Tuesday, November 29, 2022
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Geiselnehmer in der US-Botschaft bekleiden heute Spitzenpositionen in der Regierung des Iran

Vor vierzig Jahren, am 4. November 1979, wurde die Botschaft der Vereinigten Staaten in Teheran von einer Gruppe von Leuten besetzt, die sich „Studenten auf dem Pfade des Imam“ nannte. Es wurden 52 Angestellte und Diplomaten der Botschaft als Geiseln genommen und 444 Tage lang festgehalten.

Jahre später wurden aus den Geiselnehmern die höchsten Funktionäre des iranischen Regimes, darunter Mahmoud Ahmadinejad, ehemals Präsident des Regimes. Viele von den Geiselnehmern bekleiden immer noch Schlüsselpositionen im Regime. Der Westen taufte einige von ihnen fälschlich als „gemäßigt“ – trotz ihrer Loyalität gegenüber der Tagesordnung des Regimes.

Wo befinden sich die Geiselnehmer heute?

 

Masoumeh Ebtekar, Sprecherin der „Studenten auf dem Pfade des Iman“:

Masoumeh Ebtekar, auch als „Schwester Maria“ bekannt, war die Sprecherin der Geiselnehmer. Vehement verteidigte sie die Haft der Amerikaner und forderte, daß man ihnen den Prozeß machte. Derzeit ist sie Vizepräsidentin des Iran, zuständig für Angelegenheiten der Frauen und der Familie. Während der ersten Amtszeit von Hassan Rouhani war sie ebenfalls Vizepräsidentin und Leiterin der Organisation zur Erhaltung der Umwelt. Auch während der Präsidentschaft von Mohammad Khatami war sie Vizepräsidentin und mehrere Jahre lang Leiterin der Organisation zur Erhaltung der Umwelt.

Hamid Abutalebi:

Er ist jetzt politischer Berater des Präsidenten. Jahrelang bekleidete er Spitzenpositionen im Außenministerium, darunter den Posten des stellvertretenden Außenministers für politische Angelegenheiten, des Botschafters des Regimes in einer Reihe westlicher Länder wie Italien, Belgien, Australien und der Europäischen Union (15 Jahre lang), Berater der Außenministers (fünf Jahre lang) und Mitglied des Strategischen Rates des Außenministeriums. Im Jahre 2014 kandidierte er unter Rouhani für den Posten des Vertreters des Regimes bei den Vereinten Nationen in New York, doch die Regierung der USA verweigerte ihm ein Visum – wegen seiner Rolle bei der Geiselnahme und bei dem 1993 an Mohammad-Hossein Naqdi, dem Vertreter des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI), in Italien verübten Mord.

Hossein Sheikholislam, Ratsmitglied der „Studenten auf dem Pfade des Imam“ und Mitglied der Gruppe zur Prüfung der Dokumente der US-Botschaft:

Jetzt ist er Berater des Außenministers Mohammad Javad Zarif. Früher war er mehrere Jahre lang Vertreter des Parlamentssprechers Ali Larijani, zuständig für internationale Angelegenheiten. 16 Jahre lang war Sheikholislam stellvertretender Außenminister, zuständig für politische Angelegenheiten. Darnach war er für drei Jahre Botschafter des Iran in Syrien; dann verbrachte er zwei Wahlperioden als Mitglied des Parlaments, um dann wieder stellvertretender Außenminister zu werden, zuständig für Angelegenheiten des Nahen Ostens.

Mohammad-Ali (Aziz) Jafari, einer der Verschwörer der Geiselnahme in der US-Botschaft:

Bis zum 21. April 2019 war Generalmajor Mohammad-Ali Jafari mehr als 10 Jahre lang Kommandeur des Corps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC). Derzeit ist er betraut mit dem „Kulturellen und sozialen Hauptquartier Baqiollah“.

