Friday, February 3, 2023
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Iran: Gemeinsamer Brief von Nobelpreisträgern an den UN Generalsekretär bezüglich des Massakers von 1988

In einem Brief an den UN Generalsekretär Antonio Guterres drückten 25 Nobelpreisträger ihre Solidarität und Sympathie mit den Verwandten und Freunden der Opfer des Massakers von 1988 an politischen Gefangenen im Iran aus. Die Nobelpreisträger unterstrichen „die Notwendigkeit der Gründung einer internationalen Kommission durch die Vereinten Nationen zur Untersuchung dieses enormen Verbrechens.“
Sie zitieren auch die Erklärungen von Amnesty International und anderer Menschenrechtsorganisationen, in denen „Ebrahim Raisi, der damals stellvertretender Staatsanwalt von Teheran war, Teil eines vier Personen großen Todeskomitee in Teheran war. Dieses Komitee beschloss im Evin und Gohardasht Gefängnis die Hinrichtung von Tausenden Gefangenen, die Mitglieder der MEK waren sowie mehreren Hunderte anderen Gefangenen, die mit anderen Gruppen in Verbindung standen.“
Die Nobelpreisträger schrieben an den Generalsekretär der Vereinten Nationen:“ Es gab bisher keine internationale Aufarbeitung und daher existieren Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit weiter im Iran. Dazu zählt die Fortsetzung politischer Hinrichtungen und die Ermordung von mindestens 1.500 jungen Demonstranten im November 2019. Das Regime versucht zudem, das Schicksal der Opfer vor den Familien zu verschleiern, die Zahl der Hinrichtungen zu minimieren und die Verbindungen der Opfer zur MEK zu vertuschen. All das erhöht nur die kriminelle Bilanz des Mullahregimes.“

Der vollständige Text des Briefes:

Gemeinsamer Brief von Nobelpreisträgern an den UN Generalsekretär

September 8, 2021
8. September 2021
Seine Exzellenz António Guterres
Generalsekretär
Vereinte Nationen
New York, NY 10017
Exzellenz,
Wir, die Nobelpreisträger, die diesen Brief zum 33. Jahrestag des Massakers an politischen Gefangenen im Iran unterzeichnet haben, erneuern unsere Solidarität und Sympathie mit den Verwandten und Freunden der Hingerichteten und dem iranischen Volk. Wir betonten die Notwendigkeit der Gründung einer internationalen Kommission durch die Vereinten Nationen zur Untersuchung dieses enormen Verbrechens.
Vor 33 Jahren gab Chomeini, der Gründer der religiösen Diktatur des Iran, eine Fatwa in eigener Handschrift heraus, in der es hieß: Alle Gefangenen, die loyal zu den Mujahedin-e Khalq (MEK – iranische Hauptoppositionsbewegung) stehen, werden als Mohareb (im Krieg mit Gott befindend) angesehen und egal welche Strafe sie bereits abgesessen haben, sie sollen hingerichtet werden.
Aufgrund dieser Fatwa wurden in mehreren Wochen 30.000 politische Gefangene hingerichtet, nachdem sie zuvor von einem sogenannten Todeskomitee zwei oder drei Minuten lang befragt wurden. Alle, die ablehnten, die MEK zu verlassen, wurden sofort danach in eine Hinrichtungshalle geführt. Mehr als 90% der hingerichteten Gefangenen waren Mitglieder und Unterstützer der MEK. Weil sie mit „Straffreiheit“ rechnen konnten, haben die Mitglieder dieser Komitees, welche die Hauptverantwortlichen des Massakers sind, einige der höchsten Stellen im iranischen Regime besetzen können.
Wir möchten betonen, dass es eine Notwendigkeit zur Gründung einer internationalen Untersuchungskommission gibt, weil Ebrahim Raisi, der neue Präsident des Iran, einer der zentralen Verantwortlichen des Massakers war. Mehrere Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International, der UN Hochkommissar für Menschenrechte und prominente Menschenrechtsexperten sowie ein Audioband von Ayatollah Montazeri, dem damaligen designierten Nachfolger von Chomeini, haben bestätigt, dass Ebrahim Raisi als damaliger stellvertretender Staatsanwalt von Teheran Teil des vier Personen starken Todeskomitees in Teheran war. Dieses Komitee beschloss im Evin und Gohardasht Gefängnis die Hinrichtung von Tausenden Gefangenen, die Mitglieder der MEK waren sowie Hunderte von Gefangenen, die in Verbindung mit anderen Gruppen standen.
Die aktuellen iranischen Anführer, darunter Ali Khamenei und Raisi, waren direkt beim Massaker von 1988 beteiligt.
Weil es keine internationale Aufarbeitung gab, existieren Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit weiterhin im Iran. Dazu gehört die fortgesetzte Hinrichtung von politischen Gefangenen und die Ermordung von mindestens 1.500 jungen Demonstranten im November 2019. Das Regime versucht, das Schicksal der Opfer vor den Angehörigen zu verschleiern, die Zahl der Hinrichtungen zu minimieren und die Verbindungen der Opfer zur MEK zu vertuschen. All das erhöht nur die kriminelle Bilanz des Mullahregimes.
Unterzeichner:

• Professor Harvey Alter, Nobelpreis, Medizin 2020, USA
• Professor Barry Barish, Nobelpreis, Physik 2017, USA
• Professor Georg Bednorz, Nobelpreis, Physik 1987, Deutschland
• Professor Thomas Cech, Nobelpreis, Chemie 1989, USA
• Professor Elias Corey, Nobelpreis, Chemie 1990, USA
• Professor Joachim Frank, Nobelpreis, Chemie 2017, USA
• Professor Sheldon Glashow, Nobelpreis, Physik, 1979, USA
• Professor Roger Guillemin, Nobelpreis, Medizin 1977, USA
• Professor Dudley Herschbach, Nobelpreis, Chemie 1986, USA
• Professor John Lewis Hall, Nobelpreis, Physik 2005, USA
• Professor Oliver Hart, Nobelpreis, Wirtschaft 2016, USA
• Professor Alan Heeger, Nobelpreis, Chemie 2000, USA
• Professor Roald Hoffmann, Nobelpreis, Chemie 1981, USA
• Professor Robert Huber, Nobelpreis, Chemie, 1988, Deutschland
• Professor Roger Kornberg, Nobelpreis, Chemie 2006, USA
• Professor Fynn Kydland, Nobelpreis, Wirtschaft 2004, Norwegen
• Professor John Mather, Nobelpreis, Physik 2006, USA
• Professor Paul Modrich, Nobelpreis, Chemie 2015, USA
• Professor John Polanyi, Nobelpreis, Chemie 1986, Kanada
• Mr. Jose Ramos-Horta, Nobelpreis, Frieden, 1996, Ost Timor
• Professor Richard Roberts, Nobelpreis, Medizin 1993, USA
• Professor Randy Schekman, Nobelpreis, Medizin 2013, USA
• Professor Danny Shechtman, Nobelpreis Chemie 2011, USA-Israel
• Professor Wole Soyinka, Nobelpreis, Literatur 1986, Nigeria
• Professor David Wineland, Nobelpreis, Physik 2012, USA