Friday, February 3, 2023
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Iran: Heftige Reaktionen nach Hassreden von Ahmadinejad

Bundeskanzlerin Angela MerkelDer iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad hat den Holocaust als «Märchen» bezeichnet. Statt die israelischen Angriffe gegen die Palästinenser zu thematisieren, «widmet sich der Westen dem Märchen vom Massaker an den Juden», sagte Ahmadinejad.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wies die Aussagen von Ahmadninejas als «unfassbar» zurück.
Deutschland will die internationale Staatengemeinschaft zu einer scharfen Zurückweisung der Äußerungen bewegen. Zunächst wolle sich Merkel beim EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel für eine gemeinsame Ablehnung einsetzen, sagte ein Regierungssprecher. Alle im Bundestag vertretenen Parteien wollen die Äußerungen Ahmadinejads am Freitag in einer gemeinsamen Resolution verurteilen.

Mehrere Grünen-Politiker forderten den Weltverband FIFA auf, den Iran von dem Turnier auszuschließen.

Das US-Außenministerium bezeichnete die Äußerungen Ahmadinejads als empörend. Der iranische Präsident werde sich und sein Volk damit nur noch weiter in die Isolation führen, sagte Sprecher Sean McCormack. Israel rief zu einer internationalen Koalition und Sanktionen gegen Iran auf.

In Polen, wo die Nationalsozialisten ihre Vernichtungslager errichtet hatten, riefen die Äußerungen Ahmadinejads besondere Bestürzung hervor. «Die Beunruhigung ist umso größer, da dies eine weitere Äußerung des Präsidenten eines UN-Mitgliedstaates ist, die einem anderen Land und ebenfalls UN-Mitglied das Existenzrecht abspricht», hieß es in der Stellungnahme des Außenministeriums in Warschau. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer äußerte sich ähnlich. Die EU-Kommission nannte die Worte Ahmadinejads «völlig inakzeptabel».

Der ultrakonservative iranische Präsident sprach am Mittwoch in Zehadan, wo er auf einer Rundreise durch die arme Provinz Sistan-Belutschistan Station machte: «Wenn Gott, die Propheten und die Religion im Westen abgelehnt werden, kümmert das niemanden, aber wenn jemand dieses Märchen vom Massaker an den Juden nicht glaubt, dann heult die zionistische Propagandamaschine laut auf.» In seiner live im Fernsehen übertragenen Rede wiederholte er seine Forderung nach Verlagerung des jüdischen Staates. Wenn der Westen an die Ermordung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges glaube, sollte Israel «ein Stück Land in Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada oder Alaska zur Verfügung gestellt werden».

Ahmadinejad hatte bereits in der vergangenen Woche bei einem Gipfeltreffen islamischer Staaten in Mekka das Ausmaß des Holocaust bestritten und die Verlagerung des jüdischen Staates etwa nach Deutschland oder Österreich gefordert. Ende Oktober hatte er verlangt, der «Schandfleck» Israel müsse aus der islamischen Welt getilgt werden. Bereits diese Äußerungen hatten weltweit Empörung ausgelöst.