf, Richterinnen oder Präsidentin zu werden, des Rechts darauf, alleine zu reisen, des Rechts darauf, Zugang zu einer Reihe von Studienfächern zu bekommen, bis zu der Verweigerung des Rechts auf einen gleichen Erbschaftsanteil.

Mit ihrem rückhaltlosen Kampf für ihre Rechte wendeten die iranischen Frauen das Blatt für das Regime und seine unterdrückerischen Maßnahmen. Die Ablehnung der Frauen spiegelte sich wieder in ihrer aktiven Teilnahme am politischen Kampf, der in den ersten beiden Jahren nach dem Sturz des Schahs eingeleitet wurde. Die Frauen setzten ihren Kampf fort, indem sie sich in den darauffolgenden Jahren den Reihen der organisierten Opposition, der Mujahedin-e Khalq (PMOI/MEK), anschlossen. Nicht weniger als 30 Prozent derer, die wegen politischer Anklagen vom Regime hingerichtet wurden, sind Frauen. Auch bei den Tausenden von Protesten gegen das Regime in den letzten Jahren spielten Frauen eine führende Rolle, darunter den Aufständen in 160 Städten Ende 2017, die sich im Jahr 2018 fortsetzten.
Bei ihrem Kampf für die Durchsetzung ihrer Rechte wurden die Frauen im Iran zweifellos von ihren Schwestern in den Reihen der MEK und der Koalition des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI) inspiriert, wo Frauen eine Führungsrolle haben. Der Zehn Punkte Plan der gewählten Präsidentin Maryam Rajavi betont die Gleichberechtigung der Geschlechter in allen Aspekten des Lebens der Frauen, darunter die gleiche Teilnahme an der poltischen Führung des Landes, sobald die Mullahs abgesetzt sind.