Wednesday, February 1, 2023
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IRAN: BOTSCHAFT VON MARYAM RAJAVI ZUM NEUEN AKADEMISCHEN JAHR – 2016-17


Liebe Studentinnen und Studenten,
verehrte Lehrer und Professoren,
Meister der Kultur und des Wissens,

verehrte Damen und Herren, die Sie sich erhoben haben, um gegen das Unrecht, das vom Fundamentalismus, der Unwissenheit, dem Zwang und dem Mißbrauch der Religion begangen wird, die Wahrheit zu verteidigen, und deren Herz von der Hoffnung auf Freiheit für den Iran erfüllt wird –

 

ich grüße Sie alle.

Ich hoffe, daß sich in dem neuen akademischen Jahr Ihre unschätzbaren Bemühungen um Lehre und Bildung mehr und mehr mit der Entscheidung zum Widerstand und zum Gewinn der Freiheit verbinden werden.

Am Vorabend des neuen akademischen Jahres haben die fundamentalistischen Mullahs und die repressiven Garden in der Gesellschaft Schweigen und Angst verbreitet. Doch diese Kälte wird durch die Energie und den Geist der Erneuerung überwunden werden, wenn Sie Hand in Hand – auf den Straßen und in den Schulen und Universitäten – das warmherzigste und erfreulichste gemeinsame Unternehmen in Angriff nehmen.

Lassen Sie uns an die Mädchen und Jungen denken, die auf Ihren Schulen, in Ihren Universitäten gelernt haben, jene Pioniere, die immer an der Front waren, wenn es galt, gegen die fundamentalistische Diktatur der Mullahs zu protestieren.

Khomeini glaubte, er könne durch die Welle von Hinrichtungen in den 80er Jahren und das Massaker von 1988 das Überleben des Regimes garantieren. Es ist nicht frei von Ironie zu erleben, wie jene reinen Seelen jetzt, am Beginn des neuen Schuljahres die Gesellschaft des Iran durch eine Bewegung, die die Gerechtigkeit erstrebt, in Anspruch nehmen, und dies besonders nach der Veröffentlichung des bewegenden Tonbands von Herrn Montazeri. Erneut hören wir ihre Stimme, ihre Botschaft: Die erste Lektion in jeder Klasse, jeder Schule ist die Lektion der Freiheit.

 

 

 

Kinder des Iran, auf deren Schultern seine Zukunft ruht,
liebe Lehrer und Professoren,

das neue akademische Jahr beginnt in einer Zeit, in der die chaotischen Krisen, von denen das Land heimgesucht wird, sich nirgendwo deutlicher zeigen als in dessen Bildungswesen.

Sie zeigen sich an den Schulen in zunehmendem Zerfall: Jugendliche, Teenager geraten in Armut, die Ungleichheit ist tief verwurzelt, das Bildungsniveau ist niedrig, die pädagogische Atmosphäre repressiv, die Lehrer entnervt. An den Universitäten zeigt sich die Krise in einem Verfall der wissenschaftlichen Standards, einer erstarrten, verödeten Umgebung und einer Hemmung der intellektuellen Dynamik bei Studenten und Professoren.

In diesem Jahr gehen 13 Millionen Schüler zur Schule; doch 4 Millionen Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren wird die Bildung vorenthalten. Viele von ihnen müssen arbeiten; manche von ihren Eltern sind drogenabhängig oder sehr arm. Einige von diesen Kindern besitzen nicht einmal Geburtsurkunden.

Zu den wichtigsten Problemen gehört im Bildungswesen der Mangel an Unterrichtsraum. Von einer begrenzten Zahl von Schulen abgesehen, ist das Fehlen von Leibesübungen und Stätten zur Erholung das gemeinsame Schicksal aller Schulen. In den Mädchenschulen sowie den in den armen Gebieten gelegenen Schulen besonders der Provinzen Sistan-o-Baluchistan, Hormuzgan und West-Azerbaijan propft man die Schüler auf engem Raum zusammen – allzu weit entfernt von den Grundsätzen der Bildung und der Hygiene.

