Saturday, December 10, 2022
StartNachrichtenMenschenrechteIran: Aufruf zur sofortigen Freilassung von Nargess Mohammadi

Iran: Aufruf zur sofortigen Freilassung von Nargess Mohammadi

Wegen Mangels an medizinischer Versorgung ist sie in besorgniserregendem Zustand 

Frau Nargess Mohammadi, politische Gefangene und Menschenrechtsaktivistin, ist trotz ihres sich verschlechternden Gesundheitszustandes ohne medizinische Versorgung. Gestern wurde sie, nachdem eine Lähmung acht Stunden lang angehalten hatte,

in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses gebracht. Doch wurde sie, obwohl die Ärzte darauf bestanden, dass sie behandelt würde, zeitweise außer Bewusstsein ins Gefängnis Evin zurückgebracht. 

Frau Mohammadi, Mutter von zwei Kindern, wurde am 5. Mai ins Gefängnis Evin geworfen, nachdem sie ohne Haftbefehl illegal von Geheimagenten in ihrem Haus festgenommen worden war. Um auf diese politische Gefangene Druck auszuüben, wurde ihr bei der Einweisung in eine Abteilung alle Medizin weggenommen und seitdem haben die Schergen des Regimes ihr ihre Medikamente verweigert. Ihre Verhandlung war auf den 6. Juli angesetzt worden, wurde aber aus unbekannten Gründen nicht einberufen. 

Frau Mohammadi wurde im Juni 2010 zum ersten Mal inhaftiert, unter dem Vorwurf der „Bildung einer Gruppe und Zusammenarbeit gegen die nationale Sicherheit“ sowie wegen „Propaganda gegen das System“. Sie wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Durch Folter und durch die Zustände in den Gefängnissen des Regimes wurde sie von einem Nervenleiden befallen und litt während der Verhöre an Lähmungsanfällen. Daraufhin wurde sie ihres sich verschlechternden Zustandes wegen gegen eine hohe Kaution freigelassen. In dem betreffenden Erlass hieß es, sie „könne ihr Urteil nicht ertragen“. 

Frau Mohammadi ist hervorgetreten, indem sie Angehörige politischer Gefangenen öffentlich anerkannte. Sie nahm an der Feier zu Ehren von Herrn Sattar Beheshti, des Arbeiters und Bloggers, der an der Folter starb, teilnahm und dabei eine Rede hielt. Weiterhin protestierte sie dagegen, dass Frauen mit Säure angegriffen und entstellt wurden. Sie bemühte sich, Hinrichtungen zu verhindern und verteidigte Gefangene, die religiösen und ethnischen Minderheiten angehörten. Ihr Engagement hat den religiösen Faschismus, der den Iran beherrscht, in Wut versetzt. 

Berichten zufolge wurde nach Frau Mohammadis Eintreten gegen die Hinrichtung etlicher sunnitischer Gefangenen und ihrer Forderung, ihnen ein faires Verfahren zu gewähren, den ihr gemachten Vorwürfen die lächerliche Anschuldigung der „Zusammenarbeit mit ISIS“ hinzugefügt. In ihrer Akte befindet sich ein Schreiben vom Geheimdienstministerium, das „die höchste Strafe für Nargess Mohammadi“ fordert, „da sie ihre Taten nicht bereut“. Zwei Hauptschergen von Evin namens Nassiripour und Hamidi haben gedroht, wegen der Proteste, mit denen viele für sie eintreten, werde es zu einem strengen Urteil kommen. 

Frau Sarvnaz Chitsaz, Vorsitzende des Frauenausschusses des Nationalen Widerstandsrates Iran, hat nochmals die internationalen Menschenrechtsinstitutionen und Herrn Ahmed Shaheed, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für die Menschenrechtslage im Iran, sowie Frauenrechtsorganisationen dringen aufgefordert, die willkürlichen Inhaftierungen zu verurteilen und wirksam zu handeln, um die Freilassung von Frau Nargess Mohammadi und anderen Frauen, die ihrer politischen Arbeit wegen im Gefängnis sitzen, zu erwirken. 

Frauenausschuss des Nationalen Widerstandsrates Iran 

12. August 2015