Hossein Dehqan:

Hossein Dehqan, Brigadegeneral des IRGC, war während der ersten Amtszeit Rouhanis (2013 – 2017) Verteidigungsminister des Iran. Er ist jetzt Berater des Höchsten Führers für Verteidigungs-Industrie und Unterstützung der Armee. Von 2004 bis 2009 war er Vizepräsident und Vorsitzender der Shahid-Stiftung (Bonyad-e Shahid), einer der größten wirtschaftlichen Institutionen des Regimes. Während der Präsidentschaft von Khatami war er stellvertretender Verteidigungsminister. Davor war er stellvertretender Leiter der Luftwaffe des IRGC.

Nach der Freilassung der amerikanischen Geiseln schloß sich Hossein Dehqan dem IRGC an und ging nach Libanon. In den Jahren 1982 bis 1984 war er in Beirut – in der Hauptzeit der im Libanon verübten Terrorangriffe, besonders der massiven Explosionen wie denen in der US-Botschaft und den Marine-Kasernen der USA. Er hatte die Schlüsselrolle eingestanden, die er bei der Gründung der libanesischen Hisbollah spielte. Nach Berichten von Medien der USA spielte er im Jahre 1983 bei der Bombardierung von Beirut eine Schlüsselrolle; dabei wurden 241 amerikanische Marine-Soldaten getötet.

Reza Seifollahi, einer der Hauptverschwörer der Geiselnahme in der Botschaft und Mitglied des Zentralrates der „Studenten auf dem Pfade des Imam“:

Von 2013 bis 2018 war Reza Seifollahi der politische Vertreter des Sekretariats des Höchsten Nationalen Sicherheitsrates (SNSC). Von 2008 bis 2013 war er stellvertretender Koordinator des Schlichtungsrates des Regimes. Er war auch ein ranghoher Kommandeur des IRGC, darunter Kommandeur des Geheimdienstes des IRGC. Als die Polizei, die Gendarmerien und die Komités alle zu einer einzigen Truppe vereinigt wurden, wurde er zum ersten Kommandeur der Staatlichen Sicherheitskräfte (SSF) ernannt. Während der Präsidentschaft Khatamis war er stellvertretender Innenminister, zuständig für Angelegenheiten der Sicherheit.

Habibollah Bitaraf, Hauptverschwörer der Geiselnahme in der Botschaft und Mitglied des Zentralrates der „Studenten auf dem Pfade des Imam“:

Von 1997 bis 2005 war er Energieminister des Iran. Von 1986 bis 1989 war er Gouverneur der Provinz Yazd. Auch war er fast fünf Jahre lang stellvertretender Energieminister, zuständig für Bildungsangelegenheiten.

Ezzatollah Zarghami:

Ein Brigadegeneral des IRGC, wurde er auf Befehl des Höchsten Führers zum Leiter der staatlichen Körperschaft für Radio und Fernsehen; von 2004 bis 2014 spielte er in der Propaganda-Maschine des Regimes eine Schlüsselrolle. Jahrelang war Zarghami bei Zeremonien vor der US-Botschaft in Teheran der Hauptredner, um an die Übernahme der Botschaft zu erinnern.

Alireza Afshar:

Nach der Freilassung der Geiseln trat Afshar dem IRGC bei und bekleidete seitdem in ihr wichtige Positionen, z. B. die des Chefs des Generalstabes, des Kommandeurs der Bassij-Truppe und des stellvertretenden Kommandeurs der Bewaffneten Truppen, zuständig für kulturelle Angelegenheiten.

Während der Amtszeit von Ahmadinejad war Afshar stellvertretender Innenminister, zuständig für politische und soziale Angelegenheiten.

Er ist derzeit Leiter der Höchsten Delegation an der Denkschule des IRGC.

Mohsen Aminzadeh:

Während der Präsidentschaft von Khatami war Mohsen Aminzadeh stellvertretender Außenminister, zuständig für Angelegenheiten Asiens. Als Kamal Kharrazi Außenminister war, fungierte er als Schattenminister.

Hossein Sharifzadegan:

Während Khatamis zweiter Amtszeit als Präsident war Sharifzadegan Mitglied der „Islamischen Partnerschaftsfront“ und Generaldirektor der Organisation für soziale Sicherheit sowie Minister für soziale Sicherheit.