32 000 Schulen, das ist ein Drittel sämtlicher Schulen des Landes, sind baufällig und bedürfen des Abrisses und Wiederaufbaus.

Allein in Teheran warten 17 000 Klassenräume auf ihre Rekonstruktion. Angesichts des begrenzten Haushaltes schätzen jedoch die Beamten des Regimes, daß es 32 Jahre dauern würde, bis die Schulen der Hauptstadt rekonstruiert wären. Bei den jetzigen Haushaltsverhältnissen würde es ein halbes Jahrhundert dauern, bis alle Schulen des Landes wiederhergestellt wären.

Die Mullahs vergeuden den Wohlstand und die Ressourcen des Landes für das Corps der Revolutionären Garden und seine kriegerischen Unternehmungen in Syrien und im Irak. Dafür müssen verarmte Familien, deren Verdienst nicht einmal zu ihrem eigenen Lebensunterhalt ausreicht, einen Teil der für die Schulen aufgewendeten Mittel bezahlen.

Eine weitere bezeichnende Folge der vorherrschenden Repression ist die paranoide intellektuelle und politische Atmosphäre mit einer den Menschen aufgezwungenen Einstellung zur Bildung, zu ihren Methoden und zu der Art, wie man die Kinder behandelt.

Verbreitete Depression, psychische Probleme und allgemeiner Mangel an Freude und Glück – das sind die Folgen, die das repressive Regime in der Gesellschaft hinterläßt. Außerdem bezeugen Mangel, Unterernährung, Gesundheitsprobleme, ausgezehrte Schülern das drastische Ausmaß der Ungleichheit, Ungerechtigkeit sowie des ökonomischen und politischen Drucks, dem die iranische Gesellschaft unterliegt, und deren Elend besonders die Kinder trifft, denn sie sind am verletzlichsten.

Offiziellen Schätzungen zufolge hat 1% der 13 Millionen Schüler mit Drogen zu tun. Die Rate der abhängigen Schüler beträgt 2, 6%. (Bitte überprüfen; die beiden Aussagen widersprechen einander. Mit den „2, 6%“ könnten die Studenten an Hochschulen und Universitäten gemeint sein. Andererseits sind 250 000 etwa 2, 6% von 13 Millionen – der behaupteten Gesamtzahl von Schülern  u n d  Studenten. Hier stimmt etwas nicht.) Nach den Schätzungen der Regierung, die in der Regel unter den wirklichen Zahlen liegen, sind unter den Studenten der Hochschulen und Universitäten mehr als 250 000 drogenabhängig.

Was ist in der iranischen Gesellschaft geschehen? Welche Epidemie, welches Unglück, welcher zerstörerische Krieg hat die Gesellschaft heimgesucht, so daß alle Dinge die Grundlage ihrer Existenz verloren haben? Dies Unglück ist kein anderes als die Velayat-e Faqih, deren immer weiter verlängerte Herrschaft die Kinder und den Wohlstand des Iran zerstört.

Dabei fühlt sich das herrschende Regime keineswegs sicher. Das liegt an der jungen Generation, den neuen Lehrern und an den Schulen; jede von ihnen ist ein Nährboden von Revolte und Protest. Darum hat das Regime jeder Schule nun einen Mullah beigegeben. In diesem Jahr wurden mehr als 20 000 Mullahs an die Schulen abgeordnet – überall im Lande -, um die Repression zu steigern und die Absurditäten des Fundamentalismus im Zeichen des Islam zu verbreiten.

Und nun eine gute Nachricht: Unsere Lehrerkollegen haben im vergangenen akademischen Jahr bewundernswerte Demonstrationen und Streiks veranstaltet. Sie haben die rückwärtsgewandte und repressive Politik des Bildungsministeriums herausgefordert. Sie haben in allen Städten ihre Rechte gefordert. Sie beharrten auf der Freilassung inhaftierter Lehrer; sie forderten für die Lehrer die Anerkennung des Rechts auf Demonstration und die Abschaffung der Ungleichheit unter ihnen. Ich grüße sie alle und rufe unsere Kommilitonen, alle Schüler und Landsleute auf, sich zur Unterstützung der berechtigten Forderungen unserer verehrten Lehrer und aller im Bildungswesen Tätigen zu erheben.

Liebe junge, erfinderische Generation des Iran,
und alle freiheitliebenden Kräfte an den Universitäten und im ganzen Bildungswesen,

die gewaltige Krise, die das Bildungssystem belastet, hat an den Universitäten und in den Zentren der höheren Bildung zu einem gewaltigen Verfall des Niveaus geführt. Zwar hat die Zahl der Hochschulen zugenommen, aber eine große Zahl der Universitäten, z. B. die Azad-Universitäten, wurden nur gebaut, damit die herrschenden Mullahs daran verdienen; sie haben in den Zentren der höheren Bildung zu einem drastischen Verfall des Niveaus geführt.

Der Haushalt für die höhere Bildung reicht nicht aus; einige Universitäten können nicht einmal die Gehälter ihrer Professoren bezahlen. In diesem Jahr ist das Budget für die wichtigsten Universitäten des Landes – darunter die Universität von Teheran, die Technische Universität Sharif, die Universität von Shiraz, die Universität von Isfahan, die Universität von Tabriz, die Ferdowsi-Universität von Mashhad, die Technische Universität von Isfahan, die Amir-Kabir-Universität und die Universität der Wissenschaft und Technik – insgesamt niedriger als das Budget für die Seminare und anderen sog. religiösen Institutionen.

Die Armut der Studenten, die Inhaltsleere der Kurse, die Arbeitslosigkeit examinierter Studenten – weitere Beispiele für den Verfall des höheren Bildungswesens. Nach Regierungsquellen sind unter den 40 Millionen beschäftigungslosen Einwohnern des Landes 5, 5 Millionen ehemalige Universitätsstudenten, die keine Stellung haben.

Das Bildungswesen ist wahrhaftig zu einem Stillstand gekommen und verfällt. Diesen Schaden kann die Velayat-e Faqih nicht beheben; das verhindern ihre militärischen und terroristischen Prioritäten.

Das iranische Bildungswesen benötigt eine Atmosphäre der Freiheit, um Leben und Fortschritt wiederzugewinnen. Der erste Schritt einer Befreiung des Bildungswesens des Landes bestünde in der Vertreibung der herrschenden Mullahs und dem Sturz der Velayat-e Faqih. Wie Massoud Rajavi, der Leiter des iranischen Widerstands, gesagt hat: Der Kampf um den Sturz des Regimes
„war der Kern der nationalen, patriotischen Bewegung und wird es sein“.

Die tapferen Studenten der Hochschulen und Universitäten, die sich seit dem 20. Juni 1981 erhoben, haben im Kampf gegen das herrschende Regime ihr Leben preisgegeben. Es waren die Pioniere des Kampfes. Unter den Opfern des Massakers von 1988 war eine gewaltige Zahl von Studenten, die für das glorreiche Bild eines freien Iran und die Errichtung einer demokratischen Gesellschaft aufgestanden waren.

Wie gesagt – die Erinnerung an diese Märtyrer inspiriert uns heute mehr denn je. Sie waren in ihrer Kampagne bestrebt, den Hinrichtungen ein Ende zu machen – nach der Hinrichtung von Reyhaneh, Neda, Sattar und Behnoud bis hin zu den Hinrichtungen, die auf die Aufstände des 20. Juni und des 27. September antworteten, und den 30 000 Roten Rosen, die 1988 an den Galgen kamen.

Die Energie, die von der lebendigen Erbschaft dieser Märtyrer ausgeht, wird widerhallen von dem Verlangen des iranischen Volkes nach Gerechtigkeit, von seinem Schrei: „Nein zu den Hinrichtungen, Nein zu dem Terror der Mullahs!“ – im Iran und in der Welt. Diese Energie wird die Mullahs vor Gericht bringen, sie wird sie wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen verfolgen, sie wird die leidenschaftliche Liebe des Iran zur Freiheit beflügeln.

Am Beginn des akademischen Jahres fordere ich alle freiheitliebenden Schüler, Studenten, Lehrer und Professoren auf, sich noch aktiver an der Bewegung zu beteiligen, die die Gerechtigkeit erstrebt (für die Opfer des Massakers von 1988). Sie, Ihre Initiativen müssen in dieser Bewegung an vorderster Front stehen; denn Sie halten die Fackel des Wissens und des Bewußtseins in Händen. Dazu gehören neue Unternehmungen im Internet, in den sozialen Netzwerken, gegen die Hinrichtungen im Iran; dazu gehört die Suche nach Gerechtigkeit für die Opfer des Massakers von 1988, dazu gehören Aufklärungsunternehmungen an Ihren Schulen und Universitäten. Dazu gehören Slogans an den Wänden der Straßen und Alleen. Dazu gehört die Verbreitung von Informationen über die Märtyrer und Häftlinge und Protestversammlungen, und dazu gehört, daß die man öffentlich zur Schau gestellten Hinrichtungen, Auspeitschen und andere Arten unmenschlicher Erniedrigung zum Erliegen bringt.

So kann die Straße gepflastert werden, auf der man zu einem freien Iran kommt, einem Iran, der auf Freiheit beruht, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Trennung von Religion und Staat sowie der Errichtung eines fortschrittlichen Bildungswesens.

Eines fortgeschrittenen Bildungswesens, das für alle Kinder des Iran frei ist und verpflichtend. Es geht um ein höheres Bildungssystem, das auf der akademischen Freiheit beruht, ein Sportwesen, das Mädchen und Jungen die freie, gleiche Teilnahme an den verschiedenen Sportarten in Stadt und Land ermöglicht.

Ein fortgeschrittenes Bildungswesen, in dem alle unsere Landsleute, darunter die verschiedenen ethnischen Minderheiten ihre kulturelle, religiöse und sprachliche Identität pflegen und in ihrer Muttersprache sprechen und sie fördern können.

Ein Bildungswesen, in dem alle Studenten – Mädchen und Jungen, an den Hochschulen und Universitäten von jeder Nation, mit jeder Meinung, in jeglichem sozialen und finanziellen Status, die gleichen Möglichkeiten zu Bildung, Hochschulbildung und späterer Berufstätigkeit genießen.

Ein Bildungswesen, in dem Lehrer und Professoren die Möglichkeit haben, ohne Beschränkung zu lehren und zu forschen und ihre wertvolle soziale und politische Stellung wiederzugewinnen.

Ein Bildungswesen, in dem die Jugend die Formen eines demokratischen Lebens erlernen kann, insbesondere den Wert der Gleichberechtigung der Geschlechter, des gegenseitigen Respekts, der Toleranz und Zurückhaltung gegenüber anderen Religionen und Meinungen -, in dem die Jugend für die Gesellschaft Opfer bringen kann und zur Teilnahme am politischen Leben befähigt wird.

Ein Bildungswesen, in dem die verschiedenen Gebiete der Schönen Künste an den Hochschulen und Universitäten zu einem Teil der Bildung werden und so zu einem blühenden Leben der jüngeren Generationen beitragen können.

Die Energie, die Kraft dieser großen Revolution kommt von euch, der bewußten, freiheitliebenden Jugend des Iran. Ich rufe euch auf zur Teilnahme an dem Kampf um einen freien, demokratischen Iran!