Mohammad Mehdi Rahmati:

Während der Präsidentschaft von Ahmadinejad war Rahmati verantwortlich für das Amt des Präsidenten zu Planung und strategischer Aufsicht.

Mohammedreza Behzadian-Nejad:

Während der ersten Amtszeit von Ahmadinejad war Behzadian-Nejad stellvertretender Innenminister, zuständig für wirtschaftliche Angelegenheiten. Später wurde er zum Leiter des Handels-Amtes in Teheran. Die Besetzung der US-Botschaft in Teheran bedeutete den Beginn der Geiselnahme-Politik und internationalen Erpressung des Regimes – einer Politik, die amtlich geworden ist und institutionalisiert wurde als ein Teil der Außenpolitik des Regimes.

Schon 40 Jahre lang wurzelt die Außenpolitik des Mullah-Regimes in Terrorismus und Erpressung. Es gilt heute als wichtigster staatlicher Förderer des Terrorismus in der ganzen Welt. In den vergangenen 40 Jahren gab es keine Zeit, in der das Regime keine Geiseln gehalten hätte. Immer noch werden – unter verschiedenen Vorwänden – in den Gefängnissen des iranischen Regimes Amerikaner und Bürger anderer Länder als Geiseln festgehalten.

In den vergangenen 40 Jahren sind tausende unschuldiger Menschen dem Regime und dem Terrorismus seiner Hilfstruppen zum Opfer gefallen – im Nahen Osten, in Asien, Afrika und sogar in Latein-Amerika.

Die Übernahme der US-Botschaft im Jahre 1979 – die Funktionäre des Regimes tauften sie später als die „Revolution, die größer war als die von 1979“ – zielte auf die Eliminierung der demokratischen Kräfte des Iran, besonders der „Organisation der Volksmojahedin des Iran (PMOI)“ aus der politischen Szene. Khomeini, damals der Höchste Führer des Regimes, unterstützte das Vorgehen der Studenten, und Khamenei, derzeit der Höchste Führer, der damals Leiter des Freitagsgebetes und Khomeinis Vertreter war, zählte zu den wichtigsten Unterstützern der Übernahme; er ging zur Botschaft und ermutigte die Studenten.

Es ist daher keine Überraschung, daß Khamenei in der vorigen Woche durch seinen Vertreter in der staatlichen Zeitung „Keyhan“ die vom Regime gedeckten irakischen Milizen, die als „Hashd al Shaabi“ bekannt sind und von der Quds-Truppe des IRGC befehligt werden, dazu aufforderte, die US-Botschaft im Bagdad nach dem Modell zu erobern, das vor 40 Jahren in Teheran angewendet worden war. Auch Hossein Shariatmadari, Herausgeber und Vertreter des Höchsten Führers des iranischen Regimes in der Zeitung „Keyhan“, forderte im Editorial der Zeitung am 30. Oktober 2019 die Übernahme der US-Botschaft durch die irakischen Milizen.

Shariatmadari – seine Worte geben die Meinung Khameneis wieder – schreibt: „Schon in einer früheren Erklärung wurde die Übernahme der US-Botschaft im Iran, die der Imam die ‚zweite Revolution‘ nannte, erwähnt; die Angelegenheit wurde zur Sprache gebracht im Zusammenhang mit der Frage, warum die revolutionäre Jugend des Irak … der Präsenz der US-Botschaft in Bagdad nicht ein Ende macht – dem Epizentrum der Verschwörung und Spionage gegen die unschuldigen Menschen des Irak! Warum merzen Sie diese infektiöse Wunde nicht aus ihrem heiligen Lande aus? Die Übernahme des Spionagezentrums der USA im islamischen Iran und Eliminierung dieses Epizentrums der Verschwörung brachte uns viele Wohltaten ein. Daher: Warum enthält die revolutionäre Jugend des Irak ihrem heiligen Land dieser Wohltaten vor